Markus Eisenbichler fiel seinem Kumpel Karl Geiger nach dem deutschen Doppelsieg wild jubelnd um den Hals, auf dem Trainerturm riss Stefan Horngacher ungläubig die Arme in den Himmel: Mit einer furiosen Skisprung-Gala haben die DSV-Adler im polnischen Wisla für einen Traumstart in den WM-Winter gesorgt. Der überragende Eisenbichler schlüpfte als Krönung nach seinem erst zweiten Weltcupsieg in das Gelbe Trikot.

"Das ist so geil. Über das Gelbe Trikot freue ich mich wie an Weihnachten. Das hätte ich nicht erwartet", sagte Eisenbichler, der zuvor nur das Weltcup-Skifliegen im slowenischen Planica im März 2019 gewonnen hatte. Nun gewann er mit zwei starken Sprüngen auf 137,5 und 134,0 m und 267,6 Punkten klar vor seinem Teamkollegen Geiger (258,7).

Wisla
DSV-Adler fliegen in Wisla aufs Podest: "Erleichterung ist groß"
21/11/2020 AM 16:45

Dritter wurde der Österreicher Daniel Huber (255,7), der nach dem ersten Durchgang als Zweiter noch vor Markus Eisenbichler und Karl Geiger gelegen hatte. Huber gelang im ersten Sprung die Tagesbestweite von 138,5 Meter, damit blieb er nur einen halben Meter unter dem Schanzenrekord von Stefan Kraft aus dem Jahr 2013. Im Finale kam Huber nur auf 125,5 Meter und fiel einen Rang zurück.

Eisenbichler und Geiger gingen als Dritter und Vierter in den Finaldurchgang. Neben Huber konnte auch der Halbzeitführende Anze Lanisek (Slowenien) bei seinem zweiten Sprung nicht mit den beiden DSV-Adlern mithalten. Lanisek landete bei 118 Metern und wurde Sechster. Damit war der Doppelsieg von Eisenbichler und Geiger perfekt.

Erst der zweite DSV-Doppelsieg zum Saisonauftakt nach Schmitt/Hannawald 2000

"Ich habe zwar gewusst, dass ich gut drauf bin, aber damit habe ich nicht unbedingt gerechnet", sagte Eisenbichler. Auch der Tournee-Dritte Geiger jubelte: "Ich find's mega, ich freue mich riesig. Ich wüsste nicht, ob wir schon jemals so in den Winter gestartet sind." Tatsächlich hatte es nur 2000 durch Martin Schmitt und Sven Hannawald in Kuopio einen deutschen Doppelsieg zum Auftakt gegeben.

Dreifach-Weltmeister Eisenbichler ist zudem der erste DSV-Adler seit Severin Freund 2012, der mit einem Sieg in den Winter startet. Der Bayer ist nun nach Manfred Deckert, Jens Weißflog, Dieter Thoma, Andre Kiesewetter, Schmitt, Hannawald, Freund, Richard Freitag und Geiger der zehnte Deutsche an der Spitze des Gesamtweltcups.

Doppelsieg für DSV-Duo: Traumsprünge und coole Sprüche

Freund in den Top 30 - Hamann stürzt nach Traumflug

Freund lag bei seinem Weltcup-Comeback nach dem ersten Durchgang auf einem starken 15. Rang, fiel im Finale aber auf Platz 25 zurück. Mit Pius Paschke als starker Zwölfter und Martin Hamann als 18. holten zweite weitere DSV-Springer zum Auftakt Weltcuppunkte. Hamann sorgte im zweiten Durchgang auf der Adam-Malysz-Schanze für Aufsehen: Mit 138,5 m egalisierte er die Tagesbestweite von Huber, allerdings konnte der DM-Zweite seinen Traumflug nicht stehen. Der Auer blieb aber unverletzt und sagte im Anschluss: "Der war Wahnsinn, eine ziemliche Granate."

Andreas Wellinger sprang bei seinem ersten Weltcup-Einzelspringen seit 20 Monaten im ersten Durchgang 114 Meter und verpasste als 39. den Finaldurchgang. "Ich war schon nervös - deutlich mehr, als ich es von mir kenne. Ich tue mich noch schwer bei so Bedingungen", sagte der 25-Jährige in der "ARD". Auch Constantin Schmid musste als 42. im Finale zu sehen.

Sehr enttäuschend verlief der Saisonauftakt auch für den Gesamtweltcupsieger der vergangenen Saison, Stefan Kraft. Der Österreicher schaffte es überraschenderweise ebenfalls nicht in die Top 30. Kraft wurde 32.

Erstmals fand ein Weltcup vor leeren Rängen statt, zahlreiche polnische Fans hatten sich dennoch in den Wäldern versteckt und sorgten mit einem "Tröt-Konzert" für Stimmung. "Ich fand das mega cool, auch wenn das in Corona-Zeiten eigentlich nicht Sinn der Sache sein sollte", sagte Geiger schmunzelnd: "Am Anfang wurde noch Jubel per Lautsprecher eingespielt. Das war dann nicht mehr nötig."

Eisenbichler, Geiger, Schmid und Paschke hatten schon am Samstag mit Rang zwei im Teamwettbewerb überzeugt. Nacht acht Sprüngen fehlten dem DSV-Quartett umgerechnet keine fünf Meter auf den Rivalen Österreich, bei dem Cheftrainer Andreas Widhölzl einen Start nach Maß feierte. Dritter wurde Gastgeber Polen, die übrigen Nationen hatten deutlichen Rückstand.

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