Katharina Althaus lächelte nach ihrem letzten Flug leicht gequält, "Edelfan" Carina Vogt klatschte ihren Teamkolleginnen aufmunternd Beifall: Die deutschen Skispringerinnen haben bei der nordischen WM in Oberstdorf nach dem Debakel im Einzel auch im Mannschafts-Wettbewerb die Medaillen deutlich verpasst.
Für die Auswahl von Bundestrainer Andreas Bauer reichte es beim Heimspiel trotz einer ordentlichen Vorstellung nur zu Platz fünf - auf den Tag genau zwei Jahre nach dem grandiosen Gold bei der Premiere in Seefeld waren die Titelverteidigerinnen klar unterlegen.
"Wir wussten, dass es ein harter Kampf wird, vorne mitzuspringen oder sogar auf das Podium zu kommen", sagte die Oberstdorferin Althaus, 2019 Teil des Weltmeisterinnen-Quartetts: "Es ist natürlich schade, wenn man bei der Heim-WM nicht auf dem Podest steht." Doch auch Deutschlands Beste musste einsehen: Die Top drei sind derzeit meilenweit entfernt.
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Den Titel sicherte sich in einem Herzschlagfinale Österreich dank Senkrechtstarterin Marita Kramer. Die 19-Jährige, die am Vortag in der Einzelentscheidung im Finale noch unglücklich von Platz eins auf vier zurückfiel, fing mit einem Traumflug im letzten Durchgang auf 104,0 m noch die führende Einzel-Weltmeisterin Ema Klinec und deren Sloweninnen ab.

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Österreich nur knapp 70 Zentimeter vor Slowenien

Mit 1,4 Punkten Vorsprung nach acht Durchgängen - ungerechnet 70 Zentimeter - siegte das Team Austria (959,3 Punkte) vor Slowenien (957,9). Die 37 Jahre alte Daniela Iraschko-Stolz gewann damit ein Jahrzehnt nach ihrem Einzelgold von Oslo einen zweiten WM-Titel. Platz drei ging an Norwegen (942,1).
Deutschland (873,1) fehlten nach acht Sprüngen letztlich umgerechnet 34,5 Meter zu Platz drei. "Es hört sich vielleicht komisch an, aber ich bin zufrieden", sagte Bauer: "Die Mädels haben alles rausgehauen. Natürlich war die Strategie, da sein zu müssen, wenn die Großen schwächeln. Das haben wir geschafft - aber die haben nicht geschwächelt."
Althaus, im Einzel als Zehnte die beste DSV-Springerin, war erneut die Stärkste und sprang auf 94,0 sowie 94,5 m. Im letzten Durchgang verlor sie allerdings Platz vier im Duell mit Japans Topstar Sara Takanashi. "Ich hätte gerne den vierten Platz gerettet, das wäre auch für mein Gefühl wichtig gewesen. Aber im Endeffekt ist es egal, ob es dann der vierte oder fünfte ist", sagte Althaus.

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Vogt nach schwachem Einzel nur Zuschauerin im Team

Zudem kamen Anna Rupprecht (90,0+94), Juliane Seyfarth (88,5+90,5) und WM-Debütantin Luisa Görlich (85,0+94,5) zum Einsatz. "Wir haben alle die Sprünge gemacht, die im aktuellen Trainingszustand möglich sind", meinte Seyfarth.
Vogt, mit Althaus, Seyfarth und Ramona Straub in Seefeld Weltmeisterin, musste tatenlos mitfiebern. "Carina hat uns unterstützt und geholfen, sie ist Teil des Teams", sagte Althaus. Die Grande Dame des deutschen Skispringens war nach ihrem 30. Platz am Donnerstag im Einzelwettbewerb aus dem Aufgebot gerutscht, hatte aber fast schon darum gebeten.
Zwei Chancen haben die deutschen Frauen noch: Am Sonntag (17:00 Uhr) treten zwei von ihnen mit dem Mixed-Team an, das zuletzt dreimal in Folge den Titel gewonnen hatte. Am Mittwoch wird schließlich zum ersten Mal bei einer WM von der Großschanze gesprungen.
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(SID)

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