Skisprung-WM 2025: DSV-Adler im Formtief - Stefan Horngacher sieht DSV-Adler "ganz weit weg von den Favoriten"
Update 20/02/2025 um 13:00 GMT+1 Uhr
Die WM im norwegischen Trondheim steht vor der Tür, doch die deutschen Skisprung-Hoffnungen sind sehr bescheiden. Nach den Enttäuschungen der zurückliegenden Wochen fahren die deutschen Skispringer mit mäßigen Erwartungen nach Skandinavien. "Wir sind ganz weit weg von den Favoriten", erklärte Bundestrainer Stefan Horngacher und gab einen Einblick in die anstehende Vorbereitung in Oberstdorf.
DSV-Lichtblick in Sapporo: Wellinger dennoch enttäuscht
Quelle: Eurosport
"Wie ich sehe, gibt es immer noch ein reges Interesse am Skispringen", begrüßte Bundestrainer Stefan Horngacher die anwesenden Journalisten in einer Medienrunde vor dem Aufbruch Richtung WM mit einem Lächeln. Dann widmete er sich mit ernster Miene einem weniger unterhaltsamen Thema - dem deutschen Ausblick auf die Weltmeisterschaften in Trondheim (live und on-demand bei discovery+).
Nach einem fulminanten Saisonstart der DSV-Adler, der vor allem die Handschrift von Pius Paschke trug, setzte es in diesem Winter nämlich einen Dämpfer nach dem anderen.
Mittlerweile befinden sich Karl Geiger, Andreas Wellinger und Co. irgendwo im Mittelfeld. Die Aussichten auf Edelmetall in Norwegen sind in den Einzelspringen verschwindend gering.
"Wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht, sind gut vorbereitet in die Saison gestartet. Jetzt kommen wir irgendwo und sehr weit hinten raus. Wir sind ziemlich abgedriftet", erklärte Horngacher. "Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine genaue Analyse muss im Frühling erfolgen. Der aktuelle Stand ist: völlig unzufriedenstellend für alle Beteiligten."
Das Problem liegt im technischen Bereich
Anzug, Ski, Bindung, Schuh - im Skispringen ist das Material oft das Zünglein an der Waage. Laut Horngacher sind die ausbleibenden Ergebnisse aber nicht darauf zurückzuführen. "Der Großteil der Misere hat mit dem technischen Bereich zu tun", merkte er an. "Es wurde einfach über einen zu langen Zeitraum zu schlecht gesprungen. Das hat sich dann im Laufe der Zeit durch die technischen Fehler verstärkt."
Der ein oder andere Sprung sei zwar ein Lichtblick gewesen, "aber leider Gottes gab es diese Sprünge nicht in Serie und wir kamen nicht in einen Rhythmus, mit dem man Selbstvertrauen hätte tanken können." Bis zur Weltmeisterschaft in Trondheim ginge es laut Horngacher nun darum, in der Vorbereitung für das nötige Selbstverständnis der einstigen Überflieger zu sorgen.
Während der Saison ist ein solcher Prozess aber alles andere als einfach. "Die Umsetzung ist im Wettkampf-Alltag äußerst schwierig. Du kommst an die Schanze, machst zwei Trainingssprünge - und dann geht das Wochenende schon los", so Horngacher.
Für einen Sportler ist es daher knifflig, im großen Ausmaß in die eigenen Abläufe einzugreifen. "Der Mut zur Lücke ist nicht da", meinte Horngacher. "Daher benötigen wir nun diese Trainingsphase, um die Dinge in Ruhe aufbrechen zu können."
Horngacher: "Ganz weit Weg von den Favoriten"
Sportliche Dellen und formtechnische Schwankungen sind bei weitem nichts Außergewöhnliches. Ein Blick auf das deutsche Team wirft jedoch die Frage auf: Warum gleich die ganze Mannschaft?
"Das ist definitiv ein Thema, über das wir uns viele Gedanken machen", räumte Horngacher ein. Körperlich seien alle DSV-Adler topfit, technische Fehler könne man zudem ausmerzen. "Das spricht wohl auch dafür, dass im Materialbereich etwas nicht zu 100 Prozent passt. In der Spur sind wir immer die Schnellsten, aber wir haben einfach nicht diesen Support während des Fluges. Da lassen wir zu viel liegen."
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"Rückfall in alte Zeiten": Paschke stürzt im zweiten Durchgang ab
Quelle: Eurosport
Ein Umstand, der andere Nationen an Deutschland hat vorbeiziehen lassen. Der Abstand zur Spitze ist mittlerweile sogar so weit angewachsen, dass Horngacher seinen Schützlingen sogar die Außenseiterrolle zuschieben will.
"Aktuell schaut es nicht gut aus, wir sind sicher keine Favoriten. Wir sind ganz weit weg von den Favoriten", unterstrich er. "Vielleicht haben wir Außenseiterchancen. Und diese wollen wir nutzen."
Dabei wollen die deutschen Skispringer vor allem auf den Flow setzen, in den sie möglichst ab dem ersten Wettkampfsprung kommen wollen. "Dann kann es schnell gehen. Und bei Weltmeisterschaften gibt es eigene Gesetze", so Horngacher. "Wir hoffen nicht darauf, sondern arbeiten darauf hin."
Rätsel um Paschke: "Ein Springer, der kopfgesteuert ist"
Für die wohl größte Verblüffung in den vergangenen Monaten sorgte Paschke.
Seine Triumphe in Lillehammer, Kuusamo, Wisla und Titisee-Neustadt schürten Hoffnungen auf einen deutschen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee und gar auf einen Durchmarsch zum Gesamtweltcup. Doch pünktlich zur Tournee kam der Absturz - wie kann so etwas passieren?
"Pius ist leider ein Springer, der kopfgesteuert ist. Wenn sein Feingefühl nicht passt und er sich etwas verkrampft, dann kann es auch ganz wild werden", gab Horngacher einen Einblick. Beim anstehenden Lehrgang in Oberstdorf wird Paschke daher besonders viel Aufmerksamkeit gegeben. "Und dann werden wir ihn auch wieder dorthin bekommen, wo er hingehört."
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