Nordische Ski-WM in Trondheim: Entsetzen nach Manipulationsvorwürfen in Norwegen: "Wer spricht noch von Gold-Party?"
VonJan Zesewitz
Update 09/03/2025 um 16:01 GMT+1 Uhr
Nach den Manipulationsvorwürfen im Skispringen ist bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim auch bei der Gastgebernation Norwegen das Entsetzen groß. Während der DSV, andere Nationen, zahlreiche Experten und die FIS rund um die Anzüge von Normalschanzen-Weltmeister Marius Lindvik und Co. ihren Schock kaum in Worte fassen können, wird der norwegische Verband auch von der heimischen Presse angezählt.
Schmitt-Analyse zum Anzugskandal: "Hier wird aktiv versucht zu manipulieren"
Quelle: Eurosport
Dreist manipulierte Anzüge, Zoff zwischen den Nationen, WM-Gastgeber Norwegen plötzlich am Pranger und der Weltverband unter Schock: Ein mutmaßlicher Betrugsskandal rund um ein anonymes Video hat das Skispringen zum WM-Abschluss in seine tiefste Krise seit Jahren geführt.
"Das ist ein Desaster. Das macht mich wütend und traurig", sagte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel an einem schwarzen Wochenende, Sven Hannawald sprach von der "Hässlichkeit unseres Sports".
Auslöser des größten WM-Skandals seit der Blutdoping-Razzia 2019 in Seefeld waren Bilder wie aus einem Agentenkrimi. Offenbar durch abgeklebte Fenster eines Hotelzimmers sind Näharbeiten an einem Sprunganzug zu sehen, Norwegens Cheftrainer Magnus Brevig schaut zu. "Die Videos weisen ganz klar einen extrem hohen Manipulationsverdacht auf", sagte Hüttel.
Die Folge war verheerend: Drei Nationen legten noch während des Wettkampfs von der Großschanze Protest ein. Der Norweger Marius Lindvik, Sieger von der Normalschanze, holte dennoch zunächst Silber, bei der folgenden Kontrolle wurde aber ein unerlaubter Eingriff festgestellt - Lindvik und zwei weitere Norweger wurden disqualifiziert. "Ich bin schockiert. Mit so etwas hätten wir nicht gerechnet", sagte Renndirektor Sandro Pertile von der FIS.
Norwegen ist entsetzt: "WM endet im Chaos"
In Norwegen war das Entsetzen groß, auf die bis dahin so großartigen Weltmeisterschaften fiel ein Schatten. "Unsere WM endet im reinsten Chaos. Lindvik ist Weltmeister, bleibt aber als Betrüger in Erinnerung", schrieb der Rundfunk "NRK". Die Zeitung "VG" kommentierte: "Wer spricht jetzt noch von der Gold-Party in Granasen? Die Vorfälle müssen Konsequenzen haben."
Norwegens Verband räumte zwar Fehler ein, wies den Vorwurf gezielter Manipulation aber zurück. "Wir haben einen Regelstoß begangen", sagte Brevig vor Pressevertretern: "Es tut uns leid, dass für den norwegischen Skisport so gute Weltmeisterschaften so enden." Sportdirektor Jan Erik Aalbu betonte: "Das ist kein Betrug, das ist kein Doping."
Pikant: Lindvik hatte sechs Tage zuvor Gold von der Normalschanze vor Andreas Wellinger gewonnen. Eine nachträgliche Aberkennung eines Titels sei aber unwahrscheinlich. "Wenn die Kontrollen fertig sind, sind die Wettkämpfe fertig", sagte Pertile.
Hüttel wies zumindest darauf hin, dass Lindvik wohl bei seinem Triumph denselben Anzug getragen hätte. Bei einer rückwirkenden Disqualifikation würde zudem Karl Geiger Bronze erhalten. Und nicht nur das: Norwegen gewann zudem Mixed-Gold und Team-Bronze, Deutschland war in beiden Wettkämpfen Vierter geworden.
Manipulation auch in der Nordischen Kombination
Pikant außerdem: Am Freitag war der norwegische Kombinierer Jörgen Graabak disqualifiziert worden - wegen einer manipulierten Bindung. Bei den Springern sollen die Norweger dagegen die innen liegenden Nähte mit festem Material verstärkt haben, was die Steifheit der Anzüge und damit die Flugfähigkeit erhöht. Ein gutes Bild gab der WM-Gastgeber wahrlich nicht ab.
Wie es weiter geht, ist offen. Das Thema wird aktuell bleiben: Bereits ab Mittwoch macht der Weltcup in Oslo Station. Der Imageschaden für das Skispringen ist zumindest jetzt schon gewaltig.
Auf die Frage, ob dies ein schwarzer Tag für das Skispringen sei, antwortete Hannawald bei der "ARD": "Wenn es eine dunklere Farbe als Schwarz geben würde, würde ich die nehmen."
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DSV-Boss poltert gegen Norwegen: "Muss vorsichtig sein"
Quelle: Eurosport
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