Nordische Ski-WM - Chaos im Skispringen: Norweger wegen manipulierten Anzügen am Pranger - DSV vermutet System

Marius Lindvik verlor WM-Silber, Stefan Horngacher den Glauben an gerechte Kontrollen und das Skispringen seine Glaubwürdigkeit: An einem denkwürdigen WM-Tag in Trondheim ist der Anzug-Streit komplett eskaliert, unter den Nationen herrscht mächtig Zoff. "Das wird jetzt ein richtiger Thriller-Killer", sagte "ARD"-Experte Sven Hannawald über den Eklat um heimliche Videos und böse Verdächtigungen.

Schmitt-Analyse zum Anzugskandal: "Hier wird aktiv versucht zu manipulieren"

Quelle: Eurosport

Am Pranger stehen die Norweger: Marius Lindvik, sechs Tage zuvor Weltmeister von der Normalschanze, wurde am Samstag kurz nach dem WM-Wettkampf von der Großschanze in Trondheim seine Silbermedaille aberkannt. Die FIS gab als Grund eine "Manipulation des Anzugs" an.
Sandro Pertile, Skisprung-Rennleiter der FIS, verriet im Gespräch mit Eurosport: "Die Naht der Anzüge war mit einem Extra-Material vorbereitet. Deshalb gab es mehr Spannung im Anzug und man konnte damit eine bessere Leistung zeigen."
Pertile zeigte sich über den Vorfall "schockiert". "Mit so etwas hätten wir nicht gerechnet. Wir müssen jetzt in Ruhe die Situation anschauen und eine Analyse machen", sagte der Italiener.
Auch Lindviks Teamkollege Johann Andre Forfang verlor seinen fünften Rang. Die Goldmedaille des Slowenen Domen Prevc vor dem Österreicher Jan Hörl und Ryoyu Kobayashi (Japan) geriet ebenso zur Nebensache wie der starke fünfte Rang von Philipp Raimund.

Hannawald zerlegt Darstellung Norwegens

Die erste Bombe platzte während des ersten Durchgangs: Österreich, Slowenien und Polen legten auf Grundlage eines kursierenden Videos Protest gegen die Starterlaubnis der Norweger ein.
Kurz zuvor hatten Videos die Runde gemacht, auf denen Norweger offensichtlich in ihrem Teamhotel an ihren bereits mit einem Chip versehenen Anzügen nähen. Die Fenster waren laut "Bild"-Zeitung mit schwarzer Folie abgeklebt.
Norwegens Skisprung-Chef Jan Erik Aalbu erklärte, die Anzüge in dem Video seien für den Weltcup am kommenden Wochenende in Oslo und nicht für die WM gedacht. "Das ist nichts Besonderes", sagte Aalbu.
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Highlights: Die denkwürdige Entscheidung von der Großschanze

Quelle: Eurosport

DSV-Sportdirektor Hüttel "traurig und wütend"

An dieser Darstellung gab es aber sofort erhebliche Zweifel. "Wenn das die Anzüge für die neue Periode sind, frage ich mich, warum die Anzüge auf dem Video Chips enthalten. Die gibt es erst, wenn die WM vorbei ist", sagte Hannawald.
Der Deutsche Skiverband sah das ähnlich. "Als die Techniker der anderen Nationen das gehört haben, hat es sie zerrissen. Das ist ja, als ob hier jemand unerlaubte Medikamente nimmt und sagt, die nimmt er ja für nächste Woche. Da kann ich überhaupt nicht folgen", sagte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel.
Die Angelegenheit mache ihn "traurig und wütend gleichermaßen. Für mich hat es den Anschein, dass es systemisch gemacht wird. Das ist für mich das Entscheidende."
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DSV-Boss poltert gegen Norwegen: "Muss vorsichtig sein"

Quelle: Eurosport

Horngacher und Schmitt finden klare Worte

Auch Bundestrainer Horngacher war restlos bedient. "Es sind ein paar Dinge passiert, die völlig unakzeptabel sind", sagte der Österreicher in der "ARD". Bisher habe er immer den offiziellen Kontrollen vertraut: "Aber ich habe jetzt gesehen, dass eine Nation wilde Dinge macht, die völlig unten durch sind. Es ist definitiv ein Limit komplett überschritten worden, nicht nur ein bisschen."
Der Deutsche Skiverband unterschrieb den Protest zunächst dennoch nicht. Grund sei, dass dort "gefordert wurde, dass alle Athleten, Damen und Herren, die bei der WM gestartet sind, Nordische Kombination wie Skispringen, komplett annulliert werden sollen", sagte Hüttel: "Da sage ich: Da tue ich mich schon schwer, wir wollen ja nicht aufeinander rumhacken."
Derweil ging Eurosport-Experte Martin Schmitt in seiner Analyse näher auf die Manipulation ein.
"Auf dem Video ist zu sehen, dass offensichtlich ein neues Anzugsbein schon gechippt ist. Das kann nicht sein, weil der Anzug erst gechippt wird, wenn er fertig genäht ist und dann abgenommen wird. Es gibt zudem noch ein zweites Video, auf dem man sieht, dass etwas in den Stoff eingenäht wird. So ein Anzug besteht aus mehreren Schichten. Hier wurden die Schichten aufgeklappt und ein Band eingenäht. Das gibt dem Sportler mehr Stabilität", erklärte Schmitt und stellte klar fest: "Das ist vorsätzliche Manipulation."
Seine Goldmedaille von der Normalschanze darf Lindvik dagegen wohl behalten. "Wenn die Kontrollen fertig sind, sind die Wettkämpfe fertig. Wir wissen auch nicht, wann das passiert ist. Wir haben einige Bilder bekommen, die waren von der letzten Nacht", sagte Pertile.
(mit SID)
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FIS-Renndirektor Pertile zu Norweger-Eklat: "Kein guter Moment"

Quelle: Eurosport


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