Nordische Ski-WM 2025: Sven Hannawald reagiert auf Schummel-Vorwürfe - "Einfach traurig, wie weit es gekommen ist"
VonNiklas Bien
Update 07/03/2025 um 14:26 GMT+1 Uhr
Skisprung-Legende Sven Hannawald hat die aktuellen Anzugregularien scharf kritisiert. Der Skiweltverband habe seine klare Linie von Beginn der Saison verloren, die aktuellen Verhältnisse seien "vogelwild". "Es ist einfach nur traurig, wie weit es gekommen ist. Die Nationen untereinander beschimpfen sich gegenseitig. Das kann doch nicht wahr sein", betonte der 50-Jährige im Gespräch mit der "Bild".
108 Meter! Lindvik springt Schanzenrekord in Trondheim
Quelle: Eurosport
Es ist in diesem Jahr zum Dauerthema geworden: Immer wieder gibt es Zwist zwischen den Skisprung-Nationen. Bei der Vierschanzentournee musste sich das Team aus Österreich Schummel-Vorwürfe aus Norwegen anhören, jetzt sind die deutschen Springer in den Fokus der polnischen Wut geraten.
Der wiederholte Vorwurf: Die Springer würden zu große Anzüge tragen. Im Sommer legte der Skiweltverband (FIS) die Maße an den Schultern, im Schritt und den Beinen fest.
"Am Anfang war das alles fair, jetzt ist es vogelwild. Deutschland und Österreich kamen am besten mit den engeren Anzügen zurecht. Ihre Technik mit etwas mehr Höhe vom Absprung passte dazu", so Hannawald im Gespräch mit der "Bild".
Zunächst schloss sich die anfängliche Lücke: "Andere Nationen, die immer auf mehr Fläche, also größere Anzüge gesetzt hatten, taten sich schwerer, kamen aber auch immer besser damit zurecht - wie zum Beispiel Johan André Forfang", erklärte Hannawald.
Schummelt Überraschungsweltmeister Lindvik?
Spätestens zur Weltmeisterschaft verließ der Weltverband seine klaren Richtlinien. "Das sieht jemand mit sechs Dioptrien, dass da Anzüge jetzt dabei sind, die nicht zugelassen werden sollten - wenn man sich an die Regeln vom Beginn der Saison halten würde", stellte der Sieger der Vierschanzentournee 2002 klar.
Gerade der Fall von Marius Lindvik legte die Problematik aus Sicht des 50-Jährigen offen: "Lindvik hat vor der Weltmeisterschaft, als das Reglement strikt war, oft nicht einmal den zweiten Durchgang erreicht. Und jetzt ist er Weltmeister - mit der gleichen Technik. Das ist alles wie in einem schlechten Film."
"Jeder Springer, der seinen Sprung an den engeren Anzug angepasst hat, wird jetzt einfach nur bestraft. Mich nervt das nur noch so extrem. Man wird quasi zum Schummeln gezwungen, wenn man vorn dabei sein möchte. Das ist doch nur noch frustrierend", betonte Hannawald.
Für den zweifachen Weltmeister braucht die FIS einen klaren Ansatz - sämtliche Regeln fallen zu lassen, könnte die Wettkämpfe "auf drei bis vier Stunden" strecken.
Klare Vorgaben spätestens bis Olympia
Gerade mit Blick auf das nächste Großereignis warnt Hannawald vor einer Fortsetzung des Schlingerkurses: "Ich habe aber die Hoffnung, dass die FIS einen Weg findet und diesem dann auch treu bleibt. Sonst haben wir bei den Olympischen Spielen nächsten Winter am Ende ein weiteres Vollchaos."
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