Martin Schmitt exklusiv zu WM-Aussichten der DSV-Adler: "Ist die letzte Chance, der Saison eine andere Note zu geben"
Die DSV-Adler starten mit komplett unterschiedlichen Voraussetzungen bei der Nordischen Ski-WM 2025 in Trondheim. Während die Frauen zu den Favoritinnen zählen und durch Selina Freitag bereits eine Medaille holten, stecken die Männer in einer Formkrise. In der Größe des Events liege aber die Chance, "der Saison noch einmal eine ganz andere Note zu geben", sagt Martin Schmitt bei Eurosport.de.
Schmitt exklusiv zur WM: "Freitag gehört zu den Topfavoritinnen"
Quelle: Eurosport
Dreimal Gold, einmal Silber, zweimal Bronze - die Bilanz der deutschen Skispringerinnen und Skispringer bei der vergangenen WM 2023 in Planica kann sich sehen lassen.
Soll die Medaillenausbeute in Trondheim (26. Februar bis 9. März live bei Eurosport und discovery+) eine ähnliche Größenordnung bekommen, muss viel zusammenpassen im DSV-Lager, gerade bei den Männern.
Eurosport-Experte Martin Schmitt ist trotzdem optimistisch. "Die Jungs im Team mobilisieren sich für diese WM, haben das absolut nicht abgeschrieben", versichert der viermalige Weltmeister.
Es sei "aufgrund der Vorleistungen aber klar, dass die Medaillenaussichten bei den Frauen deutlich besser sind als bei den Männern", so Schmitt im Gespräch mit Eurosport.de. Tatsächlich gewann Selina Freitag gleich im ersten Wettbewerb von der Normalschanze die Silbermedaille.
Norwegen gilt als Mutterland des nordischen Skisports. Entsprechend könnte man sagen, dass er nun mit den Weltmeisterschaften nach Hause kommt. Was erwarten Sie von dieser WM?
Schmitt: Wenn man an die großen Sportevents denkt, die in Norwegen schon stattfanden, schweben natürlich die Olympischen Spiele von 1994 in Lillehammer über allem. Das war prägend. Ich selbst durfte 1997 die WM hier in Trondheim erleben. Das war eine Art 'Mini-Lillehammer' (lacht). Es war sehr beeindruckend, das Zuschauer-Interesse war hoch, die Begeisterung ebenso. Die WM 2011 in Oslo war ein richtiges Ski-Fest - und jetzt sind wir wieder in Norwegen, die Vorfreude bei den Aktiven ist daher sehr groß.
Bei der bisher letzten WM in Trondheim 1997 waren Sie selbst als Athlet aktiv. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Weltmeisterschaften?
Schmitt: Ich verbinde damit sehr positive Erinnerungen. Es war mein erstes Großereignis, meine erste Weltmeisterschaft. Ich habe mich damals auf den letzten Drücker qualifiziert und dann ist man natürlich geflasht, wenn man mit den Idolen der Kindheit in die Wettkämpfe geht. Ich kann mich noch gut an das Bild erinnern: Ich sitze oben auf dem Balken und schaue runter in ein volles Stadion, und auch außerhalb im ganzen Gelände waren Menschen. Ich weiß nicht genau, wie viele Leute da waren, aber es dürften 40.000 bis 50.000 gewesen sein auf dem ganzen Areal. Das hat selbstverständlich Spuren hinterlassen und stark motiviert.
Trondheim bedeutet nordischen Skisport pur. Es geht zurück zu den Wurzeln, in die Wiege des nordischen Skisports.
Inzwischen hat sich einiges getan.
Schmitt: Ja, die Schanzen wurden verändert, modernisiert und sind jetzt auf dem neuesten Stand. Die Begeisterung aber ist geblieben.
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Quelle: Eurosport
Bei der WM kommen die drei nordischen Sportarten Skispringen, Skilanglauf und Nordische Kombination zusammen. Das gibt es ansonsten nur bei den Olympischen Spielen. Haben Nordische Skiweltmeisterschaften etwas von "Mini-Olympia"?
Schmitt: Ja, kann man sagen. Es gab zuletzt auch Olympische Spiele, wo man mit der Begeisterung gehadert hat, wo alles etwas künstlich wirkte. Trondheim bedeutet nordischen Skisport pur. Es geht zurück zu den Wurzeln, in die Wiege des nordischen Skisports. Man spürt die Begeisterung, die so hoffentlich auch bei den Athleten und Athletinnen ankommt.
Selina springt eine fantastische Saison, gehört zu den Topfavoritinnen. Kata wiederum ist eine, die sich für die Topereignisse extra motivieren kann.
Kann diese besondere Atmosphäre den deutschen Springern, die seit der Vierschanzentournee in einer Formkrise stecken, helfen, aus diesem Loch herauszukommen?
Schmitt: Definitiv, so ein Großereignis kann etwa bewirken. Es ist die letzte Chance, der Saison noch einmal eine ganz andere Note zu geben - gerade, wenn man mit dem bisherigen Saisonverlauf ein wenig hadert. Man kann sich jetzt sammeln, trainieren. Die Jungs im Team mobilisieren sich für die WM, haben das absolut nicht abgeschrieben. Die haben etwas vor, wissen genau, an welchen Stellschrauben sie drehen müssen. Ich hoffe, dass dies gelingt, aber die deutsche Mannschaft hat immer wieder bewiesen, dass sie zu den wichtigen Events punktgenau da sein kann.
Berechtigte Hoffnungen auf Medaillen dürften sich vor allem Selina Freitag und Katharina Schmid machen, die im Weltcup an Position zwei und drei liegen.
Schmitt: Beide sind super in Form und haben alle Möglichkeiten. Selina springt eine fantastische Saison, gehört zu den Topfavoritinnen. Es geht in Trondheim auf der kleinen Schanze los. Das kann sie hervorragend, sie wird voll da sein. Kata wiederum ist eine, die sich für die Topereignisse extra motivieren kann. Sie bringt die Dinge auf den Punkt, man hat Planica noch vor Augen. Ich erwarte sie sehr stark bei diesen Weltmeisterschaften.
Das Mixed ist nichts, was man mal eben im Vorbeigehen mitnimmt. Es ist ein Privileg, dort starten zu dürfen, denn der Platz will erst erkämpft sein.
Mit Freitag und Schmid hat der DSV zwei Topathletinnen für den Mixed-Wettbewerb, den Deutschland bei der WM bereits fünfmal gewonnen hat. Wie stehen die Chancen auf das nächste Gold in dieser Disziplin?
Schmitt: Die Konkurrenz ist sehr stark und im Moment hat man im deutschen Team das Gefühl, dass sich besonders die Jungs ranhalten müssen. Aber das macht den Reiz des Mixed-Wettbewerbs aus. Die Mannschaft versucht, den Teamspirit hochzuhalten, diesen Wettkampf zu leben. Das ist wichtig, denn das Mixed ist nichts, was man mal eben im Vorbeigehen mitnimmt. Es ist ein Privileg, dort starten zu dürfen, denn der Platz will erst erkämpft sein.
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Freitag springt in Hinzenbach souverän aufs Podest
Quelle: Eurosport
In welchem Wettbewerb hat Deutschland ihrer Meinung nach die größten Möglichkeiten auf eine Goldmedaille?
Schmitt: Im Teamspringen der Frauen haben wir sicher sehr gute Chancen, aber auch im Einzel. Man muss aufgrund der Vorleistungen klar festhalten, dass die Medaillenaussichten bei den Frauen deutlich besser sind als bei den Männern.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schmitt.
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Quelle: Eurosport
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