Nordische Ski-WM 2025 - Karl Geiger und Andreas Wellinger machen trotz Krise Hoffnung: "Dann ist eine Medaille drin"
Publiziert 21/02/2025 um 23:01 GMT+1 Uhr
Die deutschen Skispringer befinden sich kurz vor Beginn der Nordischen Ski-WM in Trondheim in einer veritablen Krise. Jubelte man zu Saisonbeginn noch reihenweise über die Erfolge von Pius Paschke, stürzten die DSV-Adler nach dem Jahreswechsel böse ab. Karl Geiger und Andreas Wellinger machen dennoch Hoffnung. Beide sind erfahren genug, um zu wissen, "wie schnell es manchmal gehen kann".
DSV-Lichtblick in Sapporo: Wellinger dennoch enttäuscht
Quelle: Eurosport
Wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaften in Norwegen (26. Februar bis 9. März live auf Eurosport und discovery+) stellten sich die beiden Routiniers den Fragen der Journalisten.
Dass das deutsche Team bei den Wettkämpfen in Trondheim nicht zu den Favoriten gehört, machte Bundestrainer Stefan Horngacher bereits deutlich. Auch Wellinger und Geiger schätzten die Situation realistisch ein.
"Es ist definitiv eine Frage der Geduld. Wir wissen beide, dass wir besser Skispringen können. Wir haben das in den letzten Wochen nicht aufs Papier gebracht", gab der Olympiasieger von 2018, Wellinger, unumwunden zu.
Dennoch sei er "überzeugt davon, dass wir dahin kommen, wo wir schon waren", so der gebürtige Traunsteiner weiter: "Wenn wir das nicht mehr haben, dann sind der Karl und ich realistisch genug zu sagen: Dann können wir die Ski an den Nagel hängen. Aber solange wir das Gefühl haben, ganz vorne mit kämpfen zu können, heißt es, zielstrebig und geduldig an dem arbeiten, was wir selbst in der Hand haben."
Geiger stellt System vor WM um
Im Fall von Geiger bedeutet dies, sein Flugsystem noch einmal komplett umzustellen: "Wir haben letzte Woche versucht, ein bisschen gröber in das ganze System einzugreifen, um das, was sich in den letzten Wochen verfestigt hat, nochmal aufzubrechen."
Die Umstellung habe "gut getan. Der Weg passt. Ich muss die einzelnen Bauteile noch zusammen setzen und da liegt noch Arbeit vor mir."
Was genau es mit dem "gröber eingreifen" auf sich habe, erklärte der Oberstdorfer noch einmal ausführlicher: "Ich mache einen Sprung, bei dem ich weiß, das ist im ersten Moment nicht der effektivste Sprung, den ich kann. Aber auf lange Sicht erhoffe ich mir dadurch einen Mehrgewinn. In meinem Fall ist es die Skiführung, der Übergang in den Flug. Ich schmeiße nicht alles über den Haufen, aber so ein paar Feinheiten picke ich mir raus. Das Ziel ist es, die Teile so zusammenzuführen, dass es dann wirklich einen effektiven Sprung ergibt."
Wie es mit einer Medaille funktionieren kann, weiß Geiger ganz genau. Bei der WM 2021 in seinem Heimatort Oberstdorf flog er zu Silber und Bronze im Einzel, im Mixed-Team gewann er gar die Goldmedaille.
Geiger "voller Entschlossenheit" nach Trondheim
"Ich weiß aber auch, dass ich zwei Wochen vorher in Klingenthal noch zweimal ausgeschieden bin", führte der Skiflug-Weltmeister von 2020 aus: "Das ist eben die Krux, das Faszinierende am Sport, wie schnell es manchmal gehen kann. Es kommt nicht von ungefähr."
Im Hinblick auf die Medaillenkämpfe will Geiger nicht nur schwarzmalen: "Ich weiß, dass ich mich auf den Punkt hin extrem steigern kann. Das ist eine Stärke von mir, das habe ich auch dieses Jahr wieder häufiger aufs Papier bringen können. Ich freue mich einfach auf die WM. Ich weiß, dass es eine enge Sache wird."
Der Druck sei durch die schwachen Ergebnisse in den vergangenen Wochen eben auch ein wenig raus: "Wir haben nichts zu verlieren. Wir können nur gewinnen. Wir können alle überraschen, indem wir vorne rein springen. Das ist aber keine Garantie, dass es wieder funktioniert. Wenn ich es versuche, dann voller Entschlossenheit, auch wenn es dann vielleicht nicht klappt."
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"Rückfall in alte Zeiten": Paschke stürzt im zweiten Durchgang ab
Quelle: Eurosport
Wellinger: "Dann kann man eine Medaille gewinnen"
In eine ähnliche Kerbe schlug auch Wellinger: "Wir sind in der Rolle, dass wir ohne Erwartungen nach Trondheim fahren können. Wir sind definitiv nicht die Favoriten, das ist uns bewusst. Uns ist aber auch bewusst, dass wenn man an einem Tag in der richtigen Form ist, mit Überzeugung an die Sache geht und vielleicht auch das Quäntchen Glück auf seiner Seite hat, kann man eine Medaille gewinnen."
Dafür müsse man mit einem klaren Plan an den Schanzentisch gehen und alles riskieren: "Wenn es in die Hose geht und man wird 25., dann kann man trotzdem im Nachhinein sagen: Ich habe es probiert. Aber ich muss auch nicht im Verwaltungsmodus 15. werden."
Immerhin kann der 29-Jährige die aktuelle Formkrise gelassen hinnehmen: "Ich habe in meiner Karriere schon deutlich Schlimmeres erlebt. Deswegen scheint für mich immer nur die Sonne. So ehrlich muss ich auch sein. Natürlich bin ich nicht zufrieden mit den Ergebnissen. Aber Schattenseiten? Ich bin mal im FIS-Cup im ersten Durchgang ausgeschieden, das waren die Schattenseiten."
DSV-Adler mit Chancen im Mixed-Team
Im Mixed-Team seien die Medaillenträume ohnehin nicht aussichtslos. Das letzte Springen gewannen die DSV-Adler schließlich. Die Damen um Katharina Schmid und Selina Freitag, so Wellinger, "haben einen sensationellen Job gemacht". Die Herren seien in der Lage, dies "zu unterstützen".
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Noch einmal so wie in Planica 2023? Das deutsche Mixed-Team mit Karl Geiger (L) und Andreas Wellinger (R) jubelt über die Goldmedaille
Fotocredit: Getty Images
Ohne Erwartungen, mit einem klaren Plan und der gewissen Lockerheit - warum sollte es dann eigentlich nicht mit einer Medaille klappen?
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