Nordische Ski-WM 2025: Norweger geben im Anzugskandal bewusste Manipulation zu, verpassen aber Chance zur Aufklärung
VonThomas Gaber
Update 11/03/2025 um 08:24 GMT+1 Uhr
Sonntagnachmittag fiel das Kartenhaus in sich zusammen: Jan Erik Aalbu, Sportdirektor des norwegischen Skiverbandes, gab nach heftigen Manipulationsvorwürfen vorsätzlichen Betrug des Betreuerteams der Skispringer zu. Aalbu entschuldigte sich bei allen Menschen, "die das Skispringen so lieben. Allerdings mimte der Boss der Norweger den Ahnungslosen und ließ viele Fragen unbeantwortet.
Norwegens Sportchef Aalbu: "Wir haben bewusst betrogen"
Quelle: Eurosport
Jan Erik Aalbu kam allein. Der schwer unter Beschuss geratene Skisprung-Cheftrainer Magnus Brevig hatte Trondheim schon verlassen, Athleten und Betreuer der Norweger glänzten ebenfalls mit Abwesenheit.
Was Aalbu zu sagen hatte, war auf den ersten Blick überraschend, schließlich hatte er noch am Vorabend nach dem WM-Einzelspringen von der Großschanze erklärt, dass das Bearbeiten der Sprunganzüge keine große Sache sei, da man damit lediglich die nächsten Wettkämpfe vorbereiten würde. Den Betrugsvorwurf wies Aalbu da noch vehement zurück.
"Wir haben Änderungen an den Anzügen vorgenommen in dem Wissen, dass sie nicht legal sind. So wie ich das sehe, haben wir betrogen. Wir haben versucht, das System auszutricksen. Das ist inakzeptabel", sagte Aalbu schließlich am Sonntag vor einer Vielzahl gieriger Journalisten, die endlich Klarheit darüber haben wollten, was sich in der Nacht zum Samstag im Teamhotel der Norweger hinter abgedunkelten Scheiben abgespielt hat.
In sozialen Medien aufgetauchte Videos zeigen, wie - im Beisein von Chefcoach Brevig - in Sprunganzügen Faden eingenäht werden, die für mehr Stabilität in der Luft sorgen sollen.
Aalbu trägt wenig zur Aufklärung bei
Aalbus Entschuldigung war unausweichlich, zu erdrückend waren die Beweise für vorsätzliche Manipulation. Von der 35-minütigen Pressekonferenz bleibt allerdings hängen, dass der Sportchef herzlich wenig zur Aufklärung des Falles beitrug.
Mehrfach mimte Aalbu er den Unwissenden. So habe er erst am Sonntagmorgen von dem Fall erfahren, habe keinerlei Kontrolle gehabt, was in besagter Nacht geschehen sei und könne auch nicht beantworten, ob der nach dem Springen von der Großschanze disqualifizierte Marius Lindvik bei seinen Goldsprüngen von der kleinen Schanze den gleichen Anzug getragen habe.
Zudem sei bei allen anderen Skisprungbewerben alles mit rechten Dingen zugegangen und die von norwegischen Athleten gewonnenen Medaillen daher auch nicht anfechtbar.
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Norwegens Sportchef redet sich raus: "Ich habe nichts gewusst"
Quelle: Eurosport
Empörung beim ÖSV und in norwegischen Medien
Christian Scherer, Geschäftsführer des ÖSV, reagierte mit Empörung auf Aalbus Auftritt: "Es gab null Einsicht. Das war sehr eigentümlich, arrogant und nicht sehr glaubwürdig. Auf die wesentlichen und offensichtlichsten Fragen hat er keine Antworten gegeben. Und es gipfelte darin, dass er erst heute davon erfahren haben will", sagte Scherer.
Er forderte sofortige personelle Konsequenzen. "Diese Arroganz gehört abgestraft. Wenn jemand seine Disziplin nicht im Griff hat, dann ist er rücktrittsreif. Der norwegische Skiverband wäre gut beraten, alle Verantwortlichen im Team während der internen Untersuchungen bis auf weiteres zu suspendieren, im Sinne aller Beteiligten, allen voran der Sportler."
Auch in Norwegen kam die Pressekonferenz nicht gut an. "Das ist eines der größten Skandale in der norwegischen Sportgeschichte und der Sportchef stellt das als Kavaliersdelikt dar. Der Auftritt von Aalbu ist fast noch schlimmer als der Skandal selbst", kommentierte die norwegische Zeitung "VG" und forderte den sofortigen Rücktritt von Brevig.
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DSV-Boss poltert gegen Norwegen: "Muss vorsichtig sein"
Quelle: Eurosport
Wellinger sauer: "Mir ist es zu blöd"
Dieser ließ über die Zeitung "Dagbladet" lediglich verkünden, dass es ihm "sehr leid" tue, was geschehen sei und er sich zu gegebener Zeit äußern werde.
Ob Brevig das noch als Cheftrainer tun wird, ist mehr als fraglich. Doch auch Aalbu steht das Wasser bis zum Hals. "Wie kann jemand Chef sein, wenn er offenbar keine Ahnung hat, was hinter den Kulissen im engsten Umfeld der Sportler abgeht? Aalbu hat keine Kontrolle mehr", schrieb "VG".
Das Thema, das eine ansonsten tolle Nordische Ski-WM in Trondheim überschattet, wird die Skisprungszene noch länger beschäftigen. Zum Leidwesen von Andreas Wellinger. Der Silbermedaillengewinner von der Normalschanze erklärte: "Mir ist es am Ende eigentlich auch zu blöd. Mir geht das Thema nur auf die Nerven. Anzüge, Bindungen: Können wir uns bitte auf Skispringen konzentrieren? Der Beste soll gewinnen und nicht der, der am besten bescheißt."
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Schmitt-Analyse zum Anzugskandal: "Hier wird aktiv versucht zu manipulieren"
Quelle: Eurosport
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