Ein geknickter Karl Geiger verabschiedete sich mit tapferen Durchhalte-Parolen in den kurzen Heimat-Urlaub bei Frau Franziska und Töchterchen Luisa, Markus Eisenbichler flüchtete stinksauer aus dem tief verschneiten Zakopane.
Bei den etatmäßigen Glückskindern sank die Stimmung nach dem völlig verpatzten WM-Härtetest auf den Nullpunkt - ausgerechnet vor dem Saisonhöhepunkt im heimischen Oberstdorf stecken die deutschen Skispringer tief in der Krise.
"Es ist extrem bitter, wenn sich die Sprünge nicht so schlecht anfühlen, aber das Ergebnis nicht stimmt. Da werde ich grantig", sagte Geiger, nachdem es zum fünften Mal in Folge nicht einmal für die besten 20 gelangt hatte.
Zakopane
"Sprit ist leer": DSV-Adler fliegen bei WM-Härtetest hinterher
13/02/2021 AM 20:47
Nicht dass der Rest der deutschen Springer großartig besser war: In Zakopane landete an beiden Tagen keiner unter den besten Zehn, zwei Springen in Folge ohne Top-10-Platz hatte es für das DSV-Team zuletzt vor sechs Jahren in Sapporo gegeben. "Momentan geht es nicht so leicht von der Hand", sagt Bundestrainer Stefan Horngacher. Doch bei keinem ist der Formabriss so dramatisch wie bei Geiger, dem Skiflugweltmeister und Tourneezweiten der laufenden Saison.

Geiger trotz Formkrise kämpferisch

"Es fehlt die Energie bei ihm - das ist anders als vor zwei Monaten", rätselte auch "ARD"-Experte Sven Hannawald: "Das muss man sich erarbeiten, aber die Zeit bis zur WM wird nicht länger." In der kommenden Woche schon beginnen die Weltmeisterschaften in Geigers Heimat Oberstdorf, sie sollten sein Highlight einer turbulenten Saison mit Triumphen und Rückschlägen wie seiner Corona-Quarantäne werden - doch derzeit scheinen Medaillen für den Vizeweltmeister von 2019 weit entfernt
"Ich gebe nicht auf, das habe ich noch nie gemacht", sagt Geiger: "Ich möchte in Oberstdorf in jedem Wettkampf an den Start gehen können und sagen: Okay, da könnte was gehen."
Sein Kumpel Eisenbichler fährt als Titelverteidiger nach Oberstdorf, doch auch bei ihm ist der Wurm drin: Bis Zakopane landete der zweimalige Saisonsieger mit Ausnahme seines Windböen-Pechs in Nischni Tagil immer unter den besten Zehn, trotz Brechstange riss nun die Serie.

Markus Eisenbichler in Zakopane

Fotocredit: Getty Images

Eisenbichler hadert: "Habe eine extreme Wut in mir"

"Ich verzweifle gerade einfach. Ich habe eine extreme Wut in mir", sagt der 29-Jährige - die für ihn überlebenswichtige Lockerheit wird so aber nicht zurückkehren. "Wenn Eisei im Grübelland ist, findest du ihn schwer", sagt Hannawald
Weil auch der Rest der Mannschaft durchhängt, droht das Projekt Heim-WM zum Reinfall zu werden. Die Vorlage der rauschenden WM 2019 in Seefeld und Innsbruck mit viermal Gold und insgesamt sechs Medaillen für die Springer und die derzeit ebenfalls formschwachen Springerinnen ist riesig.
"Eine Medaille mit dem Team sollte immer drin sein. Die Oberstdorfer Schanze kennen wir, gerade bei der Tournee haben wir zuletzt gute Erfahrungen gemacht", sagt Eisenbichler. Und auch Horngacher hofft, dass die Generalprobe am kommenden Wochenende auf der vor allem von Geiger geliebten Kleinschanze im rumänischen Rasnov die Wende zum Guten bringt: "Wir dürfen jetzt keinen Stress kriegen. So etwas gibt es im Sport."
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(SID)

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