Natürlich sorgt Ronnie O’Sullivan auch immer wieder für Kontroversen. In Barnsley hatten wir die Aufregung um seine Sportschuhe; im Rückblick für mich ein Sturm im Wasserglas. Mit seiner manchmal auch provozierenden Art ist er nicht jedermanns Typ.
Trotzdem darf man ihm den Respekt für derart außergewöhnliche Leistungen nicht versagen. Dass der Sportpsychologe Dr. Steve Peters den großen Teil des English Open an seiner Seite war hat da mit Sicherheit nicht geschadet.
Es hat ihm geholfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: so gut wie möglich Snooker zu spielen. Alles andere ergibt sich von selbst. So ist es dann ja auch gekommen. Gerade einmal 70 Minuten hat er gebraucht, um die letzten sechs Frames des Finales zu gewinnen. Das ist einfach nur atemberaubend.
English Open
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UPDATE 22/10/2017 UM 19:42 UHR

O'Sullivans Sieg gegen Higgins etwas Besonderes

Es hatte sich ja auch schon in den Runden zuvor angedeutet, dass Ronnie O’Sullivan ins Rollen kommt. Nachdem das Shoegate überstanden war schien er immer mehr Spielfreude zu entwickeln; bei ihm eine unbedingt notwendige Voraussetzung, um wirkliche Topleistungen abzuliefern.
Dass er nebenbei bei den Kollegen von British Eurosport auch noch als Studio-Experte tätig war hat ihm auch geholfen; das hat ihn abgelenkt, ohne dass ihm der Fokus auf Snooker und das Turnier abhandenkam.
Der Sieg über seinen alten Rivalen John Higgins im Achtelfinale war ein weiterer wichtiger Baustein. O’Sullivan hat den größten Respekt vor der Leistung von Higgins. Den zu schlagen ist für ihn auch immer noch etwas Besonderes. Deshalb wusste er da: Wenn ich John geschlagen habe, dann kann ich es auch packen.

O'Sullivan zieht mit Total Clearance ins Finale ein

O'Sullivan mit Chancen auf Millionen-Bonus

Nun ist Ronnie O’Sullivan also der einzige, der noch die Chance auf den Millionen-Bonus für den Sieg bei allen vier Events der Home Nations Series hat. Er selber hat das als "machbar" bezeichnet.
Aber er hat auch darauf hingewiesen, dass das ein weiter Weg ist und gerade bei den kurzen Distanzen viel passieren kann. 21 weitere Matches müsste er dafür gewinnen; er selber weiß am besten, dass da vieles schiefgehen kann. Einer schlechter Tag und der Traum ist vorbei.

Wilson auf dem Weg zum Trauma?

Kyren Wilson ist beim English Open das Gleiche passiert wie beim World Open: Er hat eine tolle Turnierwoche hingelegt, um dann allerdings eine deftige Klatsche im Finale zu kassieren. Natürlich hat er Recht, wenn er darauf verweist, dass seine Gegner in diesen Endspielen (Ding und O’Sullivan) jeweils eines ihrer besten Spiele abgeliefert haben.
Trotzdem muss er aufpassen, dass sich da nicht ein Trauma festsetzt. Da liegt viel Arbeit vor ihm und seinem Coach Barry Stark. Ich kann nur hoffen, dass den beiden es gelingt, ein solches Trauma zu vermeiden.
Und dann war da beim English Open ja auch noch der herzerfrischende Sturmlauf von Alexander Ursenbacher. Der hat nicht nur seinen Fans in der Schweiz und im deutschsprachigen Raum viel Spaß gemacht (mir übrigens auch).
Der ist auch in der ganzen Snookerwelt registriert worden. Alex hat sich viel Respekt verschafft, vor allem auch bei den anderen Spielern. Die werden den nie mehr auf die leichte Schulter nehmen. Ich freue mich darauf zu verfolgen, wie er damit umgeht und wie es weitergeht. Sein Potential ist riesengroß.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb

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