English Open - Higgins enttäuscht, Robertson erleichtert: Warum sich nach dem Finale keiner freute

Es war eine seltsame Atmosphäre nach dem Ende des Finales der English Open am Sonntag: Einer war beinahe geschockt, und der andere konnte sich auch nicht freuen. John Higgins hatte die Niederlage tief getroffen. Blass, mit versteinertem Gesicht stand er in der Arena, als könne er es nicht fassen. Aber auch im Gesicht von Neil Robertson war in diesem Moment allenfalls Erleichterung zu erkennen.

Neil Robertson

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Klar: Das Finale von Milton Keynes wird nicht als spielerisch herausragend in die Annalen eingehen. Es war ein gutes Match und lieferte reichlich Spannung, das ja. Aber beide Spieler hatten eben auch ihre schwachen Phasen und machten Fehler. Beide setzten aber auch Glanzlichter. Eben ein gutes Match der gehobenen Klasse, nicht mehr, aber wahrlich auch nicht weniger.
Die Enttäuschung von John Higgins unmittelbar nach der 8:9-Niederlage gegen Neil Robertson ist natürlich verständlich. Da fällt man einfach in ein Loch. Im anschließenden Interview hat er sich sehr professionell verhalten, aber die Enttäuschung und der Schock quollen aus jeder Pore. Zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Wochen hatte er ein Finale mit 8:9 verloren, obwohl er schon mit 8:6 geführt hatte.
Deshalb sagte er dann auch im Interview: "Dass mir das jetzt wieder passiert ist, zeigt wohl, dass ich es nicht mehr drauf habe." Dem möchte ich heftig widersprechen. Sowohl in Belfast vor einigen Wochen als auch jetzt in Milton Keynes hat er über weite Strecken im Turnier herausragend gespielt.
Er selber hat bei den English Open davon gesprochen, das "beste Snooker" seiner Karriere zu spielen. Wenn es so aussieht, wenn man es nicht mehr drauf hat, dann sollten viele der anderen Profis ihr Queue in die Ecke stellen.
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Neil Robertson ist ein Muster an Konstanz

Trotzdem gibt es einen Punkt, über den Higgins nachdenken sollte. Er, der jetzt fitter ist als je zuvor, spielt die meisten Turniere phasenweise überragend, aber er hat sechs seiner sieben letzten großen Finals (Ranglisten-Turniere und Masters) verloren. Das ist mehr als eine vorübergehende Pechsträhne.
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Neil Robertson war unmittelbar nach dem Match einfach nur erleichtert. Er hat das in diesem Moment wohl nicht als Triumph empfunden, sondern als mühevollen Arbeitssieg. Dass er zu Beginn der Abendsession wieder in alte Fehler zurückgefallen ist, wird ihm nicht gefallen haben. Vielleicht hat das aus seiner Sicht zu einem faden Beigeschmack geführt.
Trotzdem ist er ein Muster an Konstanz. Vor zehn Jahre war die Saison 2011/12 die letzte, in der er nicht mindestens ein Ranglisten-Turnier gewonnen hat (und da holte er den Titel beim Masters).
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Selbst in seiner Krisen-Saison, als er kurzfristig aus den Top 16 herausgefallen war, holte er 2017 noch die Scottish Open. Seitdem er 2006 mit dem Grand Prix seinen ersten Turniersieg geholt hat, gewann er in jedem (Kalender-) Jahr einen Titel. Seit 15 Jahren! Beeindruckend.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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