European Masters: Selbys Finalserie hält an - jetzt jagt er Trump

15 seiner 16 letzten Endspiele hat Mark Selby gewonnen. Beim European Masters feierte er seinen zehnten Endspielsieg in Folge - die Zahlen beeindrucken. Seit mehr als zehn Jahren gehört der 37-Jährige zur absoluten Weltspitze. 2020/21 ist die zehnte Saison in Folge, in der er mindestens einen Titel holen konnte. Darüber hinaus knüpft er derzeit auch wieder an seine besten Zeiten an.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Um die Zahlen einzuordnen: Sowohl der Rekord für die meisten Endspielsiege in Folge als auch der Rekord für die meisten Spielzeiten in Folge mit mindestens einem Titelgewinn liegt bei elf. Beide Rekorde hält Stephen Hendry. Mark Selby weiß um die Bedeutung jener Bestmarken und sagte deshalb nach seinem Triumph in Milton Keynes völlig zurecht: "Zehn Endspiele in Folge zu gewinnen ist eine unglaubliche Leistung, darauf kann ich stolz sein."
Ein Ziel hat sich Selby auch gesetzt, und das ist kein bescheidenes: "Ich will wieder die Nummer eins werden." Er weiß, dass das ambitioniert und ehrgeizig ist. Aber er weiß auch, dass er zuletzt wieder das Spiel gezeigt hat, dass man dazu braucht. Sowohl bei der WM als auch beim European Masters musste er sich eben nicht mit seinem B- oder gar C-Spiel durchwursteln, sondern dominierte oft genug mit seiner Offensiv-Power.
Als er in Milton Keynes gegen Stuart Bingham mit 1:4 in Rückstand geraten war, kam es zur Wende. Ab da spielte er absolut überzeugend. Es ist gut, diesen Mark Selby wiederzuhaben.

Gould meldet sich eindrucksvoll zurück

Es ist aber ebenso gut, dass Martin Gould wieder da ist. Wenn er in Top-Form mit viel Spielfluss seine Breaks spielt, ist es einfach ein Genuss, ihn zu beobachten. Deshalb war es so bitter, dass er immer weiter abrutschte und am Ende gar um seinen Tourverbleib zittern musste. Es waren gar mehrere Baustellen, die Gould in den Griff bekommen musste.
Da waren zum einen die mentalen Probleme, die ihn die Lust am Snooker verlieren ließen. Ein Glück, dass die World Professional Billiards and Snooker Association (WPBSA), der Spielerverband, da Hilfe anbietet. Das Beispiel Martin Gould zeigt, dass den Betroffenen mit den Angeboten der WPBSA wirklich geholfen werden kann. Es ist geradezu lobenswert, dass die WPBSA dieses Thema aktiv angegangen ist und nicht ein Tabu daraus gemacht hat. Da können sich viele andere Sportverbände eine dicke Scheibe von abschneiden.
Okay: Auf die Idee, sich eine vernünftige Brille zu besorgen, hätte Martin Gould schon früher und auch selber drauf kommen können. Das war unbedacht von ihm. Ich bin ja auch Brillenträger. Für mich ist es schon seit der Jugend eine Selbstverständlichkeit, alle paar Jahre meine Augen überprüfen zu lassen und sicherzustellen, dass ich die passende Brille habe. Für jemanden, für den gutes Sehen in seinem Beruf von entscheidender Bedeutung ist, sollte das ebenso selbstverständlich sein.

Aufstand der Jungen in Milton Keynes

Der Auftakt zum European Masters war ansonsten gekennzeichnet vom Aufstand der Jungen: Mit Aaron Hill, Peter Devlin und Pang Junxu haben gleich drei Tour-Neulinge das Achtelfinale erreicht. Die Tatsache, dass kein Publikum in Milton Keynes dabei war, war für das Trio sicherlich kein Nachteil. Publikum im Saal sorgt nicht nur für Ablenkung, sondern auch für mehr Druck. Davon waren sie jetzt frei.
Trotzdem waren die Ergebnisse bemerkenswert und vielversprechend. Hill hat bei seinem Sieg über Ronnie O’Sullivan zum Beispiel eine wichtige Qualität gezeigt: Er wollte gegen den Weltmeister nicht nur gut aussehen, sondern er wollte gewinnen. Wie oft haben wir schon selbst gestandene Profis erlebt, die gegen Ronnie schon verloren hatten, bevor sie überhaupt an den Tisch gekommen waren.
Ironie der Geschichte: O’Sullivan hatte ja während der Weltmeisterschaft herbe Kritik an den Nachwuchsspielern geübt. Gerade das hatte Aaron Hill motiviert: „Ich wollte ihm zeigen, was ich kann.“ Aus dem Holz sind potentielle Champions geschnitzt.
Das European Masters war ein toller Start in die neue Saison. So kann es für mich gerne weitergehen. Das machte Lust auf mehr. Das nächste Turnier, das wir bei Eurosport im TV live übertragen, ist das English Open ab dem 12. Oktober.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung