Snooker-Blog: Zwei Traumhalbfinals, ein rasantes Schluss-Wochenende und der Aufreger um Marcel

Besser kann man es sich nicht malen: Die Halbfinals beim European Masters sind ein Traum. Die Besten der Besten unter sich! Mark Selby gegen Judd Trump und Neil Robertson gegen Ronnie O’Sullivan. Und die Vorschlussrunde ist eben nicht nur prominent besetzt, sondern die vier haben auch mit ihren Leistungen überzeugt, haben über weite Strecken absolutes Top-Snooker gezeigt.

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Er habe sein wohl bestes Snooker gezeigt, meinte Mark Selby nach seinem 4:0 über Alfie Burden. Ich will ihm da nicht widersprechen. Im Interview mit Worldsnooker hat er noch einmal darauf hingewiesen, dass es sein unbedingter Siegeswille ist, die ihn vorantreibt. Er habe noch mehr Biss entwickelt. Das kann man beinahe schon als Drohung an die Konkurrenz verstehen.
Selbys Halbfinalgegner Judd Trump hat in dieser Saison schon viel mit Queues herumexperimentiert. Normalerweise ist das nicht gesund. Aber bei ihm hat es sich wohl gelohnt. Er scheint sich mit seinem neuen Queue wohlzufühlen. Was er in Bukarest abgeliefert hat war teilweise atemberaubend.
Für Neil Robertson scheint die Saison jetzt so richtig anzufangen. Er hat zwar das Riga Masters gewonnen und stand schon beim World Open im Halbfinale, danach hat er sich aber noch einmal eine lange Pause in Australien gegönnt. Er brauchte also einen komplett neuen Formaufbau. Sein Sieg gegen Anthony McGill war ein absoluter Härtetest.
Aber sein Gegner heute ist eben Ronnie O’Sullivan. Der hat die ersten Spiele gebraucht, um den Rhythmus aufzunehmen, aber seit dem Achtelfinale ist er da. Und er zeigt ja nicht nur seine spielerischen Qualitäten, sondern er hat auch die nötige Geduld und den Willen. So übersteht man auch kritische Situationen.
Der Aufreger im Viertelfinale war natürlich der Hinweis des deutschen Schiedsrichters Marcel Eckardt an Anthony McGill, er möge sich doch bitte in einigen Situationen nicht ganz so viel Zeit für seine Entscheidung nehmen. Dies war keine offizielle Warnung oder harsche Aufforderung, das ist wichtig dabei. Neil Robertson hat es auf Twitter schön formuliert: Marcel habe Anthony „ermutigt“, sich schneller für gewisse Stöße zu entscheiden. McGill ist sicherlich nicht der langsamste Spieler. Auch ich hatte gestern bei einigen Bällen den Eindruck, dass McGill sich bei einigen Bällen oft hinterfragte und (für seine Verhältnisse) ungewöhnlich viel Zeit brauchte.
Das war mit Sicherheit keine Absicht, um das Spiel zu verschleppen, aber das hat Marcel ihm ja auch gar nicht vorgeworfen. Ich möchte mir nicht anmaßen zu entscheiden, ob der Hinweis von Marcel angebracht war. Aber so etwas steht nun mal im Ermessen des Schiedsrichters. Dass andere Refs da lieber die Finger von lassen ist kein Argument. Ich habe schon oft darüber mit Spielern gesprochen, die sich wünschten, dass die Schiedsrichter da mehr drauf achten. Judd Trump jubelte denn auch gestern auf Twitter: „Endlich hat mal jemand den Mut.“
Im Vordergrund sollte jetzt aber wieder stehen, was auf dem Tisch passiert. Das Schluss-Wochenende in Bukarest verspricht ein Snookerfest zu werden. Ich freue mich drauf.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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