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Champion Trump: Weltmeisterlich in allen Bereichen

Champion Trump: Weltmeisterlich in allen Bereichen

12/08/2019 um 15:27

Judd Trump zeigt der Snooker-Elite in beeindruckender Manier, was die Benchmark ist. Bei der International Championship fällt auf, wie klug er mit der Bürde des Weltmeisters umgeht. Am Tisch gilt aktuell ohnehin: Wenn es physikalisch möglich ist, einen Ball zu lochen, dann schießt er ihn auch in die Tasche. Kritik-Punkte finden sich so kaum. Wird Trump der dominierende Spieler der nächsten Jahre?

15 Titel wolle er in dieser Saison gewinnen, meinte Judd Trump nach seinem Triumph bei der International Championship im Interview mit "Worldsnooker". Das war natürlich im Scherz gemeint, aber die Konkurrenz dürfte die Drohung ernst nehmen.

Zu überlegen, zu dominant wirkt er derzeit. Mich hat nicht nur sein Spiel beeindruckt, sondern auch wie klug er mit der Bürde des Weltmeisters umgeht.

Zum einen ist da natürlich seine spielerische Klasse. Er hat Bälle in seinem Arsenal, die kein anderer spielen kann. Mark Selby hat das ja auch nach seiner Halbfinal-Niederlage gegen den derzeitigen Überflieger gesagt.

Judd Trump hat immer die passende Antwort

Da ist es dann beinahe egal, wie gut die Safety ist. Judd hat immer die passende Antwort. Und das betrifft nicht nur sein Lochspiel, sondern auch seine Safeties. Shaun Murphy brauchte ja gar nicht zu schauen, wo der Spielball lag, wenn er gestern an den Tisch kam. Die Weiße lag praktisch immer oben an der Bande.

Trumps Safeties waren aber nicht nur präzise, sondern auch sehr klug und strategisch geschickt.

Hinzu kommt auch Trumps Geduld, die er mittlerweile hat. Die hat ihn gestern im Finale von Daqing nur einmal im Stich gelassen (und prompt hat er den Frame verloren; die Lektion hatte er dann wohl gelernt).

Judd Trump

Judd TrumpGetty Images

Spielballkontrolle als einziger Kritik-Punkt

Sein Lochspiel ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Wenn es physikalisch möglich ist, einen Ball zu lochen, dann schießt Judd ihn auch in die Tasche.

Attraktiv ist sein Spiel sowieso. Das war es schon immer, und davon hat er nichts verloren. Wenn man denn unbedingt etwas kritisieren will, dann ist das am ehesten seine Spielballkontrolle. Spieler wie Ronnie O’Sullivan oder Ding Junhui in Top-Form legen die Weiße immer 20 oder 30 Zentimeter vom nächsten Ball entfernt ab.

Das beherrscht Judd nicht so gut. Sein Spiel ist offener, er nutzt das Tuch gleichmäßiger ab. Aber dieses Problem macht er eben wett durch sein phänomenales Lochspiel. Außerdem ist er brillant, wenn es darum geht, den Spielball über den Baulk-Bereich zu den Roten zurückzuholen.

Weltmeister zu sein kann auch eine Bürde darstellen. Es ist nur allzu leicht, nach der Erfüllung des Traums alles ein bisschen schleifen zu lassen. Außerdem muss man mit der permanenten Favoritenrolle auch erst einmal zurechtkommen. Man ist halt der Gejagte.

Trump hat's verstanden

Jeder Gegner wird versuchen, gegen den Weltmeister ganz besonders zu glänzen. Aber Judd hat verstanden (oder Bruder Jack hat es ihm eingehämmert), dass es nur eine Richtung gibt, wenn man auf dem Gipfel steht: abwärts.

Deshalb war ein weiterer Satz vielsagend und wichtig, den Judd nach seinem Sieg von Daqing gesagt: "Ich habe mich vorbereitet, wie es ein Weltmeister machen sollte." Und das wird er für jedes Turnier so halten.

Natürlich weiß auch Judd, dass irgendwann auch wieder Niederlagen kommen werden. Ich bin aber optimistisch, dass er damit dann wie ein Weltmeister umgehen wird. Dass ein Spieler Snooker dominieren kann wie Davis in den Achtzigern oder Hendry in den Neunzigern, das kann ich mir nicht vorstellen.

Aber dass Judd der herausragende Spieler der nächsten Jahre werden kann, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Und angesichts der Attraktivität seines Spieles ist das auch eine sehr gute Nachricht für den Snookersport.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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