Wenn einige jetzt denken, Jimmy White sei vor allem als tragischer Held so populär geworden, dann stimmt das nicht. Seine mitreißende Art, Snooker zu spielen, sowie sein Umgang mit den Fans haben ihn (neben seinen Erfolgen) zu einer Snooker-Legende werden lassen. Nicht umsonst hat Barry Hearn ihm versichert, er könne auf der Main Tour spielen, solange er wolle.

Im Crucible Theatre spielte er erstmals 1981. Damals scheiterte er aber schon in der ersten Runde, und zwar an dem Kontrahenten, der ihn insgesamt vier Mal an diesem magischen Ort schlagen sollte. Mit 8:10 verlor er gegen Steve Davis. Im Jahr darauf schaffte es White immerhin bis ins Halbfinale. Doch dort verlor er trotz 15:14- und 59:0-Führung mit 15:16 gegen Alex Higgins. 1984 kam der Londoner dann erstmals ins Finale. Wieder war Steve Davis der Gegner.

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03/04/2020 AM 08:45

Whites Aufholjagd wird nicht belohnt

Nach dem ersten Tag sah es hoffnungslos für Jimmy White aus: Steve Davis führte mit 12:4. Am zweiten Tag gewann White aber sieben der acht Frames in der dritten Session. Es war wieder spannend geworden. Eine Vorentscheidung fiel dann aber zu Beginn der vierten Session, als Davis drei der ersten vier Frames gewann. Am Ende setzte sich Davis mit 18:16 durch und hatte damit als erster Spieler den Titel im Crucible Theatre erfolgreich verteidigt.

In den Folgejahren erreichte Jimmy White zwar immer mindestens das Viertelfinale bei der WM, doch es sollte bis 1990 dauern, ehe er nach einem Halbfinalsieg über Steve Davis zum zweiten Mal im Endspiel stand. Der blutjunge Stephen Hendry war sein Gegner und sollte seine Nemesis werden. Nach dem ersten Tag war White beim Stand von 7:9 noch dran. Zu Beginn der dritten Session erarbeitete sich Hendry mit vier Frames in Folge dann aber den entscheidenden Vorsprung und gewann mit 18:12.

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Dreimal in Folge hieß die Finalpaarung White - Hendry

Nachdem Hendry im Jahr darauf ebenfalls Opfer des Crucible-Fluches wurde, war John Parrott der Endspiel-Gegner von Jimmy White. Mit einem Top-Break von 117 Punkten gewann Parrott die ersten sieben Frames und verteidigte diesen Vorsprung, bis er mit 18:11 den Titel holte. In den nächsten drei Jahren hieß der Finalgegner von Jimmy White dann jeweils wieder Stephen Hendry.

1992 kam White dem Titel so nahe wie nie zuvor: Er führte bereits mit 14:8 gegen Hendry, aber dann drehte der Schotte in atemberaubender Weise auf und holte zehn Frames in Folge! Mit 14:18 musste sich White erneut mit dem Vizetitel begnügen. Sieben Breaks von mehr als 50 Punkten spielte Hendry in dieser Phase, darunter drei Centuries. Im Jahr darauf nahm Hendry dann den Wirbelwind komplett auseinander. Mit 18:5 triumphierte der Schotte. Das war das dritte Mal überhaupt und das letzte Mal bis heute, dass die vierte Session beim Finale komplett ausfiel (Steve Davis hatte es zweimal geschafft, den Sieg in der dritten Session perfekt zu machen).

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Verschossene Schwarze bringt White um den WM-Titel 1994

Wenn Jimmy White bis dahin noch kein WM-Final-Trauma hatte, dann bekam er es spätestens 1994. Wieder traf er im Finale auf seinen alten Rivalen Hendry. Aber dieses Mal schien White die besseren Karten zu haben. Für Hendry war es sowieso schon bemerkenswert, dass er es überhaupt bis ins Endspiel geschafft hatte. Er war im Bad seines Hotelzimmers ausgerutscht und hatte sich den Ellbogen gebrochen. So musste er (außer bei den Matches) den linken Arm immer in einer Schlinge tragen und konnte bei vielen Bällen die Bockhand nicht richtig auflegen. Das Match ging über die volle Distanz. Beim Stand von 17:17 war White in den Bällen und hatte eine gute Chance. Dann aus heiterem Himmel der Fehler: Der Londoner verschoss Schwarz vom Spot. In seiner gnadenlosen Art räumte Hendry den Tisch ab und gewann mit 18:17. White war erneut geschlagen.

Im Jahr darauf erreichte Jimmy White zwar noch einmal das Halbfinale im Crucible Theatre (wieder verlor er gegen Hendry), doch dem Titel sollte er nie mehr nahekommen. Zum bisher letzten Mal spielte er 2006 im Theater der Snooker-Träume. Die Amateur-Weltmeisterschaft hat er 1980 gewonnen, aber der Profi-Titel blieb ihm versagt. Trotzdem ist er eine Legende. Vor allem seine unnachahmlichen Zugbälle haben die Fans immer wieder in Verzückung gesetzt. Legionen hat er zu Snooker-Fans gemacht und auch viele der heutigen Spitzenspieler dazu animiert, zum Queue zu greifen. Auch ohne WM-Titel ist er einer der einflussreichsten Spieler in der Geschichte des Snooker.

Zum Abschluss aber will ich auch heute nicht auf den wichtigen Hinweis verzichten: Passt bitte gut auf Euch und alle anderen auf und bleibt vor allem gesund!

Herzliche Grüße und alles Gute

Ihr / Euer Rolf Kalb

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