Ding Junhui rückte mit seinem Sieg bei den China Open 2005 schlagartig ins Rampenlicht. Die Saison 2004/05 war Dings zweite Saison auf der Maintour. Er galt auch damals schon als Riesentalent, aber so richtig durchgestartet war er noch nicht.
Die Achtelfinal-Teilnahme bei den British Open 2004 war bis dahin sein bestes Ergebnis bei Ranglisten-Turnieren. Ob er bei der Endrunde der China Open dabei gewesen wäre, das war fraglich. Denn in der Qualifikation hätte er in der ersten Runde starten müssen.

Ding bekommt Wildcard für Endrunde

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Die Veranstalter in Peking wollten Ding aber unbedingt dabei haben. Also wurde er aus der Qualifikation rausgenommen und bekam eine Wildcard für die Endrunde. Dort startete er mit einem 5:2 über Mark Davis.
Spätestens als er danach seinen damaligen Mentor Peter Ebdon mit 5:0 geschlagen hatte, deutete sich eine Sensation an. Nach einem 5:4 über Stuart Bingham, einem 5:2 über Marco Fu und einem 6:0 über Ken Doherty stand er dann plötzlich im Finale. Dort wartete Stephen Hendry auf ihn, damals noch die Nummer zwei der Weltrangliste.
Nicht überraschend fand Hendry gegen den damals noch unerfahrenen Ding besser ins Spiel und ging mit 4:1 in Führung. Aber Ding, der zwei Tage zuvor 18 Jahre alt geworden war, überzeugte schon damals nicht nur mit seinem Breakbuilding, sondern auch mit ziemlich abgeklärtem Spiel.

Ding erhält keine Ranglistenpunkte

Da machten sich die Tipps von Ebdon bemerkbar. So kämpfte sich Ding zurück ins Match und übernahm nach einer 107 im neunten Frame erstmals die Führung. Hendry glich zwar noch einmal aus, doch danach hatte der Superstar sein Pulver verschossen. Mit einer 103 im 14. Frame machte Ding den sensationellen 9:5-Sieg perfekt.
Ironie der Geschichte: Da Ding als Wildcard gestartet war, hatte er keinen Anspruch auf die Siegprämie und die mit dem Sieg verbundenen Ranglisten-Punkte. Zumindest sein Konto musste darunter allerdings nicht leiden: Ein Sponsor zahlte ihm die Siegpämie über 30.000 Pfund.
Sechs Jahre später war es dann Judd Trump, der bei den China Open seinen ersten Titel holte. Der jetzige Weltmeister war seit 2005 auf der Profitour. Atemberaubendes Lochspiel war auch damals schon sein Markenzeichen, doch das war ziemlich wild und eindimensional.
"Freches Snooker'" nannte er das selbst. So fehlte ihm die Stabilität und Konstanz. Zwar hatte er schon beim Grand Prix 2008 das Halbfinale erreicht, aber das blieb lange eine Eintagsfliege.

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Trump feiert 100. Century im Finale

Bei den China Open 2011 deutete Trump dann aber früh an, dass ihm Großes zuzutrauen war. Auf dem Weg ins Finale gab er einschließlich der Qualifikation nur acht Frames ab. Der Gegner im Endspiel war dann Mark Selby.
Trump startete mit einer 104 in das Finale und machte im vierten Frame eine weitere 104 zum 3:1; dies war auch das 100. Century seiner Karriere. Der damals 21-Jährige hätte am Ende der ersten Session mit 6:2 führen können, doch er bekam beim Frameball einen Kick. Mit einer nervenstarken Clearance von 62 Punkten verkürzte Selby auf 3:5.
Nach 16 Frames aber war der Vorsprung von Trump weg. Selby hatte zum 8:8 ausgeglichen. Im 17. Frame war Kampf pur angesagt. Selby brauchte zwei Snooker, doch er schaffte nur einen.

Ersatztermin noch nicht bekannt

Als er dann kurz darauf Pink versehentlich lochte, führte Trump mit 9:8. Selby aber war natürlich noch nicht geschlagen. Im 18. Frame hatte er gar zwei Chancen, aber er machte nur 41 Punkte daraus. Trump war nervenstärker: Seine erste Chance nutzte er zu einer Clearance von 57 Punkten bis Pink zum 10:8.

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Sowohl für Ding Junhui als auch für Judd Trump waren die Siege der eigentliche Beginn einer großen Karriere. Die von Trump ist (bisher) sogar noch größer. Wer weiß: Vielleicht wären die China Open 2020 auch für einen Spieler das große Sprungbrett geworden.
Ob (und wann, falls ja) das Turnier übrigens nachgeholt wird, ist noch nicht bekannt. Deshalb gilt auch heute erst einmal wieder: Passt bitte gut auf Euch und alle anderen auf und bleibt vor allem gesund!
Herzliche Grüße und alles Gute
Ihr / Euer Rolf Kalb
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