Players Championship: Steht der Sieger mit Judd Trump schon fest oder gelingt Yan Bingtao der Coup?

Das Finale bei der Players Championship steht bevor: Judd Trump gegen Yan Bingtao. Viele meinen ja, dass es da nur einen Sieger geben kann. Natürlich ist Judd Trump der Favorit. Er ist alles in allem der bessere Spieler, er ist der erfahrenere Spieler und er hat Yan bei den bisherigen vier Begegnungen klar geschlagen. Aber warum soll Yan keine Chance haben, wenn er so spielt wie im Halbfinale?

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Für Judd Trump wäre das ja ein besonderer Sieg. Es wäre sein fünfter Titel in dieser Saison. Damit würde er den Rekord, den bisher Stephen Hendry, Ding Junhui, Mark Selby und Ronnie O’Sullivan halten, einstellen. Und wer weiß? Vielleicht holt er sogar noch einen sechsten Titel in dieser Saison und wäre damit alleiniger Rekord-Champion. Zuzutrauen ist es ihm. Die Spieler sagen ja gerne in Interviews, Rekorde würden sie nicht sonderlich interessieren. Wenn man dann aber mit ihnen darüber spricht, sind sie erstaunlich gut orientiert.
Dass ein Spieler, der zum ersten Mal Weltmeister geworden ist, eine solch erfolgreiche Saison hinlegt ist eine große Ausnahme. Mit fällt da eigentlich nur Stephen Hendry ein: Nachdem der 1990 seine erste WM gewonnen hatte gewann er in der folgenden Saison fünf Titel (bei nur acht Turnieren). Steve Davis lässt sich da nicht vergleichen. Als der 1981 erstmals Weltmeister wurde, galt nur die WM als Ranglisten-Turnier. Aber dass man schon in einer solchen Liga suchen muss, um Vergleiche für Judd Trump zu finden, wirft ein Schlaglicht auf seine Leistung. Und wer weiß: Vielleicht ist Trump der erste Spieler, der den „Crucible Fluch“ brechen kann (niemand hat im Crucible seinen Titel nach dem ersten Triumph auf Anhieb verteidigen können). Das wird sein großes Ziel sein.

Yan Bingtao könnte seinen ersten großen Titel holen

Aber nun muss er sich erst einmal mit Yan Bingtao auseinandersetzen. Der hat in dieser Saison schon bei fünf Ranglisten-Turnieren im Halbfinale gestanden. Das belegt, dass er konstant auf höchstem Niveau spielt. Aber ist er bereit für seinen ersten ganz großen Triumph? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass er unheimlich schnell lernt. Bei den Welsh Open ist er im Halbfinale noch kurz vor dem Sieg gestolpert. In Southport wäre ihm das im Viertelfinale gegen Joe Perry beinahe wieder passiert. Gegen Shaun Murphy meisterte er den entscheidenden Schritt aber souverän. „Ich habe versucht, nicht an den Spielstand zu denken, sondern jeden Frame wie den ersten zu nehmen und einfach immer von Ball zu Ball zu denken“, verriet er danach im Interview bei "WST". Genau das ist die richtige Herangehensweise.
Eine ähnliche Aufgabe liegt jetzt im Finale vor ihm. Er muss die Tatsache, wer sein Gegner ist, ausblenden, muss sich einfach auf die Aufgabe konzentrieren, die vor ihm auf dem Tisch liegt. Das ist leichter gesagt als getan. Aber wenn ihm das gelingt, dann ist mehr für ihn drin als die Opferrolle. Eine Anekdote, die Shaun Murphy erzählte, belegt, wie hart Yan an sich arbeitet: „Als der das Halbfinale in Cardiff gegen mich verloren hat, da hat er den ganzen nächsten Tag am Tisch gestanden und trainiert.“ Es war eigentlich sein 20. Geburtstag.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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