Mark Selby: Ist die Sieg-Maschine zurück?

Mark Selby holt nach den English Open auch den Titel bei den Scottish Open. Was unweigerlich die Frage aufwirft: Ist die Sieg-Maschine zurück? Als Zauderer trat Selby in Glasgow schließlich immer seltener auf. Für Jack Lisowski ist hingegen weiter Geduld angesagt - und ob Ding Junhui nun dauerhaft zurück im Geschäft der Großen ist, muss sich erst noch zeigen.

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Wieder also Mark Selby: Wie schon acht Wochen zuvor bei den English Open, triumphierte der dreimalige Weltmeister auch bei den Scottish Open in Glasgow.
Business as usual, könnte man meinen. Dass jemand mit den Qualitäten von Selby öfter mal Titel gewinnt, ist keine Überraschung.
Für mich aber hat der Sieg in Glasgow noch einmal eine ganz andere Qualität als der in Crawley.

Mark Selby spielt bei den Scottish Open kompletter

Bei den English Open hatte Mark Selby im Finale überragend gespielt und so eine für ihn ziemlich lange Durststrecke beendet. Das hat ihm gut getan und war eine wichtige Hilfe, aber Mark Selby hat ja selbst immer auf ein entscheidendes Detail hingewiesen: Damals hat er eigentlich nur ein wirklich gutes Match gespielt, nämlich das Endspiel.
Das hat verdeckt, dass er in den Runden zuvor auch ziemlich viel Stückwerk abgeliefert hat.
Bei den Scottish Open war das jetzt anders. In den ersten Runden dort hat Mark Selby zwar auch nicht unbedingt überragend gespielt, aber es war solide bis gut. Auf dem Weg ins Viertelfinale hat er schließlich nur drei Frames abgegeben.
Das 5:4 über Ronnie O'Sullivan war dann schon richtig gut, und das hat ihm dann noch einen Schub gegeben. Danach hat er wirklich sehr gut gespielt, war nicht mehr der zweifelnde Zauderer. Im Gegenteil: Er ist die Offensiv-Rallyes seiner Gegner voll mitgegangen.
Ich hatte den Eindruck, dass diese Entwicklung jetzt nachhaltiger war als vor acht Wochen. Dann hätten wir die Sieg-Maschine Selby zurück.

Jack Lisowski muss sich weiter gedulden

Jack Lisowski kann das Gerede, sein erster Titel lauere hinter der nächsten Ecke, wohl nicht mehr hören. Zu oft hat er das gesagt bekommen, und trotzdem muss er weiter warten. Je länger das dauert, desto größer wird der Druck.
Er weiß ja auch, dass die Großen in der Regel ihren ersten Titel viel früher gewonnen haben. Daran ändert auch nichts, dass eine Krebserkrankung in seiner Jugend seine sportliche Entwicklung verzögert hat.
Er ist besser geworden, keine Frage. Aber wenn er mit seiner Offensiv-Power nicht mehr weiterkommt wie im Finale gegen Selby, dann fehlt seinem Spiel eben immer noch eine weitere Dimension. Das machte gestern den Unterschied aus.
Vielleicht sollte er sich ein Beispiel an seinem Kumpel Judd Trump nehmen, der diese zusätzliche Dimension letztlich gefunden hat, ohne seine eigenen Stärken zu vernachlässigen.

Der Sieg von Ding Junhui - der reine Genuss

Ein Rückblick noch: Der Erfolg von Ding Junhui bei der UK Championship hat wohl jeden gefreut. Einen Ding in dieser Form und mit diesem Spiel zu sehen, ist für jeden, der Snooker mag, der reine Genuss.
Ob das jetzt eine nachhaltige, dauerhafte Rückkehr zu alter Stärke ist, muss sich erst noch zeigen.
Die 0:4-Niederlage in der dritten Runde der Scottish Open gegen Graeme Dott war für mich da noch kein Maßstab. Da war einfach der Akku leer. Ich bin mal gespannt, wie er sich beim Masters präsentiert.

Ein Dankeschön an alle

Das Snookerjahr 2019 ist ja noch nicht ganz vorbei. Trotzdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, allen Lesern, Zuschauern und Usern in der Twitter-Community herzlich für die Begleitung in diesem Jahr zu danken.
Danken möchte ich auch dem gesamten Team bei Eurosport (Online und TV, ob in München, Paris oder sonstwo), ohne deren engagierte Arbeit wir dieses dicke Snooker-Paket gar nicht schnüren könnten. Allen wünsche ich ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und alles Gute für das neue Jahr.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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