Es waren ehrliche Worte, und die haben einen Blick in das Innere von Ryan Day erlaubt. Aber gerade das macht klar, unter welch enormen Druck er stand. Und das gilt nicht nur für Day.
Natürlich gibt es die Beletage des Snooker, die Trumps, Selbys, O’Sullivans und andere. Die haben ausgesorgt, und wenn sie geschickt sind, dann auch ihre Kinder. Es gibt darüber hinaus diejenigen, die ein sehr gutes Leben haben. Aber es gibt halt auch viele, für die ist es der pure Überlebenskampf.
Natürlich: Wer eine Karriere als Profisportler anstrebt, dem muss klar sein, dass es keine Garantie für Erfolg gibt. Man kann auch scheitern. Das muss man in Kauf nehmen. Aber: Wenn der Profi-Traum platzt, dann stehen praktisch alle mit leeren Händen da. Sie haben keinen normalen Beruf erlernt. Viele haben sogar auf den Schulabschluss verzichtet, um sich ganz dem Sport widmen zu können. Die stehen dann schnell vor den Scherben ihres Lebens.
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Zur Erinnerung: Es gab mal eine Zeit, da hatte niemand einen Zweifel daran, dass auch Day bald zur Beletage der Großverdiener gehören würde. Er war immerhin mal die Nummer sechs der Weltrangliste. Sein flüssiges und offensives Spiel machte Spaß - dann aber kam eine erste Krise.

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Day droht sogar Verlust des Tourplatzes

Er rutschte in die Dreißiger-Ränge ab. Er berappelte sich zwar wieder etwas, aber nach der Finalteilnahme beim Gibraltar Open 2019 folgte das nächste Tief. Vor dem Shootout stand er auf dem 50. Platz in der Rangliste. Wenn der Rest der Saison weiter so schlecht gelaufen wäre, dann hätte er durchaus seinen Tourplatz verlieren können.
Als Snookerspieler muss man lernen, mit Druck umzugehen. Der Sport selber fordert das von einem. Wenn dann aber auch noch massive Existenzängste hinzukommen, dann kann das zu viel werden. Vielleicht trägt auch das dazu bei, dass gefühlt ziemlich viele Snookerprofis Probleme mit Depressionen haben. Und ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wie viele noch darunter leiden, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt.
Bei Day ist zum Glück jetzt erst einmal der Druck aus dem Kessel. Der Verlust des Tourplatzes ist kein Thema mehr, zumindest für die nächsten beiden Jahren. Die 50.000 Pfund Siegprämie dürften auch eventuell vorhandene finanzielle Sorgen gelindert haben. Zudem kann er sich darauf freuen, dass die Teilnahme an der Players Championship und dem Champion of Champions zusätzliches Geld auf das Konto spült. Das Ticket für diese beiden Turniere hat er mit seinem Sieg beim Shootout nämlich auch gelöst.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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