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Ritterschlag WM-Finale: Auch die Schiedsrichter träumen von einer Final-Teilnahme

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Schiedsrichter Jan Verhaas kontrolliert Ronnie O'Sullivan

Fotocredit: Getty Images

VonRolf Kalb
27/04/2020 Am 11:50 | Update 27/04/2020 Am 12:44
@Rolf_Kalb

Am kommenden Sonntag würde in Sheffield das Finale der Weltmeisterschaft beginnen, wenn die Titelkämpfe nicht hätten verschoben werden müssen. Für die Spieler, die das WM-Endspiel bestreiten, ist das natürlich immer etwas ganz Besonderes. Aber nicht nur für sie. Auch für den Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin gilt ein WM-Finale als der Höhepunkt der Karriere.

Das kann natürlich auch nicht verwundern. Das wichtigste und meist beachtete Match der Saison leiten zu dürfen, ist eine besondere Ehre und Auszeichnung. Es ist aber zugleich auch die Anerkennung für zuvor gezeigte herausragende Leistungen der Schiedsrichterin oder des Schiedsrichters. Gleichzeitig weiß der- oder diejenige aber auch, dass ihm oder ihr mehr Menschen auf die Finger sehen werden als bei jedem anderen Match. Das ist natürlich Druck pur.

Der erste, dem diese Ehre im Crucible Theatre widerfuhr, war John Smyth. Smyth war 1977 beim Sieg von John Spencer über Cliff Thorburn der Unparteiische. Die nächsten beiden Endspiele leitete dann John Williams. Der große John Street war 1980 erstmal der Final-Schiedsrichter im Crucible. Die drei und Len Ganley, der Vater des heutigen Turnierdirektors Mike Ganley, prägten eine Ära. Das Quartett leitete 19 der ersten 20 Finals im Crucible Theatre. Lediglich im Jahr 1984 war Jim Thorpe der dritte Mann am Tisch.

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1997, als Stephen Hendry nach bis dahin sechs WM-Titeln das Finale gegen Ken Doherty verlor, war Alan Chamberlain der Schiedsrichter. Obwohl Chamberlain allgemein als einer der größten Referees galt, sollte dies allerdings sein einziges Crucible-Finale bleiben. Ähnliches gilt für Lawrie Annandale, Colin Brinded und John Newton, die die nächsten Endspiele leiteten. Auch für sie sollte es jeweils das einzige WM-Finale bleiben.

Als Schiedsrichter braucht man guten Durchblick. Das weiß auch Alan Chamberlain und checkt lieber nochmal seine Brille

Fotocredit: Getty Images

Annandale wurde zum Queue-Doktor

Annandale war bei den Spielern nicht nur als Schiedsrichter beliebt, sondern auch, weil er bei Problemen mit dem Queue immer zu helfen wusste. Unvergessen ist die Anekdote, wie Stephen Hendry seinen schottischen Landsmann einmal zu einem Turnier einfliegen ließ, weil sein Queue eine neue Pomeranze brauchte. Die Rolle als Queue-Doktor in der Not hat ja mittlerweile Paul Collier übernommen.

Lawrie Annandale übrigens war selber auch ein mehr als ordentlicher Spieler. Gemeinsam mit dem jungen Stephen Hendry gewann er einmal die schottische Doppel-Meisterschaft. Zu den besonderen Anekdoten seines Schiedsrichter-Lebens gehören auch die World Games 2001. Annandale war als Schiedsrichter nach Japan geflogen, aber wegen der Absagen mehrerer Teilnehmer stand er plötzlich als Spieler am Tisch.

  • Snooker-WM im Crucible Theatre neu terminiert

2001 leitete dann Eirian Williams sein erstes WM-Finale. Der Ex-Polizist aus Wales sollte für viele Jahre eine der prägenden Figuren im Schiedsrichter-Wesen bleiben. Im Jahr darauf leitete dann John Williams (nicht verwandt oder verschwägert mit Eirian) sein neuntes und letztes WM-Finale. Geschichte wurde 2003 geschrieben: Jan Verhaas war der erste Nicht-Brite, der das WM-Finale leitete. Im Jahr darauf machte dann Paul Collier sein erstes WM-Finale. Mit damals 33 Jahren ist er bis heute der jüngste Schiedsrichter eines WM-Finales.

Michaela Tabb leitete 2009 als erste und bisher einzige Frau das WM-Finale

Erneut Geschichte geschrieben wurde 2009, als mit Michaela Tabb erstmals eine Frau das Endspiel im Crucible anvertraut wurde. Michaela war und ist bis heute das Vorbild für viele der jungen Schiedsrichterinnen auf der Tour und hat für sie auch den Weg bereitet. 2012 leitete Michaela zum zweiten Mal das größte Match des Jahres. Bis heute ist sie die einzige Frau, die bei einem Endspiel im Crucible am Tisch stand. Allerdings überwarf sie sich einige Jahre später mit der World Snooker Tour und arbeitet deshalb nicht mehr auf der Main Tour.

Michaela Tabb überprüft im WM-Finale 2009 die Position der Kugeln

Fotocredit: Getty Images

Mit viel Stress verbunden war für den Belgier Olivier Marteel das WM-Finale 2015. Am Montagabend hatte der Krankenpfleger noch das Endspiel im Griff, flog dann am Dienstag heim, um zwei Nachtschichten in seinem Krankenhaus zu absolvieren. Unmittelbar nach der zweiten Nachtschicht flog er am Donnerstag dann nach London, um bei den World Snooker Awards dabei zu sein; das ist verpflichtend für die Final-Referees. Am Freitag ging es dann wieder heim für eine weitere Nachtschicht. Ich weiß nicht, wie viele Stunden er am Wochenende dann geschlafen hat.

Scullion kämpfte sich nach Krebs-Erkrankung zurück an den Final-Tisch

Ein emotionaler Moment war das WM-Finale 2019 für Leo Scullion. Der Schotte war einige Jahre zuvor schwer an Krebs erkrankt und niemand hatte damit gerechnet, dass er als Schiedsrichter an den Tisch zurückkehren könnte. Doch er gewann den Kampf und im Vorjahr wurde sein Traum wahr.

Intern hatte man sicherlich schon entschieden, wer das Finale 2020 leiten sollte. Doch diese Information wurde noch nicht veröffentlicht. Wer auch immer es sein mag: Es wird für ihn oder sie der Höhepunkt der Karriere sein.

Herzliche Grüße und bleibt gesund

Ihr / Euer Rolf Kalb

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