Kyren Wilson, der mit einem knappen 13:11-Vorsprung in die vierte und letzte Session startete, erwischte den besseren Start und schnappte sich mit einem 94-Break den 25. Frame. Damit erhöhte der Warrior den Druck auf Anthony McGill.

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Doch der Schotte blieb cool und schlug unbeeindruckt zurück. Mit tollen Breaks von 84, 87 und 122, seinem zweiten Century Break im Match und gleichzeitig auch im Turnier, stellte McGill auf 14:14 und nahm das Momentum mit in die Pause.

Wilson ging allerdings nach dem Interval dank einer 82 wieder in Führung. Doch McGill gleich sofort wieder aus und ging anschließend dank einer 98 zum ersten Mal seit dem Spielstand von 10:9 wieder in Führung.

"Der verrückteste Frame aller Zeiten!" Wilson und McGill bieten bizarre Snooker-Show

McGill und Wilson versagen die Nerven

Beim Stand von 16:15 fehlte McGill nur noch ein Frame, um als erster Qualifikant seit Ding Junhui 2016 in ein WM-Finale einzuziehen. Doch Wilson gewann mit mehreren kleineren Breaks den 32. Frame. So ging es in den Decider. Und dieser hatte es in sich.

Beide Spieler hatten im entscheidenden 33. Frame mehrfach die Chance, das Spiel zu gewinnen, doch beiden versagten mehrmals die Nerven. Beim Stand von 55:52 für Wilson snookerte der Engländer McGill dann auf die letzte Rote hinter Gelb. Dem Schotten gelang es nicht sich aus diesem zu befreien und gab 35 Foulpunkte ab. Damit benötigte er bereits Snooker.

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Doch Wilson produzierte anschließend selbst ein Foul, als ihm nach einem Doublekiss der Spielball fiel. McGill war zurück im Spiel. Wilson produzierte gar noch ein zweites Foul, wieder fiel die Weiße. Es entwickelte sich eine reine Nervenschlacht um die letzte Rote.

Als diese sich in den Einlauf der Mitteltasche verirrte, versuchten beide Halbfinalisten diese über Vorbande zu lochen. Allerdings verpassten zunächst nacheinander sowohl McGill als auch Wilson die Rote, in seinem zweiten Versuch lochte der Schotte dann.

Wilson bucht Finalticket nach Glückstreffer

Im Endspiel auf die Farben hatte er dann die große Chance, doch noch ins Finale einzuziehen. Aber bei der Stellung auf Grün snookerte sich McGill selbst. Zum wiederholten Mal wendete sich das Blatt in diesem Frame und auch im gesamten Match. Im Anschluss entwickelte sich ein intensives Safeduell um Grün. Bis Wilson diese mit einem Fluke, einem Glückstreffer, über drei Banden lochte.

Der Engländer schüttelte anschließend sekundenlang selbst fassungslos den Kopf. Denn damit lag er 23 Punkte vorne, bei noch 22 auf dem Tisch. McGill brauchte erneut Snooker. Der Schotte kämpfte aber weiter, versuchte auf Pink die nötigen Foulpunkte zu bekommen. Doch als Wilson diese lochte, war das Match entschieden. Mit 103:83 gewann Wilson einen wahnsinnigen Thriller. Allein der Decider dauerte gut 60 Minuten.

"Es war mental unfassbar schwer. Es tut mir für Anthony leid, dass es so zu Ende gegangen ist", sagte Wilson im Anschluss im Eurosport-Studio und fügte an: "Ich hätte mir gewünscht, dass es nicht so endet." Der Warrior entschuldigte sich sowohl direkt nach dem Duell und im Eurosport-Interview bei seinem Kontrahenten.

Jenes Drama im WM-Halbfinale wird als Klassiker in die Snooker-Geschichte eingehen.

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Unglaublicher Fluke auf Grün bringt Wilson ins Finale

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