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Trotz Kritik: World Snooker Tour in der Pflicht, WM-Pläne vorzustellen

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Judd Trump soll nun ab Ende Juli seinen WM-Titel verteidigen

Fotocredit: Imago

VonRolf Kalb
24/04/2020 Am 09:07 | Update 24/04/2020 Am 09:17
@Rolf_Kalb

Am Mittwoch hat die World Snooker Tour ein neues Datum für die Weltmeisterschaft 2020 bekanntgegeben. Danach soll es am 31. Juli losgehen, wie immer im Crucible Theatre in Sheffield. Die Reaktionen in den sozialen Medien ließen nicht lange auf sich warten. Während bei einigen (auch bei mir) Vorfreude aufkam, reagierten andere skeptisch oder gar ablehnend oder zumindest kritisch.

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Und natürlich: Es gibt noch sehr viele offene Fragen. Aber eines sollte man sich klarmachen: Die WM vom 31. Juli bis zum 16. August zu spielen ist ein Plan, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Ob sich dieser Plan realisieren lässt kann derzeit noch niemand sagen. Niemand ist in der Lage, bei dieser dynamischen Entwicklung des Pandemie-Geschehens drei Monate in die Zukunft zu blicken. Die Optimisten also sollten ihre Vorfreude vielleicht doch noch etwas dämpfen.

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Wer jetzt aber die Hände über dem Kopf zusammenschlägt oder gar Barry Hearn vorwirft, aus egoistischen Motiven ohne Rücksicht auf Verluste die WM durchdrücken zu wollen, der oder die schießt meiner Meinung nach deutlich über das Ziel hinaus. Natürlich: Profi-Sport ist ein Business. Das gilt auch für Snooker. Die World Snooker Tour (WST) will und muss Geld verdienen, Matchroom als Mutterfirma will Geld verdienen und auch Barry Hearn will Geld verdienen. Das ist alles aber durchaus legitim und für sich noch nicht kritikwürdig.

Aber es geht ja nicht nur um den Kontostand von Barry Hearn. Der kann vermutlich gut ein paar Monate ohne Einkommen leben. Aber an der Fortsetzung der Maintour hängen ja viele Existenzen. Da sind zuallererst die Spieler. Viele von denen dürften nicht hohe Rücklagen haben. Die sind auf das Preisgeld angewiesen, um Miete oder Haushypothek bezahlen und ihre Familien ernähren zu können. Aber auch die wirtschaftliche Existenz vieler weiterer Freiberufler hängt an der Maintour; dazu gehören auch viele Journalisten (auch ich).

WM könnte ohne Zuschauer gespielt werden

Und es ist ja nicht so, dass die WM auf Teufel komm raus durchgezogen werden soll. Schon im ersten Satz der WST-Erklärung ist klargestellt, dass die Durchführung von den dann gültigen behördlichen Bestimmungen abhängt. Später wird dann noch Barry Hearn zitiert: "Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten bei einem solch großen Event genießt höchste Priorität."

Vor vollbesetzten Tribünen zu spielen wird ausdrücklich als "Wunsch" bezeichnet. Aber es wird auch klargestellt, dass die WM auch vor reduziertem Publikum oder gar hinter verschlossenen Türen gespielt werden könnte oder eben erneut verschoben werden muss. Bei allen Planungen waren die städtischen Behörden von Sheffield von Anfang an beteiligt.

Man ist sich also der Risiken bewusst. Man weiß auch, dass die Austragung der WM zum geplanten Zeitpunkt keineswegs garantiert ist. Und natürlich kennt man auch noch nicht alle Details, denn die hängen von der weiteren Entwicklung ab. Das gilt übrigens für die Qualifikation in noch stärkerem Maß, weil es da derzeit noch mehr Unwägbarkeiten gibt. Ich gehe davon aus, dass die WST deshalb noch keine Details zur Qualifikation bekanntgegeben hat.

Judd Trump gewann die Gibraltar Open 2020 vor leeren Zuschauerrängen

Fotocredit: Eurosport

WST in der Pflicht Pläne vorzustellen

Meiner Meinung nach kann man der WST keinen Vorwurf machen, dass sie jetzt Pläne ausarbeitet und vorlegt. Die Spieler brauchen schließlich auch ein Ziel, um eine Ahnung zu haben, auf was sie sich einstellen beziehungsweise vorbereiten müssen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Man müsste der WST Vorwürfe machen, wenn sie keine Pläne machte.

Denn die Tour fortzusetzen und die WM (wenn möglich) auszutragen ist ihre Aufgabe. Sie würde die Spieler (und auch die Fans) im Stich lassen, wenn sie sich jetzt nicht auf eventuell mögliche Szenarien vorbereiten würde. Eine WM kann man schließlich nicht mal eben in drei Tagen auf die Beine stellen. Soweit ich das gesehen habe, reagierten auch die Spieler positiv auf diese Perspektive. Eine WM ohne Zuschauer wünscht sich niemand, aber das wäre noch immer besser als gar keine WM.

Ich gönne mir deshalb ein kleines bisschen Optimismus und so etwas wie verhaltene Vorfreude.

Herzliche Grüße und bleibt gesund

Ihr / Euer Rolf Kalb

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