In den ersten Runden der WM hat Mark Selby seine Gegner klar dominiert.
Nur elf Frames hat er auf dem Weg ins Halbfinale abgegeben und damit einen Rekord eingestellt. Nicht umsonst hat Mark Williams nach seiner Niederlage gegen den neuen Champion gesagt: "Vergesst die anderen." Selby hat da das beste Snooker von allen gespielt, und es war mitreißendes Offensiv-Snooker.
Im Halbfinale und im Finale haben wir dann auch die andere Seite von Selby gesehen.
Snooker-WM
Trotz Murphy-Comeback: Selby triumphiert bei Snooker-WM
03/05/2021 AM 22:20
Und das war ein überzeugendes Komplett-Paket. Mit brillantem taktischen Spiel, zu dem auch viel Klugheit gehört, hat er sich die Kontrolle über den Tisch erkämpft. Und war dann immer in der Lage, mit einer schweren Roten einzusteigen und dann seine Scoring-Power für ein hohes Break genutzt. Das ist eine perfekte Mischung.

Höchstes Lob für Selby

Stephen Hendry adelte ihn denn auch prompt: "Er ist der unglaublichste Wettkämpfer, den ich jemals gesehen habe."
Sowohl gegen Stuart Bingham als auch gegen Murphy war er durchaus auch in Rückstand geraten. Aber es ist ja gerade seine Willensstärke, die ihn zu einem so gefürchteten Wettkämpfer gemacht hat. Das heißt, dass er nicht nur das technische und taktische Rüstzeug hat, sondern auch das mentale. Das war vor einem oder zwei Jahren nicht so. Chris Henry als Coach hat einen großen Anteil an seiner Wiederauferstehung.

Mit Urschrei: So holte sich Selby seinen vierten WM-Titel

Es kann keine Diskussionen mehr darüber geben, dass Selby endgültig zu den ganz Großen des Snooker gehört.
Seinen Platz im Snooker-Pantheon kann ihm niemand verwehren. Vier WM-Titel und neun Triumphe bei Triple Crown Turnieren (neben der WM auch die UK Championship und das Masters) kann man nicht wegdiskutieren. Er hat es sich verdient. Mit großer Willensstärke und viel Arbeit hat er seinen Weg gemacht.

Buh-Rufe gegen Selby? Kein Verständnis

Umso mehr haben mich die Buh-Rufe für Selby im Crucible Theatre beschämt. Das hat kein Sportler verdient. In keiner Sportart. Und erst recht nicht ein Vorzeige-Profi wie Selby. Und der Hass, der in den sogenannten sozialen Medien über Selby ausgekübelt wurde, hat mich entsetzt.
Man muss kein Fan von Selby sein. Man muss auch nicht sein Spiel mögen. Aber die große Leistung eines untadeligen Sportlers verdient Anerkennung und Respekt. Snooker als Gentleman-Sport sollte auch für die sogenannten Fans eine Verpflichtung sein.

Mark Selby bei der WM im Crucible

Fotocredit: Getty Images

Natürlich: Selby lässt sich auch schon mal zwei Minuten Zeit, um sich für den nächsten Stoß zu entscheiden. Es können sogar auch drei Minuten werden. Aber er macht das nicht, um unfaire Spielchen mit dem Gegner zu treiben. Er macht das, weil er um die optimale Lösung ringt. Und die spielt er dann ja auch meist.
Ein Wort auch noch zur Rückkehr der Fans: Es war herrlich, wieder echten Applaus zu hören und echte Begeisterung zu erleben. Da wurde deutlich, dass der unsägliche Dosen-Applaus kein Ersatz sein kann. Ich kann allen nur gratulieren, die die Rückkehr der Fans unter offensichtlich sicheren Bedingungen ermöglicht haben. Und die Fans haben ja auch die Spieler sichtlich beflügelt. Ohne die Unterstützung von den Rängen wären diese tollen Leistungen nicht möglich gewesen.
Es waren 17 tolle Tage. Und jetzt kann ich kaum auf den Start der neuen Saison warten.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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