Dabei hätte O'Sullivan nach einer schwachen zweiten Session eine Mammutaufgabe vor sich. Der 45-jährige Engländer ging mit einem 6:10-Rückstand in die Entscheidungssession und legte los wie die Feuerwehr. Er gewann die ersten fünf Frames und führte plötzlich 11:10, das Match war gedreht. Letztendlich konnte "The Rocket" aber auch eine 12:11-Führung nicht über die Ziellinie bringen und unterlag im Decider-Krimi.
"Der Rückstand war immer noch aufholbar und ich war sehr zufrieden, wie ich da zurückgekommen bin. In den letzten Jahren hätte mich das verunsichert und meine Gefühle beeinflusst, aber ich habe dann großartig gespielt und konnte es genießen", erklärte O'Sullivan im Eurosport-Interview.
Dabei half ihm auch die Arbeit mit dem Sportpsychologen Steve Peters, mit dem sich O'Sullivan auf die WM vorbereitete und mit dem er an seinen mentalen Problemen arbeite. So konnte der sechsmalige Weltmeister mit dem zwischenzeitlichen Rückstand gut umgehen und sich nach der Niederlage als fairer Verlierer geben. Noch am Tisch beglückwünschte er McGill zum Sieg.
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Ronnie O'Sullivan (rechts) gratuliert Anthony McGill nach dessem Sieg

Fotocredit: Getty Images

Snooker-WM: O'Sullivan genießt Atmosphäre im Crucible

"Zu verlieren ist enttäuschend, aber ich habe ein gutes Leben, wenn ich Snooker spiele. Ich liebe das Spiel und komme daher auch immer wieder zurück. Es ist wie, wenn du Golf spielst und 17 schlechte Löcher hast, aber am Ende hast du ein richtig gutes. Denn denkst du dir, dass du das Spiel ja eigentlich liebst und das treibt dich an. Es macht mir einfach Spaß, solche Spiele zu spielen", meinte O'Sullivan.
Insbesondere die Stimmung im Crucible Theatre hat dem 20-maligen Triple-Crown-Champion gefallen: "Wenn ich gut spiele, dann fühle ich die Energie der Zuschauer. Es ist, wie wenn du in New York bist, da fühlst du auch die Energie. Ich liebe es auch für die Fans zu spielen und eine gute Performance abzuliefern. Es ist zwar jetzt vorbei für mich bei der WM, aber es war eine großartige Atmosphäre."
Zuletzt legte der 45-Jährige bereits seine Pläne für die kommenden Jahre offen und erklärte dabei, dass er über Snooker hinaus besonders viel in China unterwegs sein will. Er habe dort viele gute Beziehungen und könnte je nach Turnierplan daher einige Events, die auf der britischen Insel stattfinden, aufgrund des Reisestresses ausfallen lassen.

O'Sullivan patzt - McGill eiskalt! Das ganze Drama im Decider

Snooker-WM: McGill feiert größten Sieg seiner Karriere

Während O'Sullivan die Niederlage gut verdaute, war es für McGill der größte Sieg seiner Karriere. "Das bedeutet so viel für mich. Ich habe viel Kraft, Zeit und Training in mein Spiel gesteckt. Daher kam auch der laute Freudenschrei am Ende aus mir aus. Das mache ich normalerweise nicht, aber da kamen einfach die Emotionen aus mir heraus", so der 30-jährige Schotte.
Den Grundstein dabei legte er dabei in der zweiten Session, die er 6:2 gewann. "Da hat es sich so leicht angefühlt, da habe ich einfach keinen Ball verschossen. Aber als Ronnie dann zurückkam, fühlte es sich nicht mehr so an. Er kam Frame für Frame zurück und ehe ich es richtig verstanden habe, stand es schon 9:10. Ich habe mich trotzdem gut gefühlt und auf meine Chance gewartet und in den letzten beiden Frames war da schon ganz viel Kribbeln dabei", analysierte McGill.

Emotionaler McGill: "Es hat mich überwältigt"

Für den "Glasgow Gladiator" war es im siebten Vergleich mit O'Sullivan der erste Erfolg überhaupt und einer der größten in seiner Karriere. Bei der WM im vergangenen Jahr verpasste er noch nach einem Krimi im Halbfinale gegen Kyren Wilson (16:17) das WM-Endspiel gegen O'Sullivan.
"Es ist großartig gegen Ronnie zu spielen und dann noch vor so vielen Leuten. Mit 50 Prozent der Zuschauer mit Crucible in diesem Match ist es aber so wie vor vollem Haus gegen jemand anderen zu spielen, denn die Zuschauer sind bei Ronnie doppelt so laut. Es fühlte sich daher an, als ob die Arena bereits voll wäre", so McGill, der im Viertelfinale auf den Gewinner der Partie zwischen Stuart Bingham und Jamie Jones wartet.

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