Snooker-WM 2025: Ronnie O'Sullivan erfindet sich zum Saisonhöhepunkt im Crucible neu - die Zukunft für den Rekordweltmeister beginnt jetzt

Ronnie O'Sullivan ist dank einer souveränen Darbietung gegen Ali Carter (10:4) ins Achtelfinale der Snooker-WM 2025 eingezogen. Ein Sieg, der alles andere als selbstverständlich war. Hinter dem Rekordweltmeister liegt nämlich eine äußerst schwierige Zeit, mentale Probleme ließen "The Rocket" an sich selbst zweifeln. Mittlerweile hat O'Sullivan einen neuen Weg eingeschlagen - und braucht Geduld.

O’Sullivan erklärt lange Pause: "Hatte Angst den Ball zu stoßen"

Quelle: Eurosport

Als Ronnie O'Sullivan der Außenwelt Einlass in seine Gedanken gewährte, musste er nicht lange nachdenken. Kurzerhand bediente sich der Rekordweltmeister der 1969 beginnenden "modern era" eines Zitats der Golf-Legende Rory McIlroy und brachte seine innere Unruhe auf den Punkt.
"Wenn ich gut spiele, kann ich mir nicht vorstellen, jemals wieder schlecht zu spielen. Und wenn ich schlecht spiele, kann ich mir nicht vorstellen, jemals wieder gut zu spielen", erklärte er im exklusiven Interview mit Eurosport-Partner TNT Sports.
So wie O'Sullivan am Mikrofon und vor laufenden Kameras immer wieder die richtigen Worte findet, muss der 49-Jährige auch am Tisch stets den idealen Spielzug ausfindig machen. Doch das ist schwieriger, als es klingt.
Grübeln, sich verbeißen, etwas totdenken - Selbstzweifel sind bei O'Sullivan keine Seltenheit. Vor der Snooker-WM im Crucible Theatre zu Sheffield befürchtete der Altmeister sogar einen mentalen Zusammenbruch. Auf seinem nun eingeschlagenen Weg scheint er die bösen Geister der Vergangenheit aber hinter sich lassen zu können.

O'Sullivan und die große Demut

"Ob ich hier den Titel holen kann? Das bezweifle ich. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich froh, Ali einfach nur ein würdiger Gegner zu sein. Ich muss realistisch bleiben", meinte O'Sullivan vor seinem WM-Auftakt gegen Ali Carter, der deutlich besser lief als erwartet. Mit 10:4 warf der siebenmalige Weltmeister seinen Rivalen aus dem Turnier.
Und jetzt? Die Zurückhaltung bleibt beim Engländer am Ruder. "Ich habe mich in dieser Session wahrscheinlich so gut gefühlt wie seit Jahren nicht. Das ist aber kein Grund, dass ich mir Hoffnung mache."
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Ausschlaggebend für diese Gefühlslage sind seine Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit. "Snooker hält alle seine Spieler demütig. Es war für mich eine große Demütigung, wie ich in den letzten drei, vier Jahren kämpfen musste", führte er aus.
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Highlights: O'Sullivan mit fabelhafter zweiter Session gegen Carter

Quelle: Eurosport

Sein WM-Triumph im Jahre 2022 habe zu jener Zeit viel kaschiert. "Damals habe ich mich im Vorfeld der WM ab Januar großartig gefühlt. Abgesehen davon war es einfach nur schrecklich", gestand er.
O'Sullivan weiß mittlerweile aber, wo jener Hebel versteckt ist, den er umlegen muss. Und zwar in seinem Kopf: "Nur ich kann es korrigieren."

Voller Fokus auf mentale Gesundheit

In den zurückliegenden zwei Jahre habe er das Gefühl für seine Qualitäten verloren, die ihn einst so stark machten. "Ich hatte Angst, den Ball zu stoßen", beschrieb er seine Zweifel. "Ich hatte keine Stoßkraft, keinen Touch, kein Gefühl für den Ball."
Ein Zustand, mit dem er nur allzu vertraut war. Im Laufe seiner Karriere durchschritt O'Sullivan so manches mentale Tal, immer wieder zog er sich deswegen von Turnieren zurück.
"Ich bin unfähig, mit dem Druck umzugehen, den ich mir selbst auferlege. Wenn es mir so schlecht geht, bin ich so niedergeschlagen, dass ich zu einem Menschen werde, den ich nicht wirklich mag", sagte er im November 2023 im Podcast "Stick to Football".
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Ronnie O'Sullivan, Ali Carter

Fotocredit: Getty Images

In den frühen Jahren seiner Karriere war er von solchen Eindrücken überfordert. Wie er selbst zugab, suchte er damals die Lösung im Rausch von Alkohol und Drogen.
Diese Zeiten liegen mittlerweile aber hinter ihm, heutzutage steht für O'Sullivan die mentale Gesundheit an erster Stelle. "Es sind keine Trainer mehr an Bord. Nur noch ich und Steve", bezog er sich auf seine Zusammenarbeit mit Sportpsychologe Steve Peters.

O'Sullivan: "Mein Kopf muss leerer sein"

Seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft ließ O'Sullivan lange offen, vor seinem ersten Match seit Januar hatte er buchstäblich Angst.
"Ich habe mich gefragt: 'Was mache ich hier? Mich bloßstellen, möglicherweise implodieren oder sogar einen Zusammenbruch erleiden?' All das ging mir durch den Kopf", schilderte er. Doch Peters nahm ihm seine Bedenken. "Er meinte, dass er mitkommt und mich durch das erste Spiel bringt."
Gemeinsam mit Peters will O'Sullivan zu seiner alten Stärke zurückfinden. Dafür muss er vor allem mental einen Schritt nach vorne machen, die ständigen Selbstzweifel hinter sich lassen.
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Match-Gewinn mit Stil: O'Sullivan macht Sieg mit Century perfekt

Quelle: Eurosport

"Mein Kopf muss leerer sein. Ich darf nicht so analytisch sein und muss aufhören, die Dinge zu überdenken", so O'Sullivan. "Natürlich werde ich nachdenken, aber ich muss merken, ob das in diesem Moment hilfreich ist. Es geht also darum, herauszufinden, wann ich nachdenken kann und wann nicht."

Der Neuanfang beginnt jetzt

Zum Auftakt gegen Carter ging dieser Plan voll auf. "Ich war nicht allzu nervös, weil meine Erwartungshaltung vielleicht nur darin bestand, ein paar Frames zu holen", so O'Sullivan. "Normalerweise verspüre ich mehr Druck. Dieses Mal habe ich aber nicht erwartet, viel zu erreichen."
Am Ziel ist "The Rocket" deswegen noch lange nicht angekommen, den historischen achten Titel bei einer Weltmeisterschaft will er noch nicht in den Mund nehmen. Vielmehr denkt O'Sullivan langfristig - mit einigen tiefgreifenden Veränderungen.
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Clearance zum Century: O'Sullivan besticht in Frame elf

Quelle: Eurosport

"Ich werde mir zwei Jahre Zeit lassen. Keine Exhibitionturniere, keine Ablenkungen abseits vom Tisch mehr", unterstrich er. "Es kann einen Monat, sechs Monate oder ein Jahr dauern. Das bin ich dem Snooker und mir aber schuldig. Ich muss einfach alles in dieses Turnier stecken."
Es fühlt sich schier wie die Morgendämmerung an - der Neuanfang beginnt jetzt.
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Hohes Break zum Anschluss: Selby kämpft sich zurück

Quelle: Eurosport


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