Ein neuer Rekord: Ronnie O’Sullivan im Selby-Stil

Eine weitere Landmarke erreicht, ein weiterer Rekord aufgestellt: Mit seinen sieben Masters-Titeln, einem mehr als Stephen Hendry, ist Ronnie O’Sullivan nun alleiniger Rekord-Champion. Das passt! Denn auch in allen anderen Kategorien ist der Ausnahmekönner Rekordhalter beim Masters. Dieses Format liegt ihm einfach: Nicht zu viele Matches, und die Besten sind unter sich.

England's Ronnie O'Sullivan kisses the Paul Hunter Trophy after beating England's Joe Perry in the final to win the Masters snooker tournament at Alexandra Palace in London, on January 22, 2017.

Fotocredit: AFP

Was ich in diesem Jahr interessant fand: Ronnie O'Sullivan hat den Titel im Ally Pally beinahe in Selby-Manier gewonnen: langsam gestartet, aber immer da, wenn er gefordert wurde.
In der ersten Runde hatte er noch Riesenglück: Hätte Liang Wenbo die letzte Schwarze im zehnten Frame gelocht, dann wäre das Masters für den späteren Sieger erledigt gewesen. Aber gerade im Decider schwang er sich zu seiner besten Leistung in dem Match auf, als er den Sieg mit einem Century perfekt machte. In der zweiten Runde war das dann gar nicht notwendig. Neil Robertson forderte ihn nicht wirklich. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass der Australier nicht gegen seinen Gegner verloren hat, sondern gegen dessen Namen und dessen Aura.
Im Halbfinale wurde Ronnie O’Sullivan dann aber gefordert. Marco Fu knüpfte nahtlos an die Glanzleistungen an, die er auch in den Wochen zuvor gezeigt hatte. Und nachdem seine Pomeranze gewechselt war hielt Ronnie O’Sullivan in ebenfalls brillanter Manier dagegen. Was die sich lieferten war atemberaubend. Da zeigte O'Sullivan seine beste Leistung der gesamten Woche. Da war er wieder der Überspieler, bei dem man sich ratlos fragt, wie um Himmels willen man so spielen kann.
Das Finale war dann eine Mischung von beidem. Als er sieben Frames in Folge zum 8:4 gewann, da spielte O’Sullivan zwar gut, aber eben nicht überragend; da profitierte er auch davon, dass Joe Perry sich eine Auszeit zur Unzeit genommen hatte. Als Perry dann aber wieder herangestürmt kam, da erlebten wir wieder den brillanten Ronnie. Da hatte er wieder in einer Situation, die ihm hätte gefährlich werden können, sein allerbestes Snooker ausgepackt.
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O'Sullivan mit ganz feinem Händchen

Quelle: Eurosport

Diskutiert wurde auch, ob Ronnie O’Sullivan seine spielerisch beste Zeit hinter sich hat. Das will ich nicht beurteilen; für mich sind das Spekulationen. Bei einem bin ich mir aber sicher: Ronnie O’Sullivan wird uns noch oft überraschen, positiv wie wahrscheinlich auch negativ. Aber gerechnet werden muss mit ihm!
Joe Perry hat zum Glück auch im Finale noch seine Klasse zeigen können. Und er hat Respekt verdient: für sein Spiel, seinen Mut, seine Einstellung und seine mentale Stärke. Barry Hawkins ist im Finale des letzten Jahres auseinandergefallen, als er auf die Verliererstraße geriet. Joe Perry ist das nicht passiert. Klar hat er sich eine lange Schwächephase genommen. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass er an so einem besonderen Match beteiligt war, seinem ersten Finale bei einem Triple Crown Event. Ich kann für ihn nur hoffen, dass er seinen Frust und seine Motivationsprobleme nun überwunden hat.
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Snooker-WM: Zuschauer mit Applaus am Paul-Hunter-Day

Quelle: Eurosport

Passend und bewegend fand ich auch, wie um das Finale herum an Paul Hunter erinnert wurde. Dabei standen zu Recht eben nicht nur seine drei Masters-Titel im Mittelpunkt, sondern ebenso der wunderbare Mensch, der uns alle bereichert hat. Die Masters-Trophäe nach ihm zu benennen war eine längst überfällige Ehrung. Danke an alle, die endlich die einzig richtige Entscheidung gefällt haben.
Der Snooker-Tross zieht jetzt weiter. Nach der Qualifikation zum China Open steht dann in der nächsten Woche Berlin im Blickpunkt. Ich freue mich schon darauf, beim German Masters im Tempodrom viele Fans zu treffen und für Sie berichten zu dürfen. Das „Woodstock des Snooker“ findet vom 1. bis zum 5. Februar statt, und wir übertragen komplett von Mittwoch bis Sonntag im Eurosportplayer und im TV.
Herzliche Grüße
Ihr Euer Rolf Kalb
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