Offensichtlich waren sich die Fans der Besonderheit dieses Treffens bewusst. Das Publikum in London wurde in all den Jahren ja oft kritisiert. Es sei rau (das waren sie am Donnerstag vielleicht auch), es sei immer sehr parteiisch auf Seiten des Lieblings und dabei auch durchaus mal unfair zum Gegner. Unvergessen, wie Ding Junhui im Masters-Finale 2007 in Tränen aufgelöst war und Gegner Ronnie O'Sullivan ihn vor dem Publikum in Schutz nahm.
Das war gestern nicht der Fall. Klar: Die Fans waren laut, sehr laut sogar. Aber sie haben keinen der beiden Spieler niedergemacht. Im Gegenteil: Sie haben beide Akteure unterstützt. Mark Williams war nach dem Match immer noch fasziniert: "Wenn ich am Tisch war, dann war das Publikum zu 100 Prozent auf meiner Seite, und wenn John am Tisch war, dann haben sie ihn zu 100 Prozent unterstützt."
Das ist vor allem im Fall von John Higgins bemerkenswert. Der hat beim Masters ja immer mit den Fans etwas gefremdelt. So richtig ins Herz geschlossen hatten sie ihn nie. Das mag auch dazu beigetragen haben, dass seine Masters-Bilanz nicht ganz so herausragend ist wie bei anderen Turnieren. Aber gestern wirkte es so, als seien beide Spieler schon immer die Lieblingsspieler der Londoner gewesen.
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13/01/2022 AM 23:40
Schon zum Auftakt waren beide Spieler sichtlich beeindruckt. Das kann natürlich zu einem Problem werden: Man will die Vorschusslorbeeren rechtfertigen und will dann zuviel. Und wenn der Faden erst einmal gerissen ist, dann ist es schwer, die Enden wieder zusammenzufügen. Aber das ist zum Glück nicht passiert. Ganz im Gegenteil.

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Tosende Unterstützung beflügelt beide Spieler

Beide Spieler wurden durch die Unterstützung beflügelt. Beide steigerten sich, so dass sich ein Match entwickelte, das wirklich alles hatte: Hohe Breaks, spektakulär gelochte Bälle, fesselnde Safe-Duelle, natürlich auch Fehler, vor allem aber viel Rasse und Klasse sowie eine gehörige Portion Drama. Es gab eigentlich nur einen Wermutstropfen: Dass es am Ende einen Verlierer geben musste.
Das war dann John Higgins. Der hatte zweimal richtig großes Pech, und beide Male hat es ihn den Frame gekostet. Vielleicht hat das den Unterschied ausgemacht. Aber selbst er hat nach dem Match nicht damit gehadert, sondern hat es eher philosophisch genommen. Was nichts daran ändern wird, dass es natürlich schmerzt.
Die beiden Spieler werden diesen Abend sicherlich nie vergessen. Und viele Fans auch nicht. Danke an alle, die zu diesem magischen Abend beigetragen haben!
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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