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WM-Countdown Teil 2: Bingham und Hawkins stechen heraus

WM-Countdown Teil 2: Bingham und Hawkins stechen heraus

18/04/2019 um 11:07Aktualisiert 18/04/2019 um 16:07

Die Weltmeisterschaft im Crucible Theatre steht vor der Tür, die Qualifikation läuft derzeit noch. Hier Teil zwei meiner Vorschau auf das Hochfest des Snooker. Die Chancen der Top acht aus der Setzliste hatte ich ja schon in meinem letzten Blog beleuchtet. Drei Top-Favoriten kristallisieren sich da heraus: Ronnie O'Sullivan, Neil Robertson und Judd Trump. Aber was ist mit dem Rest der Gesetzten?

Auf den Plätzen neun bis 16 der Setz- und damit auch der Weltrangliste lauern ja auch einige Spieler, die sich sicherlich Chancen ausrechnen. Ich glaube zwar eher, dass in diesem Jahr einer der Top-Spieler den WM-Titel holen wird, aber zwei Namen stechen in dieser zweiten Gruppe hervor: Stuart Bingham und Barry Hawkins.

Bingham findet sich derzeit auf Platz zwölf der Weltrangliste. Das liegt aber natürlich auch daran, dass er für eine Reihe von Turnieren in der Saison 2017/18 gesperrt war. In der Rangliste wird es für ihn wieder schnell nach oben gehen. In dieser Saison ist er ja auch schon in den Kreis der Turniersieger zurückgekehrt und auch ansonsten hat er eine gute Saison gespielt. Und nicht zuletzt: Als Ex-Weltmeister hat er sich und allen anderen gezeigt, dass er das Zeug zum Titel hat.

Hawkins mit guten Leistungen in Sheffield

Barry Hawkins hat zwar keine überragende Saison gespielt bisher, aber bei der WM fühlt er sich ja immer pudelwohl. Die langen Distanzen liegen ihm. Zuletzt ist er im Crucible Theatre 2012 im Achtelfinale gescheitert. Seitdem stand er einmal im Finale, vier weitere Male im Halbfinale und 2016 zudem im Viertelfinale.

Auf ihn ist in Sheffield eigentlich immer Verlass. Kein anderer Spieler hat eine so konstante Serie in der jüngeren Geschichte geschafft. Da drängt sich der Eindruck auf, dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, bis ihm der ganz große Wurf gelingt.

Video - Perfektes Double: Hawkins versenkt lange Rote

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Die anderen sechs Spieler in dieser Gruppe habe ich eigentlich nicht auf der Rechnung. Ding Junhui scheint in den letzten Jahren zwar sein Crucible-Trauma überwunden zu haben, aber seine Saison war einfach nicht gut genug.

Wo soll da das Selbstvertrauen herkommen, das man braucht, um Weltmeister zu werden. Außerdem haben sich durch die Geburt seiner Tochter ganz andere Perspektiven in seinem Leben ergeben. In den letzten gut acht Wochen hat er zudem nur zwei Matches gespielt. Das ist zu wenig, um voll im Saft zu stehen.

Murphy stark verunsichert

Fehlendes Selbstvertrauen ist auch das Stichwort für Shaun Murphy. Abgesehen von den Scottish Open war seine Saison eine einzige Enttäuschung. Das einzige, auf das man sich bei ihm verlassen kann, ist seine totale Verunsicherung. Verunsichert war er zwar auch vor seinem WM-Triumph 2005, aber so einfach drauflos spielen als gäbe es kein Morgen, wie er das damals gemacht hat, das wird nicht mehr funktionieren.

Shaun Murphy

Shaun MurphyGetty Images

Jack Lisowski spielt zwar die Saison seines Lebens und hat auch kürzlich bei den China Open ein tolles Turnier hingelegt, aber die herbe Final-Niederlage in Peking hat auch seine noch vorhandenen Defizite offengelegt. Gerade bei den langen Distanzen wird es deshalb für ihn schwierig.

Luca Brecel hat im Crucible bisher noch kein einziges Match gewonnen. Mit dem Erreichen des Halbfinales in Peking hat er sich gerade noch in die Top 16 gerettet, doch ansonsten fehlte ihm in dieser Saison einmal mehr die Konstanz. Stephen Maguire und David Gilbert sind für mich derzeit keine Siegertypen.

Aber wohlgemerkt: Das sind die Verhältnisse, wie sie sich für mich vor der Weltmeisterschaft zeigen. Aber bisher hat noch jede WM ihre eigene Dynamik entwickelt und damit auch ihre eigenen Geschichten geschrieben. Das kann dann auch einen Spieler ganz nach vorne spülen, den im Vorfeld noch niemand auf dem Zettel hat. Das macht es ja so spannend. Freuen wir uns also auf 17 tolle Snooker-Tage.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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