Als 17-Jähriger gewann er 1993 die UK Championship; bis heute ist er damit der jüngste Turniersieger aller Zeiten. 28 Jahre später gewinnt er weiter Titel (und da wird längst noch nicht Schluss sein) und zählt praktisch bei jedem Turnier zum Kreis der Favoriten. Eine solche Langlebigkeit ist wenigen Sportlerinnen und Sportlern vergönnt, nicht nur im Snooker. Das macht ihn zu einem der Großen in der Welt des Sports.
Ärgster Verfolger von Ronnie O’Sullivan in der Liste der Titelträger ist Stephen Hendry mit 36 Siegen. Bei dem glaube ich aber nicht, dass da noch weitere dazu kommen. Steve Davis (28) hat seine Karriere beendet. John Higgins (31) und Mark Williams (24) sind im gleichen Alter wie O’Sullivan. Die können ihn wohl auch nicht mehr einholen.
Bleiben noch jüngere Spieler wie Judd Trump (22 Titel), Neil Robertson (21) und Mark Selby (20). Die haben alle schon einmal bewiesen, dass sie in einer Saison auch ein paar Titel gewinnen können. Und bei der Vielzahl an Turnieren derzeit haben sie natürlich auch reichlich Chancen dazu.
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Aber um einen O’Sullivan noch abzufangen, müssten sie das über eine Reihe von Jahren kontinuierlich schaffen. Wir sehen ja gerade bei Trump und haben es auch bei Selby erlebt, wie schwer es ist, eine solche Dominanz über viele Jahre hinweg durchzuhalten.

Rekorde von O'Sullivan nicht in Gefahr

Von den noch jüngeren Spielern sehe ich derzeit keinen, der Ronnies Rekorde ernsthaft angreifen könnte. Irgendwann wird es vielleicht wieder ein Jahrhundert-Talent geben, der oder die sich auf die Jagd machen kann. Aber derzeit kann ich dieses Super-Talent noch nicht am Horizont erkennen.
Der Sieg gestern war wieder typisch für Ronnie O’Sullivan: Auch wenn er phasenweise Probleme hatte, so schafft er es immer wieder, zwischendurch einen Spurt hinzulegen. Gestern war das, als er aus dem 5:7 das 9:7 machte. O’Sullivan ist kein Spieler mit einer Standard-Technik, die er bei jedem Stoß exakt reproduziert (wie es die Lehrbücher eigentlich empfehlen und wonach Spieler in der Regel streben).
O’Sullivan lebt von seinem Spielgefühl. Da probiert er auch während eines Matches mal Kleinigkeiten aus: Griff, Stoßqualität, Bockhand oder anderes. Und irgendwann findet er etwas, was sich für ihn richtig gut anfühlt. Dann kommt die Phase, in der eigentlich niemand etwas gegen ihn ausrichten kann.
Ich weiß, dass Ronnie O’Sullivan manchmal die Fans auch spaltet. Aber eines kann ihm niemand absprechen: Er ist weit mehr als ein sehr, sehr, sehr guter Spieler. Dieses gewisse Extra kann man nicht erlernen. Snooker kann froh sein, einen Ronnie O’Sullivan zu haben.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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