Was hat Roger Federer wirklich vor?
Man kann schon etwas ins Grübeln kommen, lässt man das vergangene Jahr des 20-fachen Grand-Slam-Turniersiegers revue passieren. Angeschlagen kam er bei den Australian Open bis ins Halbfinale, ehe er die Saison zugunsten zwei operativer Eingriffe im Knie abbrach.
Die Arbeit an der Wiederherstellung der Fitness? Lief zäh. Das angepeilte Comeback bei den Australian Open 2021? Fiel ins Wasser. Die Absage vor wenigen Tagen für das Masters von Miami Ende März? Wirft Fragen auf. Federer präsentiert sich kurz vor seiner Rückkehr in den Profizirkus in Form einer Wundertüte.
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Alles scheint möglich. Sicher ist nur, dass die Nummer fünf der Welt nicht kopflos handeln wird.

Schüttler über Federer: "Akribisch und genau"

"Roger organisiert seinen Turnierplan und seine Rückkehr auf die Tour sehr akribisch und genau", erläutert Rainer Schüttler im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de. Die Befürchtung, Federer lasse sich mit der Absage in Miami die nötige Spielpraxis auf höchstem Niveau entgehen, teilt der 43-Jährige nicht.

Das entscheidende Spiel: Federer bäumt sich nochmal auf, doch Djokovic bleibt cool

"Schon nach seiner letzten Verletzungspause hat Roger gezeigt, dass mit ihm auch noch einer längeren Pause zu rechnen ist. Er hat so viel Erfahrung und kennt seinen Körper extrem gut", so Schüttler, der während seiner Karriere viermal auf den Schweizer getroffen war und ihn dabei 2002 in Dubai auch einmal schlagen konnte.
Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass es für Federer schwerer denn je wird, seine ambitionierten Ziele zu erreichen. "Halle, Wimbledon, Olympia und die US Open" nannte der Superstar gegenüber dem "SFR" die vier Turniere, auf die es ihm ankommt in diesem Jahr.
Es versteht sich von selbst, dass es Federer nicht um die reine Teilnahme geht - es sollen schon auch Erfolge her. Die wiederum sind nicht ohne eine gesunde Portion Matchpraxis zu bekommen.

Drei Events? Team Federer streicht Miami

Es ehrt Federer, dass er sich dieser Tortur auch mit bald 40 Jahren noch stellt, zumal es zwischenzeitlich gar nicht gut aussah. "Wir waren ganz unten", gab Konditionstrainer Pierre Paganini gegenüber dem "Tagesanzeiger" Einblicke in die Zeit nach den beiden Knieoperationen. "Die Muskulatur konnte nicht mehr gleich arbeiten und brauchte eine längere Erholungszeit", so der Schweizer. Deshalb hat Federer sein zunächst für Melbourne anvisiertes Comeback verschoben und auch Miami Ende März abgesagt.
"Nach Doha und Dubai wird er einen Trainingsblock einlegen, um sich langsam wieder auf die Tour zurückzuarbeiten", teilte Manager Tony Godsick der "Associated Press" mit. Das Risiko, im März gleich bei drei Wettbewerben anzutreten, war dem Federer-Lager letztlich zu hoch.
Doch auch wenn der ehemalige Konkurrent Schüttler überzeugt ist, dass Federer "nur auf die Tour zurückkehrt", wenn die "Verletzung auskuriert ist" - es ist nicht auszuschließen, dass der achtmalige Wimbledon-Champion hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die alten Rivalen Novak Djokovic und Rafael Nadal spielen schließlich weiter auf allerhöchstem Niveau, die nächste Generation um Dominic Thiem, Daniil Medvedev, Alexander Zverev oder Stefanos Tsitsipas wird immer besser.
Wo ist da Federers Platz, setzt er gar seinen legendären Ruf als Legende aufs Spiel?
Letzteres könne nicht passieren, betont Schüttler. "Was Roger in seiner Karriere erreicht und geleistet hat wird immer herausragend bleiben. Er hat so viele Rekorde gebrochen und Turniere gewonnen, daran würden auch ein paar Niederlagen nichts ändern."

Federers großer Traum: Gold in Tokio

Federer denkt ohnehin nur in Siegen, vor allem im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio.
Dort würde der Maestro am liebsten die letzte, verbliebene Lücke seiner epochalen Titelsammlung schließen: Einzel-Gold bei den Spielen, im Doppel gelang ihm das bereits 2008 in Peking zusammen mit Stan Wawrinka.
Es ist wohl das Großevent mit den realistischsten Chancen für den Routinier, da es im Unterschied zu Grand-Slam-Wettbewerben im kürzeren Best-of-three-Modus zur Sache geht.

Roger Federer (li.) gewinnt 2008 zusammen mit Stan Wawrinka (re.) Doppel-Gold in Peking

Fotocredit: Getty Images

"Er kann immer noch zwei von drei Sätzen gegen die Besten der Welt gewinnen", glaubt auch der ehemalige Weltranglistenerste Mats Wilander fest daran, dass Tokio zum letzten großen Erfolg für Federer werden könnte. "Ich warte und brenne innerlich darauf, endlich wieder auf die Tour zurückzukehren", bekannte der Basler schon im vergangenen Jahr.
In der kommenden Woche wird es nun endlich so weit sein, der Maestro kehrt in Doha zurück - und es wird verdammt interessant, in welcher Verfassung er das tun wird.
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