ATP Finals: Alexander Zverev stark wie noch nie: So greift er die Tennis-Superstars Jannik Sinner und Carlos Alcaraz an

Alexander Zverevs Bilanz bei den ATP Finals in Turin ist auch nach dem Duell mit Casper Ruud makellos: Zwei Spiele, zwei Siege, 4:0 Sätze. Doch was macht ihn beim letzten Einzel-Jahreshöhepunkt so gut? Vor Ort in der Inalpi Arena wird deutlich, wie und mit welchem Einsatz Zverev an wichtigen Stellschrauben dreht - und das nicht nur mit Blick auf den möglichen dritten Titel beim Saisonfinale.

Highlights: Zverev powers past Ruud to make it two wins from two at ATP Finals

Quelle: Eurosport

Beobachter, die Alexander Zverev in Turin nach seinen gewonnenen Matches zu später Stunde auf den Centre Court zurückkehren sehen, werden sich ihren Teil denken: Hat dieser hochgewachsene Tennisprofi aus Deutschland denn nie genug? Ist die Nummer zwei der Weltrangliste denn nie zufrieden?
Natürlich trainierte der 27-Jährige nach seinem umkämpften Zweisatzsieg gegen Casper Ruud wieder - dieses Mal "nur" für 30 Minuten. An einer Sache hatte Zverev trotz seiner nervenstarken Leistung tatsächlich etwas auszusetzen. "Heute ging es mir nur um den Return", sagte Zverev nach getaner Arbeit in der Pressekonferenz um kurz vor Mitternacht.
Gefühlt, so Zverev, habe Ruud extrem gut serviert, besser habe er ihn noch nie gegen ihn gesehen. Zverevs Gefühl deckte sich mit der Statistik: 80 Prozent erster Aufschläge hämmerte der Norweger in die Turiner T-Felder. Zverev urteilte: "Trotzdem dachte ich, ich hätte besser returnieren können."
Deshalb stand Hittingpartner Michail Ledowskich vor der Medienarbeit fast drei Meter im Feld, um krachende Top-acht-Aufschläge zu simulieren: Zverev retournierte stoisch. Dann überließ er seinem am Knie verletzten Bruder Mischa und den heranstürmenden Hunden der Familie das Scheinwerferlicht des Centre Courts.

Zverevs Mix: Physis, Nervenstärke und Gier

Während links und rechts bereits die Reinigungsfirma ihre Aufräumarbeiten nach der Nightsession orchestrierte, stellte sich die Frage: Was macht Alexander Zverev zum Jahresabschluss so stark? Drei Komponenten drängen sich in Turin auf: Die physische Stärke, die mentale Komponente und die Gier, Carlos Alcaraz und Jannik Sinner zu übertrumpfen. Was nur passiert, wenn Zverev den ersehnten Grand-Slam-Titel gewinnt.
Denn zufrieden kann Zverev in diesen Wochen sein. Schließlich hat er das Mastersturnier in Paris gewonnen und trumpft in Turin groß auf. Turnierübergreifend hat er seit drei Matches keinen Breakball abwehren müssen.
Doch Zverev blickt bereits voraus. "Dass ich trainiert habe, hat nicht mit heute, nicht mit morgen zu tun, auch nicht mit dem nächsten Match. Ich möchte ein paar Dinge bereits für die nächste Saison verbessern, mein Spiel weiterentwickeln. Damit ich mit Jannik und Carlos mithalten kann. So einfach ist das. Sie sind gerade der Maßstab. Sie sind diejenigen, die Grand Slams gewinnen. Ich möchte ein Teil dieser Gruppe sein."
picture

Tiebreak-Thriller! Sinner bezwingt Zverev im Halbfinale

Quelle: SNTV

Zverev stärker dank Jez Green?

Bereits nach dem verlorenen French-Open-Finale, bei dem er ein 2:1-Satzführung verspielte, hinterfragte er öffentlich die eigene physische Arbeit. Was verwunderte, schließlich galt er im Juni bereits seit Jahren als einer der fittesten Spieler der Tour. Vor den US Open gab Zverev öffentlich bekannt, dass sein bisheriger Fitness-Coach Dalibor Sirola seine Tätigkeit pausieren muss - aus gesundheitlichen Gründen. Jez Green, der einst Andy Murray physisch auf große Titel vorbereitete und bereits sieben Jahre mit Zverev zusammenarbeitete, kehrte zurück.
In den vergangenen Monaten war trotz Lungenentzündung, Pausen und Nachwirkungen bereits eine Veränderung zu sehen. Zverev hat, das bestätigte Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann vor Wochenfrist, körperlich an Muskelmasse zugelegt. Darauf von Eurosport.de angesprochen, erklärte Zverev: "Der Einfluss von Jez ist schon da, klar. Aber ich glaube, dass er nach der Offseason richtig zu sehen sein wird. Ich bin schwerer geworden generell in den vergangenen paar Jahren. Mit dem Alter wird man etwas schwerer. Ich hab kein Fett zugenommen. Ich bin einfach von der Masse her größer."
Das bedeute, so Zverev, aber nicht, dass er mehr Zeit im Kraftraum verbringe. Das sei Teil der natürlichen Gegebenheiten. Ab dem Alter von 25, 26 lege man da zu. Zverev hat also seine natürlichen Gegebenheiten ausgenutzt und hofft, diese durch Green weiter zu verstärken.
picture

Alexander Zverev bei den ATP Finals 2024 in Turin

Fotocredit: Getty Images

Zverevs makelloser Tiebreak

Hinzu kommt die mentale Komponente, mit der Zverev in den vergangenen Wochen bei zunehmender Verbesserung der Lungenproblematik gegen so ziemlich jeden Gegner glänzte. Am Donnerstag befreite er sich das ein ums andere Mal aus 15:30-Situationen beim eigenen Aufschlag, spielte zudem einen erstklassigen Tiebreak mit makellosen Aufschlägen und dem richtigen Timing für Netzangriffe.
Gegner Ruud bestätigte auf Frage von Eurosport.de die Entwicklung Zverevs und erinnerte an die schwere Sprunggelenksverletzung 2022. "Er hat sich damals fast alle Bänder in seinem Fuß gerissen, als er so schwer umknickte. Am Anfang, wenn man zurückkommt, denkt man wahrscheinlich immer noch an die Unsicherheit, wenn man sich bewegt, um die richtigen Schritte zu machen. Man will nicht, dass es wieder passiert."
Man sehe nun zwei Jahre später, dass Zverev sich frei bewegen könne, auf Sand und Hartplatz rutschen könne. "Ich glaube, er bewegt sich besser und mit mehr Selbstvertrauen." Zusätzlich zu der ohnehin überragenden Aufschlagleistung (Ruud: "Er schlägt konstant mit 225 km/h auf") sei es in diesen Tagen wirklich schwierig, gegen ihn zu spielen, da er gut mit der Vorhand spiele: "Dann weiß man nicht mehr so richtig, was man machen soll."
An der Vorhand feilte Zverev übrigens bereits am Montag - um kurz vor Mitternacht nach dem Sieg über Andrey Rublev.
Zum echten Härtetest für den Olympiasieger von Tokio wird nun das abschließende Gruppenfinale gegen Carlos Alcaraz (Freitag ab 14:00 Uhr im Liveticker) - der Spanier braucht einen Sieg, um im Rennen um den Titel zu bleiben.

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung