ATP-Masters in Miami: "Alcaraz wirkt mental nicht mehr so frisch" - Experte Alex Corretja im Exklusiv-Interview
VonJan Zesewitz
Publiziert 20/03/2025 um 19:53 GMT+1 Uhr
Carlos Alcaraz ist nach zwei Titeln in Serie in Indian Wells im Halbfinale am späteren Turniersieger Jack Draper gescheitert. Eurosport-Experte Alex Corretja bewertet im Gespräch die wellenförmige Entwicklung des 21-Jährigen in diesem Jahr. Vor dem nächsten Masters-Turnier in Miami ginge es für den Spanier vor allem um Konstanz in seinem Spiel und einen weiteren Reifeprozess.
Highlights: Draper stuns Alcaraz to reach Indian Wells final
Quelle: SNTV
"Alcaraz und sein Team versuchen, eine Balance zu finden, damit er bei den großen Turnieren bei 100 Prozent ist", sagte Corretja im exklusiven Eurosport-Interview. "Aber mental wirkt er manchmal übersättigt, nicht mehr so frisch. Er muss Gelegenheiten finden, in denen er entspannter ist und Zeiträume, in denen er Dinge verbessern kann."
Im Falle von Alcaraz sind die Leistungsschwankungen auf einem absoluten Top-Niveau. In diesem Jahr gewann er in Rotterdam sein erstes Turnier in der Halle, in Indian Wells kam er in den vergangenen vier Jahren iwieder ins Halbfinale, scheiterte aber an Jack Draper (1:6, 6:0, 4:6).
"Carlos ist noch auf der Suche, sich selbst zu finden. Er testet immer noch ein wenig, was eben der Lauf des Lebens ist. Er ist ein weltweiter Medienstar geworden, und das spielt eine große Rolle. All das fordert einen physischen, aber auch einen enormen emotionalen Tribut", sagte Corretja.
Alcaraz gilt - insbesondere im Vergleich zu seinem analytischen Konkurrenten Jannik Sinner - als impulsiver Spieler, der Spektakel und Emotion in seine Partien einfließen lässt. Laut Corretja ist der springende Punkt in der Entwicklung des Weltranglisten-Dritten, dass er emotionale Wendepunkte und Schwankungen zu akzeptieren lernt.
Corretja: "Schwankungen sind in diesem Alter normal"
Gleichzeitig sei diese Spielweise der Kern des Erfolgsrezeptes für Alcaraz: "Ich denke, er darf seine DNA nicht verlieren", sagte Corretja. "Er darf seine Persönlichkeit nicht verlieren, aber er muss verstehen, dass er nicht in der Lage sein wird, ständig zu lachen."
Für einen 21-Jährigen sei es aber normal, dass es Schwankungen in den Leistungen gebe. Zumal der Spanier schon die Nummer eins der Welt war und bereits vierfacher Grand-Slam-Champion ist.
"Alcaraz ist keine Maschine", fasste Corretja den aktuellen Entwicklungsstand des Schützlings von Juan Carlos Ferrero zusammen. "Er ist jemand, der sich inspirieren lässt, der das Spiel fühlt und von diesem Stand aus ins Laufen kommt."
Beim anstehenden Masters-Turnier in Miami trifft die Nummer drei der Welt nach einem Freilos in der ersten Runde in der zweiten Runde auf den Belgier David Goffin.
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