Alexander Zverev überzieht ATP nach Finale in Madrid mit Vorwürfen - warum der Olympiasieger recht hat

Alexander Zverev war nach dem Finale des ATP Masters in Madrid stinksauer. Nicht auf sich, nicht auf Carlos Alcaraz, nicht auf die Fans. Es war die Spielervereinigung ATP, die den Zorn des Olympiasiegers auf sich zog. Zverev bezeichnete es als "absolute Schande", wie die Organisation der Matches im Hinblick auf die Spielzeiten abgelaufen sei. Ein hartes Urteil - aber eines, das gut begründet ist.

Alexander Zverev beim ATP Masters in Madrid

Fotocredit: Imago

Im Februar stellte Alexander Zverev einen bizarren Rekord auf. Um 4:55 Uhr Ortszeit verwandelte der Olympiasieger im mexikanischen Acapulco seinen Matchball gegen Jenson Brooksby. Später - man könnte auch sagen früher - hat seit Beginn der Aufzeichnungen kein Tennisprofi ein Spiel beendet.
"Um 5:00 Uhr morgens ist das Stadion hier noch ziemlich voll", staunte der Hamburger hernach und lobte die spezielle Energie von Acapulco. Nur wenige Stunden später trat Zverev im Doppel an und sorgte nach der Niederlage mit Schlägen gegen den Schiedsrichterstuhl für einen Eklat.
Das ist aber nicht der Grund, weshalb der 25-Jährige die Schnauze von Nachtschichten gestrichen voll hat. Zverev ärgert sich viel mehr über die Tatsache, dass die nächtlichen Einsätze inzwischen ein regelmäßiges Phänomen geworden sind. Für den Biorhythmus, für ausreichende Erholungsphasen und die Chancengleichheit ist das Gift.
So sieht das auch Markus Zoecke im Interview mit Eurosport.de. Der einstige Top-50-Profi spricht mit Blick auf die extrem späten Matchzeiten von einer "Zumutung". Man fühle sich "wie durch den Wolf gedreht", wenn man nach nächtlichen Partien nur einen halben Tag danach wieder auf dem Court stehen müsse.

Zoecke versteht Zverev: "Du bist voller Adrenalin"

"Während eines Spiels bist du voller Adrenalin, da schläfst du nicht direkt ein, wenn du dich hinlegst. Dazu stehen nach einem Match erst noch Pressetermine, Massagen und der Weg zurück ins Hotel an", führt der 53-Jährige aus.
Zoecke, der 1994 das ATP-Turnier im südafrikanischen Sun City gewann und auch für die deutsche Davis-Cup-Mannschaft aufschlug, hat allerdings gute Erinnerungen an Matches, die bis in den späten Abend gingen. "Ich habe immer gerne in der Night Session gespielt, selbst wenn es lange dauerte. Nur waren das andere Zeiten, das kam bei mir vielleicht dreimal in zehn Jahren vor."
picture

Zverev schießt gegen die ATP: "Ich habe es satt"

Quelle: Perform

Zverev machte indes keinen Hehl daraus, was er von den langen Abenden in der Caja Mágica von Madrid hält. "Die Arbeit der ATP war diese Woche eine absolute Schande", schäumte der Weltranglistendritte nach der deutlichen 3:6, 1:6-Niederlage im Finale gegen Carlos Alcaraz.

Zverev: "... dann bist du am nächsten Tag tot"

Zverev die harschen Worte als Ausrede anzukreiden, wäre falsch. Denn Fakt ist: In der Runde der letzten Acht gegen Félix Auger-Aliassime stand er bis etwa 00:30 Uhr auf dem Platz, im Halbfinale gegen Stefanos Tsitsipas machte er den Sieg um 1:10 Uhr in der Nacht klar.
"Dass man im Viertelfinale die Partie mit Novak Djokovic erst um 20:00 Uhr ansetzt und danach Zverev gegen Auger-Aliassime, geht nicht. Das ist viel zu spät", bemängelt Zoecke. "Wenn du dann das nächste Match am späten Nachmittag hast, kommt dir das vor wie eine Partie am morgen - und wir wissen ja, dass Sascha kein Morgenmensch ist."
picture

ATP Madrid : Amazing Alcaraz topples Zverev for Madrid crown

Quelle: Eurosport

Zverev selbst gab zu, dass der Faktor Müdigkeit eine große Rolle spielt. "Vor zwei Tagen bin ich um vier, halb fünf ins Bett gekommen, am Tag darauf um 5:20 Uhr. Wenn du so lange wach bleibst, bist du am nächsten Tag tot."
Zum Vergleich: Alcaraz hatte beim Viertelfinal-Coup gegen Rafael Nadal um 18:45 Uhr und beim Halbfinal-Sieg gegen Novak Djokovic um 20:05 Uhr Feierabend. Doch auch der Champion von Madrid war mitunter spät auf den Beinen. Zum Auftakt gegen Nikoloz Basilashvili stand Alcaraz bis nach Mitternacht auf dem Platz.

Zoecke regt Änderungen an: "Man muss darüber diskutieren"

Derartige Zeiten, argumentierte Zverev, schaden auch den Turnieren und dem Sport selbst. "Ich bin traurig über das Finale, das wir gespielt haben. Es hätte ein sehr gutes Spiel werden können, ein großartiges Match", so der Hamburger. Aufgrund der wilden Anfangszeiten der vergangenen Tage sei es ihm aber nicht möglich gewesen, sein "Niveau zu spielen". Er habe "keine Koordination beim Aufschlag und den Grundschlägen" gehabt. "Ich hatte absolut keine Chance, ich selbst zu sein."
picture

Highlights zum Finaleinzug: Zverev räumt auch Tsitsipas aus dem Weg

Quelle: SNTV

Zoecke kann die Schilderungen der deutschen Nummer eins nachvollziehen. Es sei nötig, zu reagieren. "Man muss darüber diskutieren, wie man diesem Problem vorbeugt. Es ist aber nicht so, dass man einfach entscheiden kann, alles früher am Tag stattfinden zu lassen. Die Lage ist komplexer. Das Fernsehen mit seinen Verträgen und Übertragungszeiten gibt in dieser Hinsicht vieles vor", betont der ehemalige Weltranglisten-48.
Dennoch wird es in der Sache Bewegung geben, wenn Stars wie Zverev mit derart massiver Kritik an die Öffentlichkeit gehen. Eines scheint sicher: Aussitzen kann die ATP das Thema jetzt nicht mehr.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Mit 19 auf den Thron? Für Alcaraz gibt es keine Limits
picture

Alcaraz exklusiv nach Madrid-Coup: "Hoffe, alle haben Angst vor mir ..."

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung