Alexander Zverev gegen Jannik Sinner auf verlorenem Posten: Warum der Deutsche keine Mittel gegen den Dominator findet

Neunmal in Serie hat Alexander Zverev gegen Jannik Sinner verloren, in den vergangenen sechs Duellen gewann er nicht mal einen Satz. Sinner ist Zverevs Nemesis, der Deutsche findet keinerlei Mittel, um dem Weltranglistenersten aus Südtirol ernsthaft Paroli zu bieten. Zu Sinners spielerischer Überlegenheit gesellt sich ein wiederholendes Muster, das bei Zverev eine mentale Blockade erzeugt.

Zverev bekommt Lehrstunde im Finale gegen Sinner - Highlights

Quelle: SNTV

In einer Sache war Alexander Zverev Jannik Sinner am Sonntag in Madrid klar überlegen. Der Deutsche zeigte auf der Siegerehrung nach dem Finale beim Öffnen der Champagnerfalschen deutlich mehr handwerkliches Geschick als sein Gegner.
Während Sinner vergeblich versuchte, den Draht am Flaschenkopf aufzudrehen, hatte Zverev längst schon den Korken weggeschossen und den Italiener von oben bis unten eingebraust. Ein Moment zum Genießen für Zverev - ganz im Gegensatz zu dem, was sich zuvor auf dem Center Court der Caja Mágica abgespielt hatte.
Magisch war nur Sinner, nach 57 Minuten war eines der einseitigsten Masters-Endspiele der jüngeren Geschichte schon wieder vorbei. "Es macht heute keinen Sinn, über Strategie oder Matchplan zu sprechen. Ich habe einfach fürchterliches Tennis gespielt", sagte Zverev und ergänzte: "Ich hätte heute gegen jeden Spieler verloren."
Ehrliche Aussagen des Deutschen, der gegen Sinner beim 1:6, 2:6 erneut von Anfang an auf verlorenem Posten stand. Zverev kassierte sofort zwei Breaks, wirkte ratlos und suchte früh den Kontakt zu seiner Box.

Zverev: "Große Lücke zwischen Sinner und den anderen"

Dabei schien der Weltranglistendritte auf dem Weg zu seinem dritten Titel in Madrid im Flow. Er schlug den aufstrebenden Flavio Cobolli, gegen den er in München noch verloren hatte, in zwei Sätzen, spielte selbstbewusst und aggressiv.
Doch gegen Sinner ist Zverev ein anderer Spieler. Er steht einen bis eineinhalb Meter weiter hinter der Grundlinie, scheut das Risiko und reagiert statt zu agieren. Egal, welchen Plan er sich vorab zurechtgelegt hat - er kann es auf dem Platz nicht umsetzen.

Becker rät Zverev: "Bisschen mehr Kampfgeist und Aggressivität"

"Ich wünschte mir ein bisschen mehr Kampfgeist oder ein bisschen mehr Aggressivität", sagte indes Tennis-Legende Boris Becker in seinem Podcast mit Andrea Petkovic: "Von wegen: Okay, heute mache ich es dir besonders schwer."
Gewiss, Sinner spielt seit Monaten in seiner eigenen Liga und konstant auf extrem hohem Niveau. Er hat fünf Masters-Turniere in Folge gewonnen und ist in Abwesenheit des verletzten Carlos Alcaraz quasi konkurrenzlos.
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Zverev wird nach Finale deutlich: "Schreckliches Match gespielt"

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"Jannik ist im Moment der mit Abstand beste Spieler der Welt. Es ist ganz einfach: Es gibt eine große Lücke zwischen ihm und allen anderen. Ich bin ja nicht der einzige, der gegen ihn verliert. Ich verliere bloß häufiger gegen ihn, weil ich es jedes Mal bis zu ihm schaffe", sagte Zverev mit Galgenhumor.

Zverevs Matchup-Blockade gegen Sinner

Doch die Niederlagenserie gegen Sinner hat Spuren hinterlassen beim Deutschen. Zverevs Passivität ist ein Zeichen dafür, dass er nicht frei entscheidet und nicht sein eigenes Spiel spielt. Dies beeinflusst Entscheidungen, Risikobereitschaft und Körpersprache.
Zverev sagte nach Pleiten gegen Sinner Dinge wie "ich finde keine Lösungen" oder "ich muss perfekt spielen." Damit setzt er sich schon vor dem Match unter Druck, weil er glaubt, Außergewöhnliches leisten zu müssen, um überhaupt eine Chance zu haben.
Zverev hat kein generelles mentales Problem - aber gegen Sinner hat sich ein psychologisches Muster und eine Matchup-Blockade aufgebaut, das sein Spiel verengt, ihn passiver macht und in engen Momenten hemmt.

Selbst der Aufschlag ist gegen Sinner keine Waffe

Im Finale von Madrid half dem 29-Jährigen auch sein starker Aufschlag nicht ansatzweise. Zur Einordnung: Zverev verfehlte im gesamten Match lediglich acht erste Aufschläge - eine Quote von 77 Prozent. Trotzdem kassierte er vier Breaks.
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"Zufrieden mit meinem Spielniveau": Sinner nach Masters-Sieg

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Über den ersten Aufschlag kam Zverev auf eine maue Punktquote von 52 Prozent, über den zweiten lediglich auf 25 %. Der Olympiasieger servierte nur zwei Asse, bei Sinner waren es acht und satte 93 Prozent gewonnene Punkte beim ersten Service.
Nach dem Match räumte Zverev ein, erschöpft zu sein - und begründete dies neben den mentalen Anstrengungen eines zweiwöchigen Turniers mit der Ansetzung des Finals.
"Ich fühle mich ein bisschen wie im Jetlag. Ich habe hier nur Night Sessions gespielt und bin nie vor 4 Uhr morgens ins Bett gekommen. Ich hätte es fairer gefunden, wenn dann auch das Finale ein Abendmatch gewesen wäre. Es ist unmöglich, gutes Tennis zu zeigen, wenn man nur abends spielt und dann im Finale tagsüber."

Sinner auch in Rom und Paris unschlagbar?

Für Erholung fehlt Zverev jedoch die Zeit. In Rom steht nach Monte Carlo und Madrid das dritte Masters-Turnier auf Sand an, bevor ab 24. Mai (live bei Eurosport und HBO Max) in Roland-Garros um den Titel bei den French Open gekämpft wird.
Zum Leidwesen von Zverev, der Sinner augenzwinkernd eine "Pause bei den French Open" nahelegte, wird der Dominator überall mitspielen und die Tatsache, dass er beide Turniere noch nicht gewonnen hat, macht es für die Konkurrenz nicht einfacher.
Zverev gehört derzeit zum "best of the rest" hinter Sinner. Ein Schließen der Lücke scheint in naher Zukunft aussichtslos.
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Highlights: Zverev macht Traumfinale gegen Sinner perfekt

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