ATP Masters in Madrid: Jannik Sinner zündet den Sandplatz-Turbo - schon jetzt stärker als Rivale Carlos Alcaraz?
Jannik Sinner hat die vergangenen 17 Matches auf der ATP Tour gewonnen und seine bestechende Form problemlos von Hartplatz auf Sand mitgenommen. Auf jenen Belag also, der ihm am wenigsten behagt - bislang. Denn plötzlich kommen andere Töne vom 24-Jährigen und seiner Entourage, wenn es um das rote Geläuf geht. Das Masters in Madrid soll "nur" eine Durchgangsstation sein, Sinner hat Größeres vor.
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Quelle: Perform
Am weitesten lehnte sich Corrado Barazzutti aus dem Fenster. "Meiner Meinung nach ist Jannik Sinner im Moment sogar auf Sand stärker als Carlos Alcaraz", betonte der ehemalige Weltranglistensiebte vergangene Woche im Gespräch mit der "Gazzetta dello Sport".
Ob dem wirklich so ist, lässt sich nicht verifizieren, aber ohne Zweifel zündet der Südtiroler derzeit den Turbo auf dem roten Belag - auch im Vergleich mit Alcaraz. Der Triumph von Monte Carlo, seinem ersten Masters-Titel auf Sand, durch einen Zweisatzsieg im Endspiel gegen den Spanier war ein dickes Ausrufezeichen.
Mehr noch: Sinner hat seit diesem Erfolg wieder schwarz auf weiß, dass er der beste Spieler der Welt ist. Der 24-Jährige führt das ATP-Ranking wieder an. Er habe sich auf Sand verbessert im Vergleich zum Vorjahr und beim ersten Turnier der Saison auf diesem Belag "noch nie so wohlgefühlt" wie in Monte Carlo, versicherte der Italiener bei "Sky".
Alcaraz merkt das natürlich. "Inzwischen", betonte der zweimalige French-Open-Champion, sei Sinner "für jeden Gegner gefährlich", sich selbst eingeschlossen. Das war nicht von Anfang an der Fall. "Auf diesem Belag fühle ich mich nicht so wohl", hatte der Tennis-Star, der lieber auf härterem Untergrund spielt, noch vor zwei Jahren gesagt. Es sei "hart" für ihn, auf Sand Erfolg zu haben.
Sinners Zahlen auf Sand lassen Luft nach oben
Tatsächlich sprechen die Statistiken bis heute dafür, dass Sinner dort noch nicht heranreicht an sein Hartplatz-Niveau.
Dort ist - laut ATP - die Punktquote über den ersten Aufschlag höher (77 gegenüber 71 Prozent), er bringt mehr seiner Aufschlagspiele (88 gegenüber 82 Prozent) durch und vor allem gewinnt er mehr Matches (82 gegenüber 74,5 Prozent).
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Jannik Sinner mit Fitness-Coach Umberto Ferrara (l.) und Trainer Simona Vagnozzi (Mitte)
Fotocredit: Getty Images
Bei den Finals auf Tour-Level zeigt sich ein ähnliches Bild: Während Sinner 25 von 27 Endspiele auf Hartplatz für sich entschied (~78 %), waren es auf Sand nur zwei von vier. Zahlen, die eine klare Sprache sprechen - und doch immer irrelevanter werden.
Barazzutti: Kein Unterschied mehr zwischen Sinner und Alcaraz
Aus seiner Sicht gebe es auf dem roten Belag "schon lange keinen Unterschied mehr zwischen" Alcaraz und Sinner", so Barazzutti. "Vor einem Jahr hat Jannik nach seiner dreimonatigen Pause das Finale in Rom erreicht und das Endspiel von Roland-Garros nur knapp verloren, weil er drei Matchbälle nicht genutzt hat."
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Highlights zum Traumfinale: So knackte Sinner Champion Alcaraz
Quelle: Eurosport
Diese beiden Wettbewerbe sind es, bei denen Sinner in den kommenden Wochen eins draufsetzen möchte. Der Plan: Die Nummer eins will die Form auf Sand so aufbauen, dass er "bei den richtig großen Turnieren in Rom und Paris" auf Top-Level agieren kann.
Alcaraz verzichtet auf Madrid - Rom und French Open wackeln
Das derzeit laufende ATP Masters in Madrid soll dabei eine wichtige Etappe sein. Das Turnier sei aufgrund der Höhenlage und Winde "sehr schwer zu spielen. Ich denke aber, dass mir jede Art von Sandplatz helfen kann", unterstrich Sinner. Zumal er in Madrid "noch nie besonders gut gespielt" habe.
Nach einem Freilos in Runde eins wartet der Sieger des Lucky-Loser-Duells zwischen den beiden Franzosen Benjamin Bonzi und Titouan Droguet. Sinner ist klar favorisiert und will die Woche in der spanischen Hauptstadt mit einem Topresultat abschließen, um seine Mission auf Sand voranzutreiben.
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Jannik Sinner (r.) und Carlos Alcaraz (l.) in Monte Carlo
Fotocredit: Getty Images
Es könnte sein, dass er dabei gar nicht erst auf seinen großen Rivalen trifft. Alcaraz sagte Madrid aufgrund einer Blessur am rechten Handgelenk bereits ab, Rom dürfte folgen - und die French Open stehen ernsthaft auf der Kippe.
Sinner-Coach Vagnozzi: "Beeindruckt vom Niveau"
Sollte es so kommen, wird trotzdem niemand im Sinner-Lager den Fehler begehen, daraus eine Titel-Garantie abzuleiten. Alexander Zverev, Francisco Cerúndolo, Ben Shelton oder seine beiden Landsmänner Flavio Cobolli und Lorenzo Musetti haben ihre Qualitäten auf Sand bereits hinlänglich unter Beweis gestellt.
Es sind die eigenen Verbesserungen, nicht das mögliche Fehlen von Alcaraz, die Sinners Chancen auf die Vollendung des Karriere-Grand-Slams in Paris so signifikant anheben.
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Becker über Sinners Siegesserie: "Unglaublich"
Quelle: Eurosport
"Ich bin beeindruckt von dem Niveau, das Jannik in so kurzer Zeit auf Sand erreicht hat", schwärmte sein Coach Simone Vagnozzi vor kurzem auf einer Pressekonferenz in Monte Carlo.
Rückhand, Return, Stop: Wie Sinner sein Spiel verändert hat
Diese Fortschritte seien in vielen Aspekten sichtbar. Sein Schützling habe etwa die "Rückhand verändert" und damit schwerer lesbar gemacht. Selbiges gelte für "die Position beim Return. Früher hat er eine ganze Partie mit einem Schritt zurück oder mit den Füßen auf der Grundlinie gespielt. Jetzt variiert Jannik und gibt den Gegnern damit keine Anhaltspunkte", berichtete Vagnozzi und ging auf einen speziellen Schlag ein: den Stop. Sinner verstehe immer besser, wann er zu diesem Mittel greifen müsse.
Insgesamt könne man attestieren, dass der Branchenprimus "gegen jeden Gegner andere Dinge mache". Ein klassisches Sinner-Spiel auf Sand, auf das sich die Konkurrenz früher oder später einstellen würde, soll auf diese Weise gar nicht erst entstehen. Zwischendruch, gab Vagnozzi zu, "habe ich zum Team gesagt: Jannik spielt fast besser auf Sand als auf Hartplatz."
Sollte Corrado Barazzutti sich am Ende doch nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt haben?
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Quelle: Perform
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