Rom, immer wieder Rom.

Die Ewige Stadt am Tiber hat für das ewige Duell zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic enorme Bedeutung. Achtmal standen sich der Spanier und der Serbe beim Sandplatz-Klassiker gegenüber, häufiger als bei allen anderen Turnieren. Vieles deutet daraufhin, dass es in diesem Jahr im Endspiel erneut zum Showdown kommt - so wie bereits im vergangenen Jahr, als sich Nadal 6:0, 4:6, 6:1 durchsetzte.

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Was neu ist in diesem Jahr: Fallen die Namen und Nadal und Djokovic, geht es in erster Linie nicht um die sportliche Rivalität, sondern um die Machtverhältnisse im Tennis-Zirkus.

Seitdem Djokovic und der kanadische Profi Vasek Pospisil einen Tag vor Beginn der US Open die Gründung der Professional Tennis Players Association (PTPA) bekanntgaben, herrscht dicke Luft.

Inzwischen sind mehr als 150 Profis der Vereinigung beigetreten sein, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Interessen der Spieler gegenüber der ATP besser zu vertreten - und auch die Frauen sollen bald in das Projekt integriert werden.

Djokovic gibt zu: Noch kein Gespräch mit Nadal

Roger Federer und Nadal kritisierten indes den Zeitpunkt, das Vorgehen und die mangelnde Kommunikation. So hatte der Serbe die PTPA ohne vorherige Abstimmung mit dem Schweizer und dem Spanier auf den Weg gebracht.

"Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen, und ich werde es auch nicht tun, solange dieses Turnier stattfindet", gab Djokovic nun in Rom zu und bezog sich damit auf Nadal. "Vielleicht ist die ideale Gelegenheit nächste Woche in den Tagen vor Roland Garros."

Nadal blieb in Rom bei seiner ablehnenden Haltung. "Es gibt eine Reihe von Dingen, die ich nicht für richtig halte", so der 34-Jährige vor Beginn des Masters von Rom: "Wir machen eine weltweite Krise durch, in jeder Hinsicht. Es ist eine harte Zeit für uns alle, für Spieler, Organisatoren und die gesamte Tour. Eigene Interessen müssen zurzeit hinten anstehen."

Novak Djokovic (li.) und Rafael Nadal (re.) beim ATP Cup

Fotocredit: Getty Images

Ein unmissverständlicher Seitenhieb auf Djokovic, der unterdessen betonte, dass man "nichts zersplittern" wolle, "aber wir wollen und brauchen einen Verband, der uns vertritt".

Das Jahr hatte derweil schon mit atmosphärischen Störungen begonnen. Nach der 1:2-Niederlage mit Spanien im Finale des ATP Cups gegen Serbien warf Nadal den Fans des Gegners mangelnden Respekt vor.

Djokovic-Vater wettert gegen Nadal

Die Antwort aus dem Djokovic-Lager ließ nicht lange auf sich warten. "Das passiert Novak überall auf der Welt seit 15 Jahren und er beschwert sich nie. Sei ein Mann, Rafa, nimms sportlich und sag Novak: 'Gut gemacht'", polterte Srdjan Djokovic, Vater von Novak, im Interview mit der serbischen Zeitung "Telegraf".

Der Sohnemann hat indes mehr als nur eine Sorge dieser Tage. Neben den Debatten um die PTPA und der heftig kritisierten Adria Tour im Juni sorgte Djokovic bei den US Open für einen Eklat, als er beim Wegschlagen eines Balls eine Linienrichterin am Kehlkopf traf und daraufhin vom Turnier ausgeschlossen wurde. "Das war ein Schock für mich", gab der Tennisstar nun zu. "Die ersten vier, fünf Tage danach waren ein wenig ein Auf und Ab für mich."

Djokovic-Eklat und Final-Drama: Die US Open in drei Minuten

Für das angeschlagene Image des 33-Jährigen ein harter Schlag, zumal er seit Jahren darum ringt, dieselbe Anerkennung wie Federer und Nadal zu bekommen. Dieses Ziel dürfte spätestens jetzt nicht mehr zu erreichen sein. "Djokovic wird für den Rest seiner Karriere der Böse sein", glaubt auch John McEnroe, der während seiner Karriere die Rolle des Bad Boys mit Genuss spielte.

Djokovic: "Keine emotionalen oder mentalen Blockaden"

In Rom muss Djokovic deshalb den Ball flach halten und sich auf die sportlichen Aufgaben konzentrieren. "Ich habe mich darauf gefreut, nach den Vorfällen von New York so schnell wie möglich wieder ein offizielles Match zu spielen. Ich brauchte ein positives Gefühl auf dem Court um Dinge, die mich eventuell noch belasten, wegzubekommen", sagte er.

Das ist dem 17-fachen Grand-Slam-Turniersieger gelungen. Zum Auftakt in Rom bezwang er in Runde zwei den Italiener Salvatore Caruso 6:3, 6:2. "Ich hatte keine emotionalen oder mentalen Blockaden", so Djokovic, der im Achtelfinale auf seinen serbischen Landsmann Filip Krajinovic trifft.

Erstes Match nach US-Open-Eklat: Djokovic lässt nichts anbrennen

Nadal machte seine Sache ebenfalls sehr gut. Exakt 200 Tage nach seinem letzten Tour-Auftritt fegte der Sandkönig seinen Landsmann und US-Open-Halbfinalisten Pablo Carreño Busta 6:1, 6:1 vom Platz. "Ein perfekter Start" sei das gewesen, zeigte sich der neunfache Rom-Champion hochzufrieden nach seinem Comeback. In der nächsten Runde wartet nun der Sieger der Begegnung zwischen Milos Raonic und Dusan Lajovic.

Der Weg für Djokovic und Nadal ins Finale scheint vorgezeichnet. Bei allen Kontroversen wäre es für den Tennissport ein Gewinn, wenn die beiden Protagonisten dabei in ihrem 56. Duell - Djokovic führt derzeit mit 29:26 - sportliche Schlagzeilen produzieren würden. Zumal die Uhr tickt und es den Vergleich der beiden Superstars nicht ewig geben wird - auch nicht in der Ewigen Stadt.

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