Alexander Zverev weiß, dass die Uhr tickt.
Selbst für einen wie ihn, der mit 24 Jahren den Großteil seiner Laufbahn noch vor sich haben dürfte und trotzdem längst zu den Besten der Welt zählt. "Ich bin motiviert, jede Gelegenheit zu nutzen, die sich mir bietet - denn ich weiß, dass das Leben, wie ich es im Moment führe, zeitlich sehr begrenzt ist. Das kannst du nicht 30, 40 oder 50 Jahre lang machen, das geht nur bis zu einem bestimmen Alter", erklärte der Hamburger vor Kurzem im Interview mit dem US-Lifestyle-Magazin "Haute Living".
Man muss festhalten: Derzeit gelingt es ihm nicht, jede Gelegenheit zu nutzen, im Gegenteil: Im Viertelfinale von Miami erreichte er sein Level nicht und scheiterte mit 3:6, 6:1, 3:6 am Norweger Casper Ruud.
ATP Miami
Zverev verpasst große Chance: Endstation im Viertelfinale
31/03/2022 AM 05:16
Der 23-Jährige gehört mit Spielern wie Stefanos Tsitsipas, Félix Auger-Aliassime, Jannik Sinner oder Denis Shapovalov zum Kreis der noch jüngeren Profis, die bereits kräftig am Status von Zverev kratzen. Von daher ist es nur allzu verständlich, dass der Deutsche den Zeitaspekt anspricht.

Zverev spart nicht mit Kritik an sich selbst

Schon bei den Australian Open machte ihm mit Shapovalov ein Youngster einen dicken Strich durch die Rechnung. Zverev war angetreten, um seinen ersten Grand-Slam-Titel einzufahren und als Bonus auch gleich noch Platz eins in der Weltrangliste zu übernehmen.
Dann kam das Achtelfinale und Shapovalov. Der 22-jährige Kanadier kegelte Zverev in drei Sätzen raus, der Traum war geplatzt. "Es war schrecklich von mir, es gibt keine Ausreden", ging der Olympiasieger hart mit sich ins Gericht.

Aus in drei Sätzen: So verlor Zverev sein Viertelfinale in Miami

Es sei "das schlechteste Match seit Wimbledon" gewesen, so Zverev. In dieser Situation über den ersten Grand-Slam-Titel nachzudenken, bezeichnete er als "albern".
Die Hoffnung, bei den folgenden Events auf der ATP Tour wieder Boden gutzumachen, erfüllte sich nicht. In Montpellier erreichte der Weltranglistenvierte das Finale, ehe es in Acapulco zum Skandal kam: Zverev wurde nach einem üblen Ausraster im Doppel fürs ganze Turnier disqualifiziert. Bei den Masters von Indian Wells und Miami kam das Aus in Runde zwei beziehungsweise im Viertelfinale.
Zu wenig für die eigenen Ansprüche.

Zverev: Darum klappt es nicht mehr

Aber was läuft falsch? In Melbourne vermisste Eurosport-Experte Boris Becker bei Zverev "das Aufbäumen, den unbedingten Willen". Die Körpersprache habe nicht ausgedrückt, dass der 24-Jährige das Turnier gewinnen wolle.
Gegen Ruud in Miami zeigten sich andere Schwächen. Zverev wirkte vor allem zu Beginn energielos, die Grundschläge von Ruud mit viel Topspin bereiteten dem Favoriten arge Probleme. Darüber hinaus spielte die Nummer vier der Welt mit einem Tape über der Nackenmuskulatur.
Die Konkurrenz versteht es überdies immer besser, sich auf das Spiel von Zverev, das eine sehr hohe Abhängigkeit vom Aufschlag aufweist, einzustellen.
Bei Zverev stimmt indes das Gesamtpaket im Moment nicht, der letzte Punch fehlt, auch wenn er in Miami durch die Zusammenarbeit auf Testbasis mit Coach Sergi Bruguera neue Impulse setzte.

Nicht eine Breakchance zugelassen - Highlights zum Zverev-Sieg

Vielleicht ist es deshalb eine glückliche Fügung, dass es nun in Monaco, der Wahlheimat des Hamburgers weitergeht. Ab 10. April steigt dort im Monte-Carlo Country Club ein Sandplatz-Masters. Zverev konnte den seit 1897 ausgetragenen Traditionswettbewerb zwar noch nicht gewinnen, holte aber drei seiner fünf Masters-Titel auf Sand.

Zverev: "Tolles Jahr, aber kann besser werden"

Immerhin darf sich Zverev schon jetzt über einen kleinen Erfolg freuen: Ab kommendem Montag wird er in der Weltrangliste wieder auf Rang drei geführt, überholt Rafael Nadal, der in Miami nicht am Start war. Seinem Ziel, die Spitze zu übernehmen, kommt er damit einen Schritt näher.
Will der Tennisstar aber aus eigener Kraft vorankommen und seinen Ambitionen gerecht werden, muss er seine Gala-Form aus dem Vorjahr wiederfinden. Das ist der Gradmesser, mindestens - oder wie Zverev selbst nach dem famosen Jahr 2021 sagte: "Ich habe sechs Turniere gewonnen. Zwei 500er-Turniere, zwei Masters, die Olympischen Spiele und die ATP Finals. Es war ein tolles Jahr, aber es kann noch besser werden!"
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