Davon war Alexander Zverev (Hamburg/Nr. 3) gegen Denis Shapovalov aber meilenweit entfernt.
"Körperspannung, Aggressivität und Dynamik waren von Anfang an nicht da. Er hätte im zweiten Satz die Chance gehabt, zurückzukommen. Danach sah es dann gar nicht mehr gut aus", tadelte Eurosport-Experte Boris Becker.
"Ich habe Zverev sehr lange nicht mehr so passiv gesehen. Man kann verlieren und schlecht spielen, aber du musst dich trotzdem anstrengen und die Seele auf dem Platz lassen. Das haben wir heute vermisst", ging der sechsmalige Grand-Slam-Sieger mit Zverev durchaus hart ins Gericht.
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Motiviert ans Comeback: Zverev "kann wieder schmunzeln"
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Bei Temperaturen von 33 Grad im Schatten fand der 24-Jährige, der in Abwesenheit des ausgewiesenen Novak Djokovic mit Daniil Medvedev (Russland/Nr. 2) als Top-Favorit auf den Titel in Melbourne galt, nie zu seinem Spiel.

Achtelfinale: Herbe Klatsche für Zverev gegen Shapovalov - Highlights

Zverev bitter enttäuscht

"Es gibt keine Ausreden", äußerte sich Zverev auf der Pressekonferenz bitter enttäuscht: "Das ist das schlechteste Match seit Wimbledon, das ich gespielt habe. Es ist hart. Denis hat es verdient, aber ich muss auch auf mich schauen und das war heute einfach furchtbar.
In Wimbledon war Zverev im Achtelfinale in fünf Sätzen an Félix Auger-Aliassime - ebenfalls aus Kanada - gescheitert.
Im ersten Satz vergab der Hamburger zunächst selbst Breakchancen, verlor dann seinen Aufschlag zum 1:3. So ging der Durchgang nach 38 Minuten an den Kanadier (6:3). "Die Leichtfüßigkeit fehlt, er hat noch nicht den Tunnelblick", monierte Becker: "Er spielt zu passiv und steht zu weit hinter der Grundlinie. Er reagiert nur und agiert nicht."

Zverev gibt Satz zwei aus der Hand

Turbulent der Verlauf des zweiten Satzes: Shapovalov ging 2:0 in Führung, Zverev ließ seinen Schläger dafür leiden. "Ich habe versucht, mich irgendwie selbst aufzupumpen, aber wenn man so schlecht spielt wie ich, kannst du machen, was du willst - es ändert nichts", sagte er später.

Satz und Break zurück - da zerhackt Zverev seinen Schläger

Nach seinem Ausraster hatte der Deutsche aber seine beste Phase: Nach Breaks zum 2:2 und 5:3 schlug er bereits zum Satzgewinn auf, verlor sein Service aber erneut. Im Tiebreak wirkte Zverev dann erneut zu fahrig. Er kämpfte sich nach 1:5 zwar nochmal auf 4:5 und 5:6 heran, verlor dann aber 5:7.
Australian Open 2022: Ergebnisse Herren-Einzel
"Was ich vermisse, ist das Aufbäumen, der unbedingte Wille", kritisierte Becker live als Co-Kommentator: "Wir haben alle schlechte Tage, aber es mangelt an der Körpersprache."
Zverev meinte später: "Mit der Leistung, die ich abgeliefert habe, hatte ich es ehrlich gesagt auch gar nicht verdient, den zweiten Satz zu gewinnen. Am Ende des Tages war es einfach nicht gut genug."

Au weia, Sascha! Shapovalov schnappt sich auch Satz zwei

Zverev erwischt komplett gebrauchten Tag

Wer glaubte, Zverev würde mit 0:2-Satzrückstand endlich aufdrehen, wurde enttäuscht - Shapovalov gelang erneut ein frühes Break (0:2) - die Vorentscheidung. Nach 2:21 Stunden verwandelte der 22-Jährige seinen zweiten Matchball.

Der Matchball: Zverev scheitert in Melbourne

"Die Atmosphäre war toll, ich bin sehr glücklich, dass ich gewonnen habe. Ich hätte nicht erwartet, dass es so schnell geht", sagte der Kanadier: "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Spiel. Ich habe sehr schlau gespielt und habe das Momentum genutzt."
So sah es auch Becker: "Man hatte von Beginn an das Gefühl, dass Shapovalov immer einen Schritt schneller ist. Der Kanadier war spritziger. Zverev hat Shapovalov nie wirklich unter Druck gesetzt und Gas gegeben."
Shapovalov fordert nun im Viertelfinale Rafael Nadal (7:6, 6:2, 6:2 gegen Adrian Mannarino), der in Melbourne seinen 21. Grand-Slam-Titel und damit den alleinigen Rekord holen will.

Zverevs Aufschlag klemmt

Die Statistiken unterstrichen derweil Zverevs schwachen Auftritt: Der 24-Jährige servierte in Summe schwach und machte mit dem zweiten Aufschlag nur 29 Prozent der Punkte (6/21).
"Sein Gradmesser ist der Aufschlag, aber heute waren es nur drei Asse bei acht Doppelfehlern. Dazu hat er zu sehr an der Grundlinie abgewartet und den Ball nur zurückgespielt – in der Hoffnung, dass der Gegner einen Fehler macht. Dafür ist Shapovalov aber zu gut", analysierte Becker.

Becker analysiert Zverev-Pleite: "Man kann verlieren, aber ..."

18 Winner waren für Zverev zudem eine indiskutable Offensiv-Leistung (Shapovalov: 35). Zudem leistete sich der Deutsche 32 vermeidbare Fehler (Shapovalov: 37).

Zverev mit mieser Bilanz gegen Top-Spieler

Der Kanadier war in Melbourne zuvor in vier Auftritten nie über die dritte Runde hinausgekommen. "Das ist eine große Ehre", sagte Shapovalov über das Duell mit Nadal.

Shapovalov verwundert über Schnellprogramm gegen Zverev

Für Olympiasieger Zverev ist der Traum von seinem ersten Grand-Slam-Titel - dem ersten für Deutschland seit Becker 1996 in Australien - damit erstmal wieder ausgeträumt. Zverev war in Melbourne der einzige von insgesamt zwölf deutschen Tennisspielern und Tennisspielerinnen, der die zweite Runde überstanden hatte.
Zverev hat nur eins der vergangenen acht Matches gegen Profis der Top 20 gewonnen. Zum schwarzen Sonntag in Melbourne aus deutscher Sicht passte das Achtelfinal-Aus des DTB-Doppels Kevin Krawietz / Andreas Mies (Coburg/Köln).
Damit sind aus deutscher Sicht nur noch Tim Pütz in Doppel (Viertelfinale mit dem Australier Michael Venus) und Mixed (2. Runde mit der Chilenin Alexa Guarachi) im Turnier.

Zverev exklusiv: "Habe eine scheiß Woche gehabt"

Zverev jagt Grand-Slam-Titel weiter hinterher

Nach Gold in Tokio und dem Sieg bei den ATP Finals in Turin wollte er in Melbourne die nächsten Meilensteine seiner Karriere erreichen - den ersten Triumph bei einem Major und die Nummer eins der Weltrangliste, beides war durch die Abwesenheit von Novak Djokovic greifbar.
Verletzt oder angeschlagen sei er gegen Shapovalov nicht gewesen. "Ich hab' nix", meinte der Deutsche: "Ich habe einfach eine scheiß Woche gehabt, um ehrlich zu sein."
Das Finale erreichte Zverev in Melbourne noch nie; 2020 stand der 24-Jährige im Halbfinale (Niederlage gegen Dominic Thiem), 2021 war im Viertelfinale gegen den späteren Sieger Djokovic Endstation.

Becker: "Herbe Klatsche"

Immerhin schaffte es Zverev in Australien zum neunten Mal in Folge bei einem Major in die zweite Turnierwoche. Doch er wollte mehr.
"Es ist eine herbe Klatsche", bilanzierte Becker bei Eurosport: "Saschas Traum von der Nummer eins der Welt ist jetzt erstmal ausgeträumt. Er muss überlegen, was da passiert ist. Er strotzte vorher vor Selbstvertrauen, aber irgendetwas ist in diesen Wochen von Australien passiert. Das Achtelfinale ist zu wenig für einen Spitzenspieler wie Zverev."

Rätselhaftes Aus von Zverev - Wilander hat eine Vermutung

So sah es auch der Profi selbst: "Es war heute schrecklich von mir. Es gibt keine Ausreden. Ich bin mit dem Ziel hergekommen, zu gewinnen und vielleicht die Nummer eins der Welt zu werden. Wenn ich so spiele, verdiene ich es nicht."
Er werde "immer noch alles dafür tun", sich irgendwann den Traum vom Grand-Slam-Sieg zu erfüllen. "Aktuell ist aber darüber zu reden albern, weil ich gerade in der vierten Runde der Australian Open als an Nummer drei gesetzter Spieler verloren habe. Deswegen bin ich da momentan weit von entfernt."
Sprach's und verabschiedete sich für 2022 aus Australien.
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Ergebnisse Herren - Achtelfinale Sonntag:

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(mit SID)

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