Boris Becker exklusiv: Hier ist Carlos Alcaraz schon besser als Rafael Nadal und Novak Djokovic

Carlos Alcaraz hat sich in Position gebracht - als Favorit für die French Open, als neue Nummer eins nach dem derzeit laufenden Masters in Rom, als Dominator der Zukunft. "Er schreibt die Tennisgeschichte neu", lobt Boris Becker den 20-Jährigen im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball. Der Grund: Alcaraz habe bereits jetzt Fähigkeiten, die über jene von Rafael Nadal und Novak Djokovic hinausgehen.

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Quelle: Eurosport

Carlos Alcaraz hält den Selfiestick, lächelt vorsichtig und macht ein Foto, das viel über seine kometenhafte Entwicklung sagt.
Eingerahmt von Idolen wie Lionel Messi, Edwin Moses, Luis Figo oder Shelly-Ann Fraser-Pryce steht der 20-Jährige im Pariser Cour Vendôme auf der Bühne. Kurz zuvor hatte er den Laureus World Sports Award für den Aufsteiger des Jahres überreicht bekommen. Alcaraz ist angekommen im Kreis der ganz Großen des Sports.
Ende Mai wird der Shootingstar zurückerwartet in Paris, dieses Mal rund sechs Kilometer südwestlich im Stade Roland-Garros. Läuft es nach Plan, dann nimmt Alcaraz wieder eine Trophäe mit aus der französischen Hauptstadt.
Denn: Auf Sand ist der Aufsteiger des Jahres in dieser Saison ungeschlagen, die Turniere von Barcelona und Madrid gewann der US-Open-Champion von 2022. Darin liege die eigentliche Stärke von Alcaraz, betont Boris Becker bei Eurosport. "Mich fasziniert die Tatsache, dass er im zweiten Jahr so spielt, wie er spielt." Tatsächlich erweckt Alcaraz trotz des Grand-Slam-Coups im vergangenen Sommer und seiner explodierenden Popularität den Eindruck, komplett bei sich geblieben zu sein.

Becker: Das überrascht mich bei Alcaraz

Es sei "schwer genug, in die Szene zu kommen und die ersten Turniere zu gewinnen", sagt Becker. "Jetzt hat es mich überrascht, dass er nach einem Winter mit Verletzungen genau da weitermacht, wo er aufgehört hat - mit absoluten Weltklasseleistungen."
Beim Masters von Paris im November zog sich Alcaraz eine Muskelverletzung zu, die ATP Finals musste er daraufhin absagen. "Das ist eine Lektion für ihn, aus der er lernen muss", erklärte der ehemalige spanische Topspieler Àlex Corretja im Eurosport-Interview. Ein halbes Jahr später muss man notieren: Der Lerneffekt hat eingesetzt.

Becker lobt Alcaraz: Mehr Druck als bei Nadal und Djokovic

Alcaraz ist wieder da, vielleicht sogar besser als je zuvor. "Carlos spielt ganz anders Tennis. Dabei beeindruckt mich am meisten die druckvolle Spielweise. Wenn er die Vorhand mit vollem Topspin durchzieht, wächst da kein Gras mehr. Wer sich gegen ihn in die Rally traut, hat verloren", konstatiert Becker. Das habe man "früher auch über Nadal und Djokovic gesagt, aber Alcaraz hat mehr Druck und Topspin in seinen Schlägen".
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Ein Ritterschlag für den Youngster, der drauf und dran ist, seinem großen Vorbild Nadal den Rang abzulaufen. Der Sandplatzkönig laboriert noch immer an einer hartnäckigen Hüftverletzung, die ihn möglicherweise den French-Open-Start kostet.
Doch selbst wenn Nadal in seinem "Wohnzimmer" fit antreten könnte, Alcaraz müsste sich in der aktuellen Verfassung nicht hinter der Tennis-Ikone verstecken. 2022 schlug er den 14-fachen Roland-Garros-Sieger in Madrid schon einmal auf dessen Lieblingsbelag.

Becker-Rat an Alcaraz: "Nicht berechenbar werden"

Ein cleverer Schachzug des Alcaraz-Lagers sei es, mit Juan-Carlos Ferrero zusammenzuarbeiten, den Becker für einen "hervorragenden Trainer" hält. Mit dem einstigen French-Open-Gewinner an seiner Seite sinke die Gefahr, einen fatalen Fehler zu begehen: das eigene Spiel aufgrund großer Erfolge nicht zu hinterfragen und anzupassen.
"Wichtig ist, dass Carlos nicht berechenbar wird", unterstreicht Becker: "Im Tennis geht es auch darum, dass sich die Gegner nicht auf dich einstellen können. Wenn du dich nicht verbessert, rutschst du ab und andere kommen."
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Alcaraz habe in dieser Hinsicht aber schon vieles richtig gemacht. Ferrero habe dem jungen Spanier "den Mut, ans Netz zu gehen, Serve and Volley zu spielen oder auch mal eine Rückhand als Slice zu spielen" vermittelt. Daher habe Alcaraz nun die "Stärke, sein Spiel vielfältig gestalten" zu können.

Prägt Alcaraz eine Ära?

Daraus lasse sich allerdings nicht zwingend ableiten, dass der Weltranglistenzweite eine Ära à la Federer, Nadal oder Djokovic prägen kann. "Das Talent und die Lust dazu hätte er, aber es kann so viel schiefgehen. Carlos kann sich verletzen oder die Lust verlieren, wenn er alles drei oder vier Mal gewonnen hat. Ich wünsche ihm, dass er die Lust und Laune an unserem wunderbaren Sport nicht verliert und wir auch in 15 Jahren immer noch über ihn sprechen", hofft Becker.
Den nächsten Erfolg hat Alcaraz indes schon sicher. Nach dem ATP Masters von Rom wird der Senkrechtstarter, unabhängig vom Ausgang des Turniers, Djokovic als Nummer eins der Weltrangliste ablösen.
Über diesen Carlos Alcaraz wird noch sehr viel zu sprechen sein.
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