Nach gerade einmal 68 Minuten war die Sensation perfekt, Lorenzo Sonego warf den haushohen Favoriten Novak Djokovic aus dem Turnier in der Wiener Stadthalle. Aber war es wirklich eine Sensation?
Auf den ersten Blick natürlich schon. Djokovic hatte in diesem Jahr bis dahin 39 Matches bestritten, wovon er nur das Finale bei den French Open gegen Rafael Nadal auf sportlicher Ebene verlor.
Dazu kam das Achtelfinal-Aus bei den US Open gegen Pablo Carreño Busta durch eine Disqualifikation.
ATP Wien
Djokovic: Seltsame Reaktion auf historisches Debakel
31/10/2020 AM 08:36
Und nun eben diese rätselhafte Vorstellung gegen Lucky Loser Sonego.

Djokovic: Nicht in der Stimmung für Tennis

Djokovic selbst sorgte nun für Klarheit und erklärte, weshalb er an diesem Tag seine sonst übliche Klasse vermissen ließ.

Highlights: Djokovic chancenlos gegen Lucky Loser

"Um ehrlich zu sein war ich nicht allzu sehr in der Stimmung, um zu spielen", gestand der 17-fache Grand-Slam-Turniersieger gegenüber Journalisten in Wien. Der Grund: der Tod von Amfilohije Radovic.
Der hohe Geistliche der Serbisch-Orthodoxen Kirche, der sich mit dem Coronavirus infiziert hatte, verstarb im Alter von 83 Jahren - und zwar an dem Tag, an dem Djokovic am Abend sein Viertelfinale spielen musste. Der Tennis-Star, der gut mit Radovic bekannt war, hatte schon im Vorfeld der Partie ein Foto des Würdenträgers auf Instagram gepostet und damit sein Mitgefühl ausgedrückt.
"Die traurigen Nachrichten haben mich beeinflusst, aber nicht in der Weise, dass ich nicht hätte antreten können", erläuterte Djokovic und sprach von einem "seltsamen Tag".
Der Serbe verehrte Radovic. Er habe "das Privileg und die Ehre" gehabt, den Geistlichen kennenzulernen, "einige Zeit mit ihm verbringen und die schöne Energie spüren" zu können, die er besaß. Entsprechend tief war Djokovic vom Tod des 83-Jährigen berührt.

Djokovic nimmt ATP Finals ins Visier

Zuvor hatte Verwunderung geherrscht, nachdem Djokovic weit von seiner Topform entfernt war und nach der herben Niederlage betonte, "mit dem Resultat heute komplett leben" zu können. Die Aussage wollte einfach nicht zum Ausnahmesportler Djokovic passen, der um jeden Titel hart kämpft und auf Erfolge wie Misserfolge normalerweise emotional reagiert.
Wie es nun weitergeht für den Branchenführer? "Ich werde einige Zeit mit meiner Familie verbringen und ich komme zurück nach Serbien, worauf ich mich freue", so Djokovic. Er werde sich bestmöglich auf die ATP Finals in London vorbereiten. "Um ein starkes Saisonende hinzulegen", wie er unterstrich.
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