Am Freitagabend australischer Zeit traf Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke seine Entscheidung: Der 44-jährige Politiker gab bekannt, dass Novak Djokovic erneut das Visum für die Einreise nach Australien entzogen werde. Dabei machte Hawke von seinem persönlichen Recht als Einwanderungsminister Gebrauch.
Damit droht dem ungeimpften Djokovic nun endgültig die Abschiebung. Seine letzte Chance, doch noch an den Australian Open (ab 17. Januar live bei Eurosport) teilnehmen zu können: Ein erfolgreicher Einspruch vor Gericht. Am Freitagabend kam es bereits zu einer Anhörung.
Ganz abgesehen von den politischen Dimensionen und weiterer möglicher persönlicher Konsequenzen, die der Einreise-Eklat für die Nummer eins der Welt nach sich ziehen könnte, ist die Abschiebung auch ein herber Rückschlag für Djokovics sportliche Ziele.
Australian Open
Djokovic kämpft gegen Ausweisung: Neue Anhörungen terminiert
14/01/2022 AM 11:37
Er ist Rekordchampion bei den Australian Open und amtierender Titelträger. Mit seinem zehnten Triumph in Melbourne würde er seinen 21. Grand-Slam-Titel holen und auch in dieser Rangliste alleiniger Rekordhalter werden. Doch diesen Traum muss er verschieben.

Becker: "Es wird nicht leichter für Djokovic"

Aus Sicht von Eurosport-Experte Boris Becker könnte dieser Traum für Djokovic gar in ganz weite Ferne rücken, wenn er seine Haltung zur Impfung nicht ändern sollte.
"Es wird nicht leichter für ihn. Die French Open und Wimbledon schauen sich die Situation in Australien ganz genau an. Wenn er sich weiter auf Tennis konzentrieren will, muss er einige Veränderungen unternehmen", sagte Becker am Freitag gegenüber Eurosport.de und richtete einen Appell an seinen ehemaligen Schützling: "Novak, versuche einzusehen, dass es geimpft leichter für dich sein wird." Allerdings bezweifelt der 54-Jährige selbst, dass solche Appelle etwas bewirken: "Ob er das macht, weiß ich nicht."
Becker war von 2013 bis 2016 Trainer von Novak Djokovic und führte den Serben in dieser Zeit zu sechs Grand-Slam-Titel. Im Gespräch mit Eurosport sprach er zudem über die generelle Entscheidung, Djokovics Visum zu annullieren, die Rolle des australischen Tennisverbandes und ob er Mitgefühl mit Djokovic habe.
Weitere Aussagen von Boris Becker zum Fall Novak Djokovic sowie zu Alexander Zverevs Chancen bei den Australian Open gibt es außerdem auch in der aktuellen Folge des Eurosport-Tennis-Podcasts "Das Gelbe vom Ball".
Das Interview mit Boris Becker nach der erneuten Annullierung von Djokovics Visum in voller Länge:
Wird sich der "Straßenkämpfer" Djokovic jetzt mit der ganzen Welt anlegen und seiner Linie treu bleiben oder wird er geläutert daraus hervorgehen und sich umgehend impfen lassen?
Boris Becker: Ich glaube nicht, dass es leichter wird für ihn. Die French Open und Wimbledon schauen sich die Situation in Australien ganz genau an. Wenn er sich weiter auf Tennis konzentrieren will, muss er einige Veränderungen unternehmen. Deswegen wäre meine Meinung: Novak, versuche einzusehen, dass es geimpft leichter für dich sein wird. Ob er das macht, weiß ich nicht.
Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke hat am Freitag nach langem Zögern das Einreisevisum von Novak Djokovic für ungültig erklärt. Halten Sie seine Entscheidung für angemessen?
Becker: Es war zu erwarten, dass die australische Regierung die Schmach des verlorenen Prozesses bezüglich des Einreiseverfahrens gegen Novak Djokovic nicht auf sich sitzen lässt und einen kräftigen Return zurückschlägt. Jede Regierung ist stärker als ein einzelnes Individuum - das gilt für alle Menschen und auch für Novak Djokovic.
AUSTRALIEN ENTZIEHT DJOKOVIC DAS VISUM: EURE MEINUNG?
Ist Djokovic an der ganzen Situation selbst Schuld oder haben Sie Mitgefühl mit ihm?
Becker: Wer sich nicht impfen lässt, wird dadurch nicht automatisch zu einem schlechten Menschen. Ich habe mich impfen lassen und bin geboostert, aber ich bin auch in meinen Fünfzigern. Es gibt viele Menschen, die die Ansicht von Novak vertreten, auf ihr starkes Immunsystem vertrauen und vielleicht auch eine andere Sicht auf die Welt haben. Als demokratische Gesellschaft sollten wir diese anderen Meinungen auch zulassen. Mittlerweile haben wir gelernt, dass man sich trotz dreier Impfungen auch infizieren und die Krankheit weitergeben kann. Das ist das Teuflische: Es gibt keine beste, sondern nur eine vorübergehende Lösung. Novak hat sich anders entschieden als ich und die Mehrheit der Menschen. Aber er hat nichts Verbotenes getan.
Auch das Verhalten der australischen Behörden und des australischen Tennisverbandes rief Kritik hervor. Wie sehen Sie deren Rolle in diesem Schauspiel?
Becker: Ich bin niemand, der mit dem Finger auf Menschen zeigt, aber ganz unschuldig sind sie beim Desaster um Novak Djokovic nicht. Aber die Rechnung muss er ganz alleine zahlen. Ich hoffe, die internationalen Medien schauen hier genau hin, wer für die ganzen Fehler verantwortlich ist.

Das Gelbe vom Ball - Becker analysiert Fall Djokovic

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