Australian Open: Alexander Zverev kann auch Novak Djokovic schlagen - Selbstvertrauen gegen Tommy Paul als Trumpf
Update 21/01/2025 um 18:39 GMT+1 Uhr
Alexander Zverev hat - nach einem harten Stück Arbeit – das neunte Grand-Slam-Halbfinale seiner Karriere erreicht. Der Erfolg über Tommy Paul verdeutlichte der Tenniswelt, wie nervenstark Zverev in wichtigen Momenten spielen kann. Vor allem die ersten beiden Sätze offenbarten aber auch kleinere Schwächen in Zverevs Taktik - die er sich im Halbfinale gegen Novak Djokovic nicht leisten kann.
Viertelfinale: Zverev dreht Rückstände gegen Paul - Highlights
Quelle: Eurosport
Die ATP-Finals in Turin Ende des vergangenen Jahres könnten in der Rückschau auf Alexander Zverev irgendwann Mal als Schlüsselmoment seiner Karriere gesehen werden.
Experten auf der ganzen Welt würden dann den November 2024 als wichtige Referenz nennen. Weil Zverev im Moment einer bitteren Niederlage zum ersten Mal seiner spielerischen Neuausrichtung treu blieb.
Trotz der so bitteren, weil knappen Halbfinal-Niederlage gegen Taylor Fritz, bekannte sich Deutschlands Topspieler nach dem Ausscheiden zu seiner offensiveren Courtposition – nahe an der Grundlinie.
Mit Blick auf die Australian Open 2025 sagte der Weltranglistenzweite damals: "Diese Änderungen sind keine Sache von ein paar Tagen oder ein oder zwei Wochen. Es wird ein Prozess sein."
Zverev zeigt Nervenstärke im Tiebreak
Und schickte hinterher: "Hoffentlich kann ich dann in Australien dieses aggressivere Tennis auch in den ganz wichtigen Momenten bestätigen - ohne die Fehler. Dass ich in den wichtigsten Momenten nicht sofort erfolgreich sein werde, ist okay."
Das Narrativ der Experten würde nach seiner Karriere lauten: Da Zverev an sich und diesen Prozess glaubte und während der Australian Open sich auch von einem kleinen Rückschlag im Viertelfinale gegen Tommy Paul (7:6 (7:1), 7:6 (7:0), 2:6, 6:1) nicht beirren ließ, gewann er mit 27 Jahren endlich sein erstes Grand-Slam-Turnier. Aber genug mit Glaskugel.
Die Realität deutet eine solche, zumindest ähnliche Entwicklung der Geschehnisse aber an. Alexander Zverev hatte nach einem bislang überragenden Turnier im Viertelfinale gegen die Nummer elf der Welt, Tommy Paul, erstmals größere Probleme, seine offensivere Spielweise dauerhaft zu etablieren.
Der Amerikaner war in den Sätzen eins und zwei jeweils ein Aufschlagspiel vom Gewinn des Durchgangs entfernt, hatte in beiden Sätz sogar Satzball. Beide Male rettete sich Zverev in den Tiebreak, in dem er der bessere, nervenstätkere Spieler war.
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Becker-Analyse: Zverev mit leichten Schwächen beim Paradeschlag
Quelle: Eurosport
Zverev "hasst" duelle gegen Paul
Im Interview mit Eurosport präsentierte sich Zverev sehr erleichtert: "Es war nicht das beste Match, das ich gespielt habe, aber ich habe trotzdem meinen Weg gefunden, gerade die ersten beiden Sätze irgendwie zu gewinnen. Im vierten Satz hatte ich meinen Rhythmus gefunden - der war dann sehr, sehr gut von mir."
Er hasse es, gegen Paul zu spielen, "weil man überhaupt keinen Rhythmus bekommt. Mal kommt der Aufschlag mit 220 km/h, dann kommt er mit 130, dann spielt er die Vorhand unfassbar hoch, dann wieder flach und sehr, sehr schnell."
Zudem bekannte die deutsche Nummer eins, sich im vierten Satz ein bisschen an die Bedingungen gewöhnt zu haben. In der deutschen Pressekonferenz führte er später dazu aus: "Hier in Australien hat man das Gefühl, dass es tagsüber langsamer ist als nachts, weil der Ball nachts durch den Platz geht und tagsüber hoch abspringt. Ich musste mich daran gewöhnen und fand, dass ich dann auch im vierten Satz gutes Tennis gezeigt habe."
Zverev, das ist längst kein Geheimnis mehr, liebt schnelle Bedingungen, einen flachen Absprung. Diese Bedingungen bekommt er in Melbourne in der Nightsession.
Konstanz als Zverevs Trumpf gegen Paul
All diese Ausrichtungen sind Ansätze dafür, warum der Deutsche am Dienstag zuweilen deutlich passiver wirkte und von seinem neuen Plan abwich. Sein Kontrahent schlug in den ersten drei Sätzen deutlich mehr Winner als der Weltranglistenzweite, der mitunter von der Grundlinie zurückwich.
Allerdings spielte der 27-Jährige in der - ein US-Amerikaner würde sie "Chrunchtime" nennen - entscheidenden Phase der Sätze eins und zwei nahezu fehlerfrei und präsentierte sich nervenstark.
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Rittner erklärt Zverevs Grundlinienspiel: Das fällt auf
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Paul vermochte es nicht mehr, mit Zverevs Konstanz bei gleichhohem Tempo mitzuhalten und reihte Fehler an Fehler, die sich zudem pro Zverev in den Statistiken auswirkten.
In Satz drei hielt Paul sein Niveau und hielt Zverev so in Schach. Im finalen Durchgang war es ein Mix aus spielerischer Steigerung und physischer Stärke, die Zverev in sein neuntes Grand-Slam-Habfinale einziehen ließ.
Becker: "Sascha war cooler"
Eurosport-Experte Boris Becker gelang dies bei allen vier Majors in seiner Laufbahn insgesamt 16 Mal. In Australien hat Zverev (drei) Becker nun überholt. Damit in seiner Presserunde konfrontiert, erklärte Zverev: "Boris Becker hat diese Trophäe zweimal hochgehalten, darüber reden die Leute am Ende. Nicht darüber, wie viele Halbfinals jemand erreicht hat."
Becker lobte seinen Nachfolger dennoch: "Es gibt Gründe, warum er bereits zum neunten Mal in einem Grand-Slam-Halbfinale steht. Er war schon häufiger in diesen Situationen und dann geht es in den entscheidenden Phasen nicht um die Vorhand oder die Beinarbeit, sondern um das Nervenkostüm und Sascha war da einfach cooler als der Amerikaner."
Und gegen Ende des Matches auch wieder offensiver. Ob Zverev sich an seine Aussage und sein Vorhaben aus Turin erinnerte, ist nicht überliefert.
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Exklusiv | Zverev ehrlich: "Hasse es, gegen ihn zu spielen"
Quelle: Eurosport
Klar ist: Im Halbfinale gegen Novak Djokovic, der Carlos Alcaraz mit 4:6, 6:4, 6:3, 6:4 schlug, braucht Zverev die offensive Grundausrichtung gepaart mit seiner Konstanz. Der Serbe wird ein noch höheres und offensiveres Grundlevel ohne Auszeiten abliefern können.
Zverev erklärte am Ende seiner Medienverpflichtungen, er werde jetzt in sein Hotel fahren, "mich behandeln und den TV laufen" lassen. Er sei sehr gespannt auf das Duell zwischen dem Spanier und dem Rekord-Grand-Slam-Sieger und "hoffe, dass sie 7:6 im Fünften spielen werden."
Das klappte nicht ganz.
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Becker analysiert den Kracher: Das war der Fehler bei Alcaraz
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