Australian Open 2025 - Alexander Zverev vor Viertelfinale gegen Tommy Paul in Melbourne: Wissen, was wichtig ist
Update 20/01/2025 um 17:27 GMT+1 Uhr
Das Achtelfinale gegen Ugo Humbert war für Alexander Zverev der erste wirkliche Härtetest auf dem Weg zu einem möglichen ersten Grand-Slam-Titel in Melbourne bei den Australian Open. Erstmals musste der Hamburger im Turnier einen Satz abgeben. Mindestens genauso wie die spielerische Stärke könnten dem Olympiasieger die Erfahrungen seiner Karriere helfen. Das äußert sich in vielen kleinen Dingen.
Achtelfinale: Zverev löst Aufgabe souverän - Highlights
Quelle: Eurosport
Alexander Zverev nimmt die Geschehnisse seiner Partien in diesen Tagen während der Australian Open überwiegend stoisch zur Kenntnis.
Im positiven wie im negativen Sinne nehmen Beobachter keine großen Gefühlsausbrüche wahr beim Olympiasieger von 2021.
Im Achtelfinale gegen den Weltranglisten-14. Ugo Humbert pushte sich Zverev nur zweimal wirklich extrovertiert: Nach toller Beinarbeit und einem Vorhandwinner im dritten Satz bei 3:2, als er mit dem Punktgewinn eine weitere Breakchance des Franzosen verhinderte.
Noch lauter schrie der 27-Jährige seine Gefühle in die Melbourner Nacht hinaus, als er seinen Kontrahenten mit einem Rückhandreturn von internationalem Format zum 5:2 entscheidend breakte.
Die Hoffnung auf den Grand-Slam-Sieg lebt
Davor und danach trat Zverev introvertiert auf, was keinesfalls negativ konnotiert ist.
Deutschlands Hoffnung auf den ersten Einzel-Grand-Slam-Sieg eines männlichen Spielers seit Boris Becker 1996 betreibt Energiemanagement im besten Sinne - vor, während und nach den Matches beim ersten Major-Turnier des Jahres.
Zverev weiß nach knapp zehn Jahren auf der Tour, sieben davon auf dem höchsten Niveau, was wichtig ist und vor allem, was er benötigt, um sich in die bestmögliche Ausgangssituation zu katapultieren. Dahinter stecken mehrere, kleinere Dinge.
Zverev und seine Klarheit
Das mit der Ausgeglichenheit war freilich nicht immer der Fall beim gebürtigen Hamburger. Die Vorfälle auf den Plätzen dieser Welt sind in der Tenniswelt hinlänglich bekannt. Doch im Laufe des letzten Jahres hat sich bei Zverev selbst und in dessen Lager eine deutliche Klarheit entwickelt.
In der zweiten Jahreshälfte sezierte Zverev sein eigenes Spiel, wechselte den Schläger und arbeitete an Dingen, die ihn spielerisch länger belasteten. Stellvertretend ist hier der Vorhandreturn zu nennen. Bereits am Rande der ATP-Finals in Turin sagte er: "Es gab eine Zeit und Matches, da habe ich kaum einen Return mit der Vorhand ins Feld spielen können. Das musste sich ändern."
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Quelle: Eurosport
Und es änderte sich. Zudem kämpft Zverev seit geraumer Zeit gegen sich und sein Naturell, in entscheidenden Spielphasen in eine defensivere Grundstellung zurückzufallen. Hatte er Kritiker in früheren Profijahren mit Blick auf seine Körpergröße und den damit verbundenen längeren Schwung versucht, verstummen zu lassen, ist Zverev nun selbst sein größter Kritiker.
Situativ fällt Zverev noch immer ganz leicht in das alte Muster. Doch die Grundausrichtung ist deutlich offensiver. Wie stabil und dauerhaft abrufbar die Herangehensweise schon ist, wird sich im Viertelfinale gegen Tommy Paul (Nummer elf der Welt) und in einem möglichen Halbfinale gegen Carlos Alcaraz oder Novak Djokovic zeigen.
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Zverev lässt Unsicherheit zu
Am Sonntag gegen Humbert ließ sich Zverev von Unwägbarkeiten eines Fünfsatzmatches nicht mehr als nötig verunsichern. Verlor er früher noch physisch und energetisch Kraft in langen Matches der ersten Woche, war der zweite Satz im Achtelfinale der erste Durchgang im Turnierverlauf, den Zverev abgeben musste. Er sah das pragmatisch.
"Ich bezweifle, dass irgendjemand heute den zweiten Satz gegen ihn gewonnen hätte", erklärte Zverev mit Bezug auf Humberts Leistung im zweiten Durchgang. "In den Momenten hat man Sorgen. Denn wenn er so weiterspielt, wird er auch in Satz drei und vier zu gut sein." Aber dieses Niveau beizubehalten, sei schwer. "Wenn er das geschafft hätte, dann wäre es auch ok gewesen zu verlieren. Im Großen und Ganzen war es ein gutes Match. Dass es schwierige Situationen gibt gegen einen Spieler wie ihn, st vollkommen ok so."
Die Auftritte in den Presserunden wirken ruhig, Zverev ist geerdet. Auf negativ konnotierte Fragen gibt er ebenso normale Antworten wie auf Fragestellungen zu anderen Spielern. Vor den Medienverpflichtungen kehrt Zverev auf den Trainingsplatz zurück. Ein Ritual, das er trotz Belastung und kürzlicher Bizepsprobleme konsequent durchzieht seit dem Herbst.
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Zverev löscht Social Media vom Handy
Ansonsten lässt er sich von wenig beirren. Als seine Energie im zweiten Satz etwas niedrig schien, beriet er sich anschließend mit seinem Team. "Manchmal passiert das. Das ist kein Drama. Manchmal fühlt man sich schlapp, manchmal geht ein Satz weg. Hier kann vieles passieren", sagte er.
Zverev hat bei Grand Slams schon fast alles erlebt. Seit einigen Jahren hat er sich eine Social-Media-Pause während der vier großen Turniere auferlegt. Wie er nun in Melbourne unterstrich, hat er die gängigen Apps für diese Zeit von seinem Smartphone gestrichen. Das Motto: Nichts Externes sehen, nichts hören, nichts lesen.
Was er sich aber anschauen will, sind Details aus seinem Match gegen Tommy Paul in Indian Wells 2022, als Zverev im Tiebreak des dritten Satzes verlor. Gegen den stark verbesserten US-Amerikaner verbucht Zverev eine 0:2-Bilanz.
"Beim Match in Acapulco 2020 habe ich zahlreiche Doppelfehler serviert und meine eigenen Probleme gehabt. In Indian Wells hat er vor allem bei den wichtigen Punkten sehr gut gespielt. Das werde ich mir anschauen."
Zverev erklärte, er habe großen Respekt für die Entwicklung von Paul, mit dem er 2024 in Shanghai einmal trainiert habe. "Er ist jetzt ein absoluter Topspieler. Er agiert clever, kann oft Taktik und Tempo wechseln und verfügt über ein großes Repertoire." Mit einfachen Gegnern habe er ab dem Viertelfinale aber ohnehin nicht gerechnet.
Das erklärte Ziel: Ein Sieg, um das große Halbfinale gegen Alcaraz oder Djokovic zu buchen.
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