Australian Open - Barbara Rittner fordert in der Doping-Causa um Jannik Sinner und Iga Swiatek: "Braucht mehr Klarheit"
Die Dopingvorwürfe gegen Jannik Sinner und Iga Swiatek sorgen auch während der Australian Open für Diskussionen in der Tenniswelt. Nachdem Nick Kyrgios und Novak Djokovic bereits im Vorfeld des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres den Umgang mit Dopingsperren scharf kritisiert hatten, äußerte sich Eurosport-Expertin Barbara Rittner besorgt und sprach sich für grundlegende Veränderungen aus.
Rittner zu Dopingfällen Sinner und Swiatek: "Klarheit fehlt"
Quelle: Eurosport
Obwohl weder Swiatek noch Sinner bei den Australian Open einen Ball geschlagen haben, finden sie sich dennoch im Mittelpunkt der Diskussionen.
Der Grund: die Dopingvorwürfe, die seit dem vergangenen Jahr im Raum stehen.
Der Weltranglistenerste Sinner war im März zweimal positiv auf Clostebol getestet worden. Die zuständige International Tennis Integrity Agency (ITIA) akzeptierte jedoch sein Argument, dass das Steroid unabsichtlich in seinen Körper gelangt sei, weshalb er nicht suspendiert wurde.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) legte daraufhin beim Internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung ein, ein Urteil steht noch aus.
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Iga Swiatek, Australian Open 2025
Fotocredit: Getty Images
Swiatek wurde im August als Nummer eins bei einer Probe außerhalb von Wettkämpfen positiv auf das Herzmedikament Trimetazidin getestet.
Wie bei Sinner akzeptierte die ITIA, dass Swiateks Verstoß nicht vorsätzlich war, sie erhielt nur eine einmonatige Sperre.
Djokovic und Kyrgios mit scharfer Kritik
In der Szene entflammte daraufhin eine Debatte über den Umgang sowie das Strafmaß bei etwaigen positiven Dopingtests.
Novak Djokovic stellte im Vorfeld der Australian Open etwa die "die Funktionsweise des Systems infrage". Sein Doppelpartner beim ATP-Turnier in Brisbane, Nick Kyrgios, sieht sogar "die Integrität des Tennissports gefährdet".
Der australische Lokalmatador bezog sich damit vor allem auf den Fall Sinner. "Ich denke einfach, dass es in unserem Sport schrecklich gehandhabt wurde", sagte Kyrgios. Jeder wisse es, "aber niemand möchte darüber sprechen".
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Djokovic"frustriert" über Dopingfall Sinner: Forderung an ATP
Quelle: Perform
Rittner: "Dopingverdacht alles andere als gut für Tennissport"
Auch Eurosport-Expertin Barbara Rittner äußerte sich im Rahmen des "Happy Slams" zu den Fällen und zeigte sich besorgt ob der Vorwürfe gegen Sinner und Swiatek.
"Es ist natürlich alles andere als gut für den Tennissport, dass beide unter Dopingverdacht stehen", sagte sie. "Viele Leute haben mich angesprochen und gefragt: 'Was ist denn da im Tennis los?' Genau das bleibt bei den Fans hängen: 'Dopen die jetzt alle?'"
Dabei sieht Rittner ein großes Problem darin, wie schnell solche Fälle an die Öffentlichkeit gelangen: "Man soll nichts vertuschen, aber warum gelangen Informationen an die Öffentlichkeit, die noch nicht abschließend geklärt sind? Oft steht noch nicht einmal fest, ob ein Sportler wirklich schuldig ist."
Rittner zum Thema Doping: "Die Klarheit fehlt"
Die Ex-Bundestrainerin betonte zudem, dass im Bereich Doping oft die notwendige Klarheit fehle: "Ist es so, dass ein positiver Befund automatisch eine Sperre bedeutet und ein negativer Befund keine Konsequenzen hat?"
Die 51-Jährige verwies dabei auf Arbeitsweise der ITIA, bei der drei Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen die Fälle prüfen und eine Entscheidung treffen.
"Wenn diese Experten sagen, dass ein Fall wie bei Sinner so geringfügig ist, dass er selbst nichts dafür kann und das Verfahren noch läuft, warum wird das dann schon öffentlich gemacht? Warum hält man es nicht unter Verschluss, bis eine fundierte Entscheidung getroffen wurde?", wunderte sich Rittner.
Rittner fordert: "System muss überarbeitet werden"
Viele Fans würden nach Ansicht der Eurosport-Expertin die genauen Details solcher Fälle aufgrund ihrer Komplexität nicht verstehen oder sich nicht damit auseinandersetzen.
"Der normale Tennisfan liest nur: 'Guck mal, wieder einer gedopt - und dann noch die Nummer eins!' Das führt zu der Annahme, dass alle dopen'", kritisierte Rittner, die außerdem Reformen im Umgang mit Dopingfällen forderte.
"Das System muss überarbeitet werden. Es braucht mehr Klarheit. Die Wissenschaftler, die sich am besten auskennen, sollten eine fundierte Entscheidung treffen. Wenn ein Sportler schuldig ist, muss eine Strafe folgen", so die ehemalige Top-30-Spielerin.
Rittner zum Fall Ymer: "Auch eigene Dummheit"
Rittner sprach überdies die Notwendigkeit eines klaren Strafmaßes an. "Es muss einen klaren Katalog geben. Auch wenn sich ein Spieler wie Mikael Ymer über eine Sperre aufregt - bei verpassten Tests ist die Regelung eindeutig. Das ist dann, hart gesagt, auch die eigene Dummheit."
Sie betonte, dass Spieler von klein auf im Umgang mit Dopingtests geschult werden: "Das darf einfach nicht passieren."
Der Schwede wurde wegen drei verpasster Dopingtests innerhalb von zwölf Monaten im Jahr 2021 für drei Jahre gesperrt und steht nun vor einem Comeback auf der Tour.
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Mikael Ymer.
Fotocredit: Getty Images
Rittner glaubt an Sinners Unschuld
Sinner dagegen wurde nach seinen beiden positiven Dopingtests im März 2024 nicht sanktioniert und beteuerte seit jeher, dass er nichts falsch gemacht habe. Rittner ist von der Unschuld des Südtirolers überzeugt.
"Alles, was ich bisher lesen konnte, deutet darauf hin, dass die Situation sehr unglücklich gelaufen ist. Dennoch bleibt die Frage, warum es überhaupt eine Anhörung gibt. In dieser geht es darum, inwieweit der Spieler die Verantwortung für sein Team trägt - und diese Verantwortung hat ein Spieler natürlich", erklärte die Expertin und ergänzte:
"Wenn etwa der Physiotherapeut durch eine Verunreinigung über eine Wunde an den Händen die Substanz auf seinen Körper gebracht hat, stellt sich die Frage, ob und wie man Sinner dafür bestrafen kann."
Nichtsdestotrotz zeigte sich Rittner davon beeindruckt, wie es die Nummer eins der Welt schafft, sich von der Debatte um seine Person nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.
"Das eine ist, sich etwas vorzunehmen und zu sagen: 'Ich blende das aus, weil ich weiß, dass ich unschuldig bin.' Aber wie er das umgesetzt hat, ist bemerkenswert", schwärmte sie.
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(mit SID)
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Was fehlt Zverev (noch) zum Grand-Slam-Titel? Das sagt Rittner
Quelle: Eurosport
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