Boris Becker gibt tiefen Einblick in schwierige Zeiten - frühe Wimbledon-Siege waren eine Belastung: "Hält eigentlich keine Sau aus"
Update 09/05/2025 um 08:37 GMT+2 Uhr
Wimbledon kann ein ganzes Leben verändern - diese Erfahrung hat Boris Becker sehr früh in seiner Laufbahn gemacht. "Für meine Gesundheit, für mein Leben wäre es besser gewesen, hätte ich Wimbledon erst später gewonnen", erklärte er in einem Interview mit "Sports Illustrated". Die Belastung nach seinem kometenhaften Aufstieg sei enorm gewesen. "Ich wurde immer beurteilt und verurteilt", so Becker.
Boris Becker bei seinem Wimbledon-Triumph im Jahre 1985
Fotocredit: Getty Images
Am 7. Juli 1985 katapultierte sich Boris Becker in die Geschichtsbücher. Im Finale von Wimbledon schlug der damals 17-Jährige aus Leimen den US-Amerikaner Kevin Curren in vier Sätzen (6:3, 6:7, 7:6, 6:4).
Der jüngste Wimbledon-Sieger der Geschichte, der erste Deutsche, der erste Ungesetzte.
"Was das genau für mich bedeuten würde, das konnte ich nicht erahnen, aber ich fühlte, es wird etwas passieren", erinnerte sich Becker zurück. Fortan würden ihn Paparazzi auf Schritt und Tritt verfolgen, jeder noch so kleine Fauxpas würde auf den Titelblättern der Zeitungen ausgeschlachtet werden.
"Im Nachhinein ist es vielleicht mein größter Sieg, dass ich nicht daran zerbrochen bin", gab er zu. "Zwangsläufig musste ich nach meinem ersten Wimbledon-Sieg sehr schnell erwachsen werden. Ich musste mich wehren, kämpfen und lernen, mein eigenes Ding durchzuziehen."
Becker: "Das war meine Reifeprüfung"
Besonders prägend war für Becker das Jahr seiner Titelverteidigung in Wimbledon. 1986 machte der deutsche Shootingstar ein hartes erstes Halbjahr durch, gewann bis zum Rasen-Highlight an der Church Road nur ein einziges Turnier.
Der Grund? Becker richtete sich nur nach den Anweisungen von Manager Ion Tiriac und Trainer Günther Bosch, auf sich selbst hörte er dabei nicht. "Heute Aufschlag, morgen Volley, übermorgen Rückhand. Die wollten, dass ich einen Trainingsplan absolviere, von dem ich nicht überzeugt war."
So kam es dazu, dass das Wunderkind zwar "topfit und austrainiert" war, "aber ich habe das Tennis nicht mehr gespürt. Das Bauchgefühl hat nicht mehr gestimmt. Ich habe mich nicht mehr wiedererkannt auf dem Platz."
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Deutschlands bislang letzter Major-Sieger: Boris Becker
Fotocredit: SID
Kurz vor Wimbledon kam der Umschwung. "Ich habe gesagt: 'In den nächsten zwei Wochen machen wir alles, wie ich es mir wünsche. Danach rechnen wir ab."
Gesagt, getan - und Becker triumphierte zum zweiten Mal auf dem heiligen Rasen. "Als 18-Jähriger den Titel zu verteidigen, das war etwas viel Größeres, als im Alter von 17 erstmals zu gewinnen. Das war meine Reifeprüfung, als ich zum ersten Mal realisiert habe: Wenn es hart auf hart kommt, kann ich mich auf mich selbst verlassen."
Becker: "Hält eigentlich keine Sau aus..."
In den darauffolgenden Jahren sah sich Becker tatsächlich immer wieder mit kräftezehrenden Herausforderungen konfrontiert. "Was ich beruflich und privat erlebt habe, das hält eigentlich keine Sau aus", erzählte der 57-Jährige.
Eine tragende Rolle spielte dabei auch die Medienwelt in seiner Heimat. "Gerade die Behandlung durch die deutschen Medien war beispiellos. Ich habe es überlebt - und bin dadurch vielleicht noch stärker zurückgekommen. Dass es mich mit 57 noch gibt, überrascht mich selbst und ist für mich wie ein weiterer Wimbledon-Sieg."
Sein früher Triumph in Wimbledon habe die Uhr deutlich schneller laufen lassen. "Immer bewertet und gemessen zu werden an diesem Sieg 1985, das war enorm anstrengend", meinte Becker. "Ich wurde immer beurteilt und verurteilt, musste stets liefern, spielte immer meine 18 bis 22 Turniere im Jahr. Das war Raubbau am Körper und tat meiner Gesundheit sicher nicht gut."
Mittlerweile sei der sechsmalige Grand-Slam-Sieger aber im Leben angekommen - sowohl privat als auch beruflich. "Ich ging durch ein tiefes Tal der Tränen, jetzt geht es mir gut", erzählte er.
"Und deswegen versuche ich, meine Entscheidungen noch vorsichtiger zu treffen als früher. Denn das, was ich erlebt habe, möchte ich nicht noch einmal durchmachen. Das wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht, aber mir am allerwenigsten", so Becker.
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