Daniil Medvedev bedenklich auf Talfahrt: Grand-Slam-Sieger wird vom "Angstgegner" der Stars zum Erstrunden-Verlierer
VonThomas Gaber
Update 19/07/2025 um 11:36 GMT+2 Uhr
Daniil Medvedev wartet seit über zwei Jahren auf einen Turniersieg. 2025 ist der Russe regelrecht abgestürzt, bei den bisherigen drei Grand-Slam-Turnieren gewann er lediglich ein Einzel. Von seinem Ruf als "Angstgegner" vieler Stars ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ist Medvedev spielerisch auf dem absteigenden Ast oder hat der Absturz mentale Ursachen? Mats Wilander hat da einen Verdacht.
Final-Highlights: Rasen-Zauberer Bublik knackt Medvedev
Quelle: Eurosport
Daniil Medvedev verstand die Welt nicht mehr. Mitte des vierten Satzes seiner Erstrundenpartie in Wimbledon gegen den Franzosen Benjamin Bonzi pfefferte der Russe beim Seitenwechsel seinen Schläger auf den Rasen und führte ein seltsames Selbstgespräch.
"Warum spielt der nicht jeden Tag so, gewinnt Millionen und ist reich? Nein, er entscheidet sich, es einmal im Jahr gegen mich zu tun", sagte Medvedev auf französisch und zuckte dabei mehrmals mit den Schultern.
Auf der Pressekonferenz nach seiner Viersatz-Niederlage legte Medvedev nach: "Ich habe Benjamins Match in Halle gegen Quentin Halys gesehen, weil der Sieger mein nächster Gegner war. Da hat er keine zwei Bälle in Folge ins Feld gebracht."
Bei Niederlagen ging Medvedev in der Vergangenheit häufig mit sich selbst hart ins Gericht. Doch ausgerechnet in Wimbledon, wo er 2023 und 2024 das Halbfinale erreichte, schien sich die Tenniswelt gegen ihn verschworen zu haben. Ausgerechnet gegen ihn ist der Gegner, der eigentlich gar nichts kann, so dreist, die Filzkugel zu treffen.
"Medvedev hat sich in die eigene Tasche gelogen"
Der britische Tennisexperte Matt Roberts kritisierte Medvedev im bekannten "The Tennis Podcast". Der Russe habe "sich auf der Pressekonferenz in die eigene Tasche gelogen. Er hat Bonzi übertrieben starkgeredet und immer wieder auf das Turnier in Halle verwiesen, wo er das Endspiel erreichte", sagte Roberts.
Der Finaleinzug in Halle war Medvedevs erster seit 15 Monaten. Dazwischen lagen jede Menge frühe Niederlagen. Vor allem bei den Grand-Slam-Events in diesem Jahr spielte Medvedev keine Rolle: Aus in der zweiten Runde von Melbourne gegen Learner Tien (Nr. 121 der Welt), gefolgt von zwei Auftaktpleiten in Paris und Wimbledon gegen Cameron Norrie (Nr. 81) bzw. Bonzi (Nr. 64).
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Bild mit Symbolcharakter: Daniil Medvedev zertrümmert einen Schläger
Fotocredit: Getty Images
Erstmals seit 2019 rutschte Medvedev im März 2025 in der Weltrangliste aus den Top 10. Auf einen Turniersieg wartet der 29-jährige US-Open-Champion von 2021 seit Mai 2023, als er den Titel beim ATP Masters in Rom holte. 2023 gewann er auf der Tour 66 Einzel bei 18 Niederlagen (Siegquote 79 Prozent). 2024 sank die Siegquote auf 69, in der Saison 2025 auf 62 Prozent.
Auch seine ehemals gute Bilanz gegen die Topleute der Szene bricht sukzessive ein. Gegen Carlos Alcaraz gewann er zuletzt 2023, gegen Jannik Sinner 2024 im Wimbledon-Viertelfinale.
Medvedev verspührt leichte Panik nach Pleitenserie
Die Duelle mit den Besten sind rar geworden, da Medvedev oftmals gar nicht in die Nähe eines Halbfinals kommt. Beim Rasenturnier im niederländischen 's-Hertogenbosch produzierte er im Viertelfinale gegen den US-Amerikaner Reilly Opelka im Tiebreak des zweiten Satzes beim Stand von 4:1 drei Doppelfehler in Folge und ging weniger später raus.
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Daniil Medvedev wartet seit über zwei Jahren auf einen Turniersieg
Fotocredit: Getty Images
Medvedev grübelt über den Umgang mit der Negativserie. "Nach 's-Hertogenbosch war ich ein bisschen panisch, weil ich mehrere Matches hintereinander verloren habe. Und ich wäre wirklich besorgt, wenn es Halle nicht gegeben hätte, wo ich echt gut gespielt habe", sagte er nach seinem Aus in Wimbledon.
Die Talfahrt von Medvedev ist statistisch gesehen nicht von der Hand zu weisen. Der Russe befindet sich dabei in guter Gesellschaft. Vor ihm hat es eine Reihe ehemaliger Grand-Slam-Sieger erwischt, die aus den Top 10 flogen, als sie um die 30 waren: Andy Roddick, Lleyton Hewitt, Juan Martín del Potro seien stellvertretend genannt.
Wilander: Sinner und Alcaraz sind "schuld"
Eurosport-Experte Mats Wilander hält Medvedev noch immer für einen der besten Spieler der Welt. Die Probleme lägen in erster Linie im mentalen Bereich - und daran seien die Superstars der Szene "schuld".
"Ein Spieler wie Medvedev sollte immer in der Lage sein, das Viertelfinale eines Grand Slams zu erreichen. Aber die Generation um Medvedev, Tsitsipas, Zverev und Ruud erinnert mich an die Generation um Dimitrov, Nishikori und Cilic. Sie hatten Probleme, dauerhaft um Titel zu spielen, weil über ihnen Federer, Nadal, Djokovic, Murray und Wawrinka trohnten. Jetzt sind es Sinner und Alcaraz, die die Grenzen des Spiels verschieben", sagte Wilander während der French Open gegenüber der "L'Équipe".
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Highlights: Medvedev stoppt Zverev in Drei-Stunden-Krimi
Quelle: Eurosport
Hört man auf Medvedevs Worte nach seinem frühen Aus bei den Australian Open, ist diese Einschätzung nicht von der Hand zu weisen. "Ich habe 2024 einige enge Matches gegen Sinner und Alcaraz verloren. Das hat etwas mit mir gemacht. Ich hoffe, dass ich als 'Störer' der beiden zurückkommen kann", sagte er.
In den vergangenen Monaten ist ihm das nicht gelungen. Vielleicht bringt die anstehenden Hartplatz-Saison die Wende zum Guten. 18 seiner 20 ATP-Titel, inklusive dem einzigen Grand Slam, holte Medvedev schließlich auf Hardcourt.
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Alcaraz glücklich über Rivalität mit Sinner: "Großartig fürs Tennis"
Quelle: Perform
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