"Es ist ein anderes Gefühl, wenn du ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hast", stellte Daniil Medvedev vor Kurzem beim Rod Laver Cup fest.
Der US-Open-Champion hatte nach seinem Coup von New York in neun Tagen gerade einmal 30 Minuten Tennis gespielt. Nach einer solchen Pause, verriet der Russe, brauche er normalerweise zwei Wochen, um wieder einigermaßen sein Niveau zu erreichen. Das habe sich nun geändert, beim Laver Cup fegte er Denis Shapovalov 6:4, 6:0 vom Platz.
"Im zweiten Satz habe ich unglaubliches Tennis gespielt", staunte Medvedev über sich selbst. Konkurrenten, Medien und Fans versetzt der 25-Jährige schon länger ins Staunen, der Titel bei den US Open vor wenigen Wochen war der vorläufige Höhepunkt der Medvedev-Festspiele.
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Am 15. März kletterte der Moskowiter auf Platz zwei der Weltrangliste. Eine Zäsur. Es war das erste Mal seit Lleyton Hewitt im Juli 2005, dass ein Spieler außerhalb der Big Four um Djokovic, Roger Federer, Rafael Nadal und Andy Murray so hoch stand im Ranking.

Dann wäre Medvedev vor Djokovic

Die französischen Tennis-Statistiker von "Jeu, Set et Maths" haben nun eine interessante Rechnung präsentiert, wonach Medvedev sogar schon die Nummer eins sein könnte - insofern man die normalerweise gültige 52-Wochen-Regelung ansetzt.
Das bedeutet, dass in die Berechnung der Weltranglistenpunkte die Ergebnisse der vergangenen 52 Wochen einfließen.

Medvedev macht kurzen Prozess mit Shapovalov

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die ATP allerdings Änderungen vornehmen. Zunächst wurde der Berechnungszeitraum auf 22 Monate, später auf 24 Monate ausgedehnt. Diese Maßnahmen liefen zwar am 9. August prinzipiell aus, allerdings werden Resultate bestimmter Events von 2019 und des ersten Halbjahrs 2020 noch immer mit 50 Prozent gewertet.
Gut für Djokovic, der aktuell mit 12133 Punkten einen Vorsprung von 1558 Zähler auf Medvedev (10575) hat.
Bezieht man nur die Resultate der vergangenen 52 Wochen ein, ergäbe sich ein anderes Bild: Der Russe hätte nach durchaus komplizierten Berechnungen von "Jeu, Set et Maths" an Tag eins nach den US Open mit 9015 Punkten die Führung vom Serben übernommen, der weniger gespielt hat und bei 8860 gestanden hätte.
Auch dahinter würden sich Verschiebungen ergeben. Alexander Zverev, derzeit an Nummer vier im Ranking notiert, würde seine Position mit Stefanos Tsitsipas tauschen, der von drei auf vier rücken würde. Der größte Profiteur aber ist Roger Federer.

Berechnung ergibt: Federer Nummer 76 der Welt

Der 20-fache Grand-Slam-Turniersieger belegt im Moment Platz neun, wäre aber bei herkömmlicher Berechnung nach den US Open nur noch die Nummer 76 gewesen. In den Jahren 2020 und 2021 spielte der Schweizer verletzungsbedingt nur sechs Turniere und 19 Matches. Die besonderen Regelungen infolge der Corona-Pandemie sorgten aber dafür, dass Federer weiterhin in den Top Ten dabei ist.

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Für Medvedev ist es derweil so gut wie unmöglich, Djokovic noch in diesem Jahr vom Thron zu stoßen. Der US-Open-Sieger beendete die Saison 2020 überragend und gewann das Masters von Paris-Bercy und die ATP Finals in London. 2500 Punkte waren die beiden Titel wert - und die muss er in diesem Herbst nun verteidigen.
Djokovic ließ Paris-Bercy im Vorjahr aus und holte bei den ATP Finals als Halbfinalist nur 400 Zähler. Es spricht alles dafür, dass der 34-Jährige zum siebten Mal eine Saison als Branchenprimus beendet und damit den Rekord von Pete Sampras bricht.

Wachablösung in der Saison 2022?

2022 werden die Karten dann neu gemischt - und Medvedev gilt als aussichtsreichster Kandidat, Djokovic abzulösen. "Mir gefällt an seinem Spiel, dass er immer aggressiv ist. Wenn er mit 2:0 in den Sätzen vorne liegt, hört er trotzdem nicht damit auf. Daniil bleibt einfach auf dem Gaspedal. Ich kann in seinem Spiel keinen Fehler ausmachen", lobte Eurosport-Experte Mats Wilander den 25-Jährigen.

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Hinzu kommt eine gesunde Portion an Selbstvertrauen. "Ich weiß, wozu ich in der Lage bin. Es ist schwer, mich zu schlagen", ließ Medvedev auf dem Weg zum Titel in Flushing Meadows wissen - und lieferte ab.
Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker sieht die Zeit für den Wandel gekommen. "Der Generationsumbruch ist passiert, die junge Generation hat übernommen", erklärte der 53-Jährige im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball. Heißt: Medvedev wird in absehbarer Zeit wohl auch das Gefühl kennenlernen, wie es ist, als Nummer eins der Welt zu einem Turnier zu fahren.
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