So weit, so gut - so weit, so schlecht.
Was Dominic Thiem derzeit auf der Tour erlebt, passt auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen.
Der 27-Jährige kann erstmals seit November 2020 wieder mit seinem Coach Nicolás Massú trainieren. "Wir haben auf dem Court sofort wieder unsere Harmonie gefunden", schreibt Thiem auf seiner Webseite. Die ersten gemeinsamen Einheiten seien gut gelaufen, man arbeite intensiv daran, bald wieder Erfolge zu feiern.
Tennis
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Die Realität ist freilich eine andere. Obwohl Thiem sich in guter körperlicher Verfassung befindet, schied er beim ATP-Turnier von Dubai in seinem Auftaktmatch sang- und klanglos mit 3:6,4:6 gegen den südafrikanischen Qualifikanten Lloyd Harris aus. Es war kein Ausrutscher, sondern die bereits vier Niederlage im neunten Saisonmatch.

Nichts zu holen: Thiem scheitert krachend an Qualifikant

Beim ATP Cup gewann er nur ein Match, bei dem Gegner Benoît Paire auch noch aufgeben musste. Die Australian Open? Endstation Achtelfinale. In Doha scheiterte Thiem in seiner zweiten Partie, in Dubai gleich zum Auftakt.
Der Zauber ist verflogen.
Die Gründe durchschaut Thiem zwar noch nicht ganz, eine Ahnung aber hat er schon.

Thiem offenbar ungewohnte Schwächen

"Für mich hat sich seit den US Open sehr viel geändert. Das ist wohl immer so, wenn du das größte Ziel in deinem Leben erreicht hast", gab Thiem vor wenigen Tagen in einem ATP-Interview zu, dass ihm die neue Rolle als Grand-Slam-Champion nicht einfach so von der Hand geht. Es sei "ein Prozess, jetzt wieder zurück auf das Toplevel meines Spiels" zu kommen. "Ich bin in einer schwierigen Phase."
Es ist Thiem in den Matches deutlich anzumerken, dass es in ihm arbeitet. Der Weltranglistenvierte offenbart ungewohnte Schwächen. "Ich habe große Probleme gehabt, sein Service zu retournieren und zu viele leichte Fehler von der Grundlinie gemacht", analysierte Thiem sein Aus in Dubai.
In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Der Favorit brachte gegen Harris nur 51 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld, gab sein Service zweimal ab, machte bei 30 ersten Aufschlägen des Südafrikaners nur einmal den Punkt und erspielte sich keine Breakchance. Und das gegen die Nummer 81 der Welt.

"Richtig schlecht": Thiem analysiert schonungslos

Der Fall zeigt, wie wichtig die mentale Verfassung sogar bei den Besten des Fachs ist.
Was aber kann Thiem jetzt tun?
Die Teilnahme am Masters von Miami, das am 24. März beginnt, hat er bereits abgesagt.

Läuft nicht bei Dominic Thiem

Fotocredit: Getty Images

"Das wäre nicht das Richtige", so Thiem, der sich nun erst einmal Zeit nehmen will. "Ich muss jetzt einmal kurz nachdenken. Es ist notwendig, einen Neustart zu machen, da die vergangenen Wochen richtig schlecht waren." Die schonungslose Kritik an der eigenen Leistung dürfte erster ein wichtiger Schritt sein, das Tief zu überwinden.

Thiem: Diese Turniere haben jetzt Priorität

Thiems nächste Maßnahme: "Ich muss mir jetzt wieder neue Ziele setzen. Bei den Olympischen Spiele möchte ich eine Medaille holen, aber auch die French Open sind nach den guten Ergebnissen der vergangenen Jahre ein wichtiges Ziel", ließ der Österreicher wissen.
Und dann geht es natürlich um die Titelverteidigung bei den US Open. Thiem sieht sich dank der Zusammenarbeit mit Massú auf schnellen Hartplatzbelägen generell zu Großem berufen. Da habe er sich deutlich "verbessert, sowohl draußen als auch in der Halle. Nach den US Open habe ich 2020 auch in Wien gewonnen und bei den ATP Finals das Endspiel erreicht."
Den Fehlstart in die Saison 2021 sollte Thiem vor diesem Hintergrund nicht überbewerten. Er ist schließlich nicht der erste Tennisstar, der nach großen Erfolgen eine Durststrecke durchleben muss - und "seine" Turniere kommen ja erst noch. "Ich muss jetzt schauen, dass ich mich gut vorbereite, um frisch und richtig gut in die Sandplatzsaison zu starten", so Thiem, der zehn seiner bislang 17 Titel auf dem roten Geläuf holte.
Es sieht ganz danach aus, als ob er die richtigen Schlüsse aus seiner Formkrise gezogen hätte. So weit so gut...
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