"Es geht sich leider nicht aus."
Mit dieser schönen österreichischen Formulierung gab Dominic Thiem bekannt, auf Monte-Carlo zu verzichten. Klingt weniger dramatisch, als wenn er gesagt hätte, dass er nicht in der Verfassung ist, beim Klassiker im Fürstentum um den Titel mitzuspielen. Denn das ist der Anspruch, auf Sand noch mehr als auf den anderen Belägen.
Thiem gewann seinen ersten Grand-Slam-Titel zwar bei den US Open auf Hartplatz, der Fokus liegt in diesem Jahr aber auf Sand.
Tennis
Der Zauber ist verflogen: Darum steckt Thiem in der Krise
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"Mein größtes Ziel sind die French Open, wo ich mit Abstand meine besten Resultate erzielt habe", erklärte der 27-Jährige in einem auf "tennishead.net" veröffentlichten Video-Chat.

Thiems Traum: Nadal in Paris schlagen

Der Plan könnte ambitionierter nicht sein. "Wenn du die French Open gewinnen willst, dann musst du Rafael Nadal aus dem Turnier werfen. Es ist eine der größten Herausforderungen im Sport, Rafa auf dem Centre Court von Roland Garros zu schlagen." Thiem weiß genau, wovon er spricht. 2018 und 2019 unterlag er dem Spanier jeweils im Endspiel von Paris. Er wolle das Turnier aber unbedingt gewinnen, "solang er noch aktiv" ist, so Thiem weiter.
Nur: Danach sieht es im Moment (noch) nicht aus, das ultimative Ziel ist in weite Ferne gerückt.

Mit Gefühl und Gewalt: Die Highlights zu Nadal - Thiem

Thiem hat für seine Verhältnisse einen schwachen Saisonstart hingelegt, bislang ganze neun Matches gespielt. Vier davon verlor der Weltranglisten-Vierte - gegen Matteo Berrettini, Grigor Dimitrov, Roberto Bautista Agut und Llyod Harris. Spieler, die der Österreicher normalerweise bezwingen sollte.

Thiem: Drei Gründe für die Misere

Als Erklärung drängen sich gleich drei Gründe auf. Physische Probleme, spielerische Schwächen und die neue mentale Situation nach der Realisierung seines Lebenstraums, dem Gewinn eines Major-Events. "Es macht einen Unterschied, ob du nur mit der Hoffnung oder mit dem Glauben in einen Grand-Slam-Wettbewerb gehst, ihn gewinnen zu können", erläuterte Thiem im Gespräch mit der "Times of India". Er sei "erst seit einem Jahr in dieser Situation und ich muss noch lernen, damit umzugehen".

Nichts zu holen: Thiem scheitert krachend an Qualifikant

Kleinere Sorgen bereiteten dem Tennisstar zuletzt auch Fußprobleme. Nichts Neues, damit habe er bereits seit der Jugend zu tun, erläuterte Thiem beim ATP-Turnier von Doha Anfang März. Vater Wolfgang gab wenig später Entwarnung. "Es geht im grundsätzlich gut, wir mussten und müssen nur ein paar Dinge abchecken. Aber dabei handelt es sich um Kleinigkeiten, die eben immer wieder einmal auftreten, wenn Dominic auf Hardcourt spielt", verriet Thiem senior der "Kleinen Zeitung".
Bleibt noch die spielerische Komponente. Der Punkt, der Fans und Experten am meisten überraschte. Thiem streute immer wieder ungewohnte Nachlässigkeiten ein. Er habe "große Probleme gehabt, das Service zu retournieren und zu viele leichte Fehler von der Grundlinie gemacht", ging der US-Open-Champion nach dem Aus in Dubai hart mit sich ins Gericht. Die Rede war von "Neustart" und "richtig schlechten Wochen", die es aufzuarbeiten gelte.

Über Belgrad und Madrid zum French-Open-Titel?

Genau das passiert im Moment. In der 17.000-Einwohner-Gemeinde Traiskirchen, etwa 20 Kilometer südlich von Wien, schuftet Thiem fürs Comeback. "Derzeit arbeite ich zusammen mit Mike Reinprecht (Athletiktrainer, A.d.R.) an meiner physischen Fitness", verriet die Nummer vier der Welt. Headcoach Nicolás Massú wird in den kommenden Tagen ebenfalls zum Team stoßen, um das Comeback-Projekt voranzutreiben.
Ab dem 19. April wird es dann soweit sein, Thiem will beim Sandplatz-Turnier in Belgrad aufschlagen. Wettkampfluft schnuppern, die Form antesten. Zwei Wochen später will er beim Masters von Madrid wieder auf Augenhöhe sein mit der Weltspitze - ehe so langsam der Countdown für die French Open beginnt. Spätestens dann muss er bei 100 Prozent sein.
Noch liegt Thiem im Wettlauf gegen die Zeit im Plan. Es könnte sich ausgehen bis Paris ...
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